Unfall bei Senftenberg: Das rät ein Dekra-Experte Autofahrern im Winter

Ein Broiler-Verkäufer ist am 1. Dezember kurz vor der Pulsnitzbrücke bei Frauwalde (OSL) mit seinem Hähnchenverkaufswagen nach rechts von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geknallt. Teils rollten die ungebratenen Hähnchen über die Straße. Der Fahrer wurde vom Rettungsdienst behandelt.
Mirko SattlerAn keinem anderen Tag in diesem Jahr hat es bisher so oft geknallt wie zum Wintereinbruch am 28. November, als Frau Holle Großeinsatz hatte. Allein 18 Unfälle ereigneten sich im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, mehr als hundert waren es in Südbrandenburg. Auf der Bahnbrücke in Elbe-Elster krachten acht Fahrzeuge nacheinander zusammen. Unfallursache: Blitzeis. Laut Polizeibericht war es spiegelglatt.
Gleicher Tag, Briesker Straße in Senftenberg: Auch hier war die Kollision zweier Pkw wegen des zu knappen Bremswegs unausweichlich. Die meisten Fahrzeuge, die wegen der Witterung verunfallten, kamen von der Straße ab. So rutschte in Settinchen ein Auto in den Graben. Und zwischen Guteborn und Schwarzbach krachte ein Pkw gegen einen Baum.
Unfallursache Witterung – mit den Reifen fängt es an
Wie Polizeisprecher Maik Kettlitz berichtet, sei die Verkehrspolizei am ersten Tag des Wintereinbruchs gut beschäftigt gewesen. „Natürlich schauen wir uns dann auch gleich die Bereifung an“, sagt er. Mehrere Fahrzeuge, die wegen der Witterung in einen Unfall verwickelt waren, hatten tatsächlich noch Sommerreifen drauf.
Bei diesem Winterwetter in ein Auto mit Sommerreifen zu steigen, das sei „grob fahrlässig“, sagt er. Neben der falschen Bereifung sei das Fahrtempo ein weiterer Unfallfaktor. „Witterung und Geschwindigkeit gehören meistens zusammen“, stellt Polizeisprecher Kettlitz klar. Schuld sind die Haftreibungskräfte. Bei zu hoher Geschwindigkeit verliert das Auto auf spiegelglatter Fahrbahn an Haftung – und rutscht.
Sicher mit dem Auto durch den Winter: Was ein Dekra-Experte rät
So viel ist sicher, Autofahren im Winter kann eine Herausforderung sein. Wer sicher unterwegs sein will, sollte einige Verhaltenstipps beachten, so der Leiter der Dekra Niederlassung Cottbus, Gunnar Winkler. „Sicheres Fahren im Winter fängt mit den Reifen an“, bestätigt Winkler. „Die einzige Verbindung zwischen Fahrbahn und Fahrzeug sind vier etwa postkartengroße Flächen an den Reifen“, sagt er. Hier sollten Autofahrer in Sachen Sicherheit keine Kompromisse eingehen.
In Deutschland müssen bei winterlichen Straßenverhältnissen Reifen mit dem Symbol „Schneeflocke und Berg“ montiert sein. Die früher übliche „M+S“-Kennzeichnung reicht seit 2018 nicht mehr aus. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe.
Welche Profiltiefe der Winterreifen noch haben sollte
„Für eine sichere Fahrt empfiehlt Dekra bei Winterreifen aber mindestens vier Millimeter“, so der Dekra Experte. Wer Winterurlaub in Österreich macht, sollte außerdem beachten, dass die Winterreifenpflicht bei weniger als vier Millimeter Profil als nicht erfüllt gilt.
Für eine Fahrt in die Berge sollte man unbedingt passende Schneeketten an Bord haben. Die Montage sollte vorher zu Hause in Ruhe ausprobiert werden. Das Ausprobieren im Schneegestöber auf dem Alpenpass ist nicht nur unangenehm, sondern kann schnell auch gefährlich werden.
Eiskratzer, Besen, Decken: Was im Winter an Bord gehört
Was aber sollte im Winter unbedingt im Auto mit dabei sein? „Eiskratzer, Besen und Antibeschlagtuch sind Standard“, so Dekra-Experte Gunnar Winkler, „und auch gefütterte Arbeitshandschuhe, falls unterwegs ein Reifen gewechselt oder Ketten montiert werden müssen.“ Außerdem sollten warme Decken an Bord sein. Im Mega-Stau läuft die Auto-Heizung nicht endlos.
Vor dem Losfahren sollten die Scheiben komplett von Eis und Schnee befreit werden. „Kratzen Sie nicht nur ein Guckloch“, appelliert Winkler an die Verantwortung. „Fegen Sie Schnee auch vom Dach und von der Motorhaube, sonst kann während der Fahrt plötzlich die Sicht weg sein.“ Den Motor im Stand warmlaufen zu lassen, sei übrigens nicht nur verboten – es nützt auch nichts, sagt er.
Warum man die dicke Winterjacke beim Autofahren ausziehen sollte
Ein weiterer Tipp: „Klopfen Sie vor dem Einsteigen die Schuhe gut ab.“ Schnee im Auto sorgt für zusätzliche Feuchtigkeit im Fahrzeug und lässt die Scheiben beschlagen. Zudem rät Winkler, die dicke Winterjacke vor dem Losfahren abzulegen. „Wird der Abstand zwischen Körper und Sicherheitsgurt zu groß, steigt das Verletzungsrisiko bei einem Unfall“, sagt er.
Mehr Abstand zum Vordermann halten als ohnehin. Auf nasser Fahrbahn oder Schnee wird der Bremsweg deutlich länger. Zudem kann sich Eis vom Dach eines vorausfahrenden Fahrzeugs lösen und auf die Frontscheibe fliegen. Und auch ohne „echten“ Wintereinbruch gilt: „Fahren Sie auf Brücken, Straßenkuppen, in Unterführungen oder Waldschneisen besonders vorsichtig“, sagt Winkler. Hier kann es immer auch überraschend glatt sein.


