(hil) Den Auftakt der diesjährigen Maifeierlichkeiten macht am Mittwoch der Deutsche Gewerkschaftsbund mit seiner Kundgebung auf dem Platz am Stadtbrunnen. Nach Schätzung von Gewerkschaftssekretär Lothar Judith kommen im Laufe des vormittags rund 600 Menschen zu den Infotalks und Ständen, mit denen Verdi, die Industriegewerkschaft (IG) Bergbau, Chemie, Energie, die Bildungsgewerkschaft GEW die IG, BAU, die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten vor Ort waren.

Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) nutzt die Gelegenheit, um über den Tarifkonflikt zwischen Verdi und der Servicegesellschaft des Carl-Thiem-Klinikums zu sprechen, Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) appelliert an die Cottbuser, positiv in die Zukunft zu blicken. „Ein bisschen weniger jammern“, sagt er, und dass man die Chancen des Strukturwandels nutzen müsse. „Andere Regionen Brandenburgs beneiden die Lausitz wegen der zahlreichen Möglichkeiten, die sich hier bieten.“

Im Anschluss versammeln sich zahlreiche Cottbuser auf Initiative von Cottbus nazifrei am Stadtbrunnen und ziehen unter dem Motto „Unsere Solidarität ist unteilbar“ durch die Innenstadt.

Zeitgleich spricht der AfD-Landesvorsitzende Andreas Kalbitz am Blechen Carré über Sozialpolitik. Zunächst wettert er, sprachlich in der Tradition des Rechtsextremismus, gegen „fettgefressene Bonzokratie“ und „rotlackierte Linksfaschisten.“ Einige Hundert Anhänger applaudierten, unter ihnen Mitglieder der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung. Immer wieder beschwört Kalbitz das Bild armer Rentner, die sich ihr Essen aus dem Müll suchen. Er fordert eine Angleichung der Renten zwischen Ost und West. Das Rentenkonzept der AfD bleibt dabei unklar.

Die Landtagsabgeordnete Birgit Bessin kritisiert das Bundesprogramm „Demokratie leben“, das sich „für ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Mit­­einander“ einsetzt. Laut Bessin „gegen die AfD“.

Der Cottbuser Lars Schieske zieht Parallelen zwischen der Judenverfolgung 1933 und der aktuellen Situation der AfD. Christoph Berndt, Chef von Zukunft Heimat und Kandidat für den Landtag, sieht sich in der Tradition von 1989: „Bürgerbewegung und AfD sollen sich zu einer Volksbewegung zusammenschließen.“