Er hat schon zahlreiche Preise eingeheimst, unter anderem beim beim Tribeca Filmfestival in New York: Der Eröffnungsfilm des 29. Filmfestivals Cottbus war am Dienstagabend im Großen Haus des Staatstheaters die grenzüberschreitende Komödie „Smuggling Hendrix“, das Spielfilmdebüt von Regisseur Marios Piperides mit „Soul Kitchen“-Star Adam Bousdoukos in der Hauptrolle.

Yiannis hat keinen Erfolg als Musiker, will aus Zypern weg. Da läuft sein Hund Jimi fort, und zwar rüber in den von der Türkei kontrollierten Teil der Insel. Das Problem: Ein Gesetz verbietet die Überquerung von Tieren von der türkischen zur griechischen Seite Zyperns. Da ist guter Rat teuer . . .

Es steckt sehr viel drin in dem Streifen, schön zu sehen, wie sich die eigentlich verfeindeten türkischen und griechischen Zyprer irgendwie zusammenraufen (müssen). Das Gefühl, die Inszenierung hätte durchaus Straffung vertragen können, hängt möglicherweise damit zusammen, das nach der Eröffnungszeremonie Geduld und Sitzfleisch nicht mehr so strapazierfähig waren.

Schirmherr Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD, l.), Festival-Programmdirektor Bernd Buder (M.) und der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) im angeregten Gespräch.
© Foto: Michael Helbig

Von Neonazis und die Suche nach etwas

Am Mittwoch sind dann die ersten vier der zwölf Wettbewerbsspielfilme ins Rennen gegangen. „Mit einem scharfen Messer“ wird ein Student in Bratislava von Neonazis ermordet. Sein Vater sucht Gerechtigkeit. Das Spielfilmdebüt des Slowaken Teodor Kuhn zeigt einen verzweifelten Kampf in düsterer Atmosphäre. Wiederholung am Donnerstag um 10 Uhr im Weltspiegel.

Das Publikum der Eröffnungsveranstaltung wird sich im Festival-Trailer 2020 wiederfinden.
© Foto: Michael Helbig

„Ich bin Ren“ des Polen Piotr Ryczko stellt die Frage: Wer ist menschlich, was ist menschlich? Renata ist Ehefrau und Mutter. Oder doch ein Regenerative Emotive Neuero-Being mit Fehlfunktion? Das Psycho-Drama ist eigentlich etwas für späte Stunden: Donnerstag, 12.30 Uhr, Weltspiegel.

In „Agas Haus“ von Lendita Zeqiraj aus dem Kosovo leben fünf sehr unterschiedliche Frauen und ein neunjähriger Junge. Was ist den Frauen widerfahren? Wer ist wirklich der Vater des Jungen? Harte Tatsachen. Donnerstag, 14.30 Uhr, Weltspiegel.

„Die Gedanken sind frei“ von Antonio Lukich (Ukraine): Hier sammelt Vadim Tierstimmen für ein Videospiel. Auf der Suche nach einem seltenen Vogel in den ukrainischen Karpaten begleitet ihn allerdings seine seine sehr anhängliche Mutter – eine Drama-Queen . . . Donnerstag, 17 Uhr, Weltspiegel.

Festival-Programmdirektor Bernd Buder resümierte noch am Vorabend bei der Eröffnung, was das Publikum in diesem Jahr erwartet: „Ein bissiges und durchaus unterhaltsames Kino, das sein Publikum gleichermaßen herausfordert und ihm eine Heimat bietet, weil es lebensnah ist, ohne belehren zu wollen.“

Olaf Scholz: „Weltweit führendes Festival“

Die Eröffnungsreden hielten der Schirmherr der Festival-Ausgabe, Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und der Kuratoriumsvorsitzende des Festivals, Matthias Platzeck. „Das Ende des Kalten Kriegs war zugleich der Anfang für das Filmfestival Cottbus. Seit 1991 hat es sich zu einem der weltweit führenden Festivals des osteuropäischen Films entwickelt“, erklärte Scholz. „Die gewaltigen Veränderungen in den Ländern Osteuropas haben sich in den nunmehr 29 Film-Jahrgängen auf ebenso eindrucksvolle wie bewegende Art und Weise widergespiegelt.“

Platzeck wiederum, Nachfolger des langjährigen Kuratoriumsvorsitzenden Bernd Schiphorst, ließ das Festival von diesem herzlich grüßen. Und setzte Schiphorsts legendäre Fußball-Anspielungen fort: „In Babelsberg hat Energie Cottbus nicht zu suchen, sondern vielmehr in der Wuhlheide und im Olympiastadion.“ Und er betonte: „Das Festival ist ein Goldschatz“.

Sorbischer Jazz mit LeDazzo zur Eröffnung des Festivals.
© Foto: Michael Helbig

Durch die Eröffnung führte locker-flockig der Regisseur Axel Ranisch, der auch den aktuellen Festivaltrailer verantwortet, das Duo LeDazzo mit Lena Hauptmann und Dan Baron umrahmte den Abend musikalisch.

Die Besucher des Abends werden sich im kommenden Jahr zur 30. Ausgabe im Festivaltrailer entdecken können, denn sie wurden von Ranischs Drehteam kurzerhand zur Mitarbeit aufgefordert.

Neun Tage und zehn Minuten


Das 29. Filmfestival Cottbus empfängt rund 500 Gäste aus mehr als 40 Ländern. Mehr als 200 Filme aus 45 (Ko)Produktionsländern sind bis zum Sonntag zu sehen. Gesamtlänge der Filme: Neun Tage und zehn Minuten. Neue Länder in diesem Jahr sind Griechenland, die Türkei und Finnland. Mehr als 100 Mitarbeiter zählt das Filmfestival in der heißen Phase.