Der Schock sitzt bei den Spielern des FC Energie Cottbus immer noch tief – und er fällt gleich doppelt aus. Erstens, weil die FCE-Profis am Sonntag mit ansehen mussten, wie in der Regionalliga-Partie bei Tennis Borussia Berlin (4:0) ihr Gegenspieler Lucas Bähr plötzlich auf dem Rasen zusammengebrochen war und regungslos liegenblieb. Schnell war klar, dass es sich um einen medizinischen Notfall handelt. Und zweitens, weil es eine quälend lange Zeit dauerte, ehe ein Rettungswagen im Berliner Mommsenstadion vor Ort war.
„Die Organisation hat mir gar nicht gefallen. Es geht nicht, dass keine Sanitäter vor Ort sind. Auch wenn es vermeintlich nur Regionalliga ist“, kritisiert Energie-Kapitän Axel Borgmann. „Die Gesundheit ist einfach wichtig. Wir spielen hier Profifußball.“ Auch Jonas Hofmann fand es „beschämend, dass kein Rettungswagen da war“.

Kommunikationspanne im Stadion

Die Ereignisse am Sonntag in Berlin haben allen Beteiligten noch einmal deutlich vor Augen gehalten, wie wichtig eine schnelle medizinische Versorgungskette in solchen Ausnahmesituationen ist. Warum das diesmal so problematisch war? Unklar. TeBe-Präsident Günter Brombosch hatte direkt nach dem Spiel von einer Kommunikationspanne gesprochen und versichert, dass normalerweise stets ein Rettungswagen vor Ort sei. Zumal Tennis Borussia Berlin als gastgebender Verein in Absprache mit der Berliner Feuerwehr für die medizinische Versorgung zuständig ist. Auch die entsprechenden Kosten obliegen in solchen Fällen dem Verein.
Könnte ein ähnlicher Fall auch bei Energie Cottbus im Stadion der Freundschaft passieren? Zumal man in der Lausitz die unguten Erinnerungen im Hinterkopf hat. Im März 2011 war im Zweitliga-Spiel gegen den VfL Osnabrück der Gästestürmer Flamur Kastrati nach einem Zusammenprall in der Luft mit Markus Brzenska bewusstlos zu Boden gegangen. Genau wie jetzt in Berlin musste auch damals der Rettungswagen ins Stadion fahren, um den Spieler zu versorgen. Wer damals vort Ort war, wird die bedrückende Stille in diesen Minuten niemals vergessen.
Der wichtige Unterschied: Der Rettungswagen war damals vor Ort. In Cottbus greift laut Energie-Vereinssprecher Stefan Scharfenberg-Hecht die sogenannte Brandenburgische Versammlungsstättenverordnung. Sie regelt, welche Vorkehrungen der Verein als Veranstalter bei jedem Heimspiel zu treffen hat. Eine ähnliche Verordnung gibt es natürlich auch in Berlin.

So ist Energie Cottbus vorbereitet

„Gemeinsam mit unseren Netzwerkpartnern stimmen wir uns im Rahmen der jeweiligen Sicherheitsberatung im Vorfeld ab. Ab 1000 Zuschauern ist ein Krankenwagen mit Sanitätern vorgeschrieben, bei über 5000 Zuschauern ist zudem auch ein Notarzt sowie die Feuerwehr im Stadion präsent. Dank unserer Partner und der reibungslosen Zusammenarbeit mit allen Beteiligten sind wir immer auf etwaige Vorkommnisse vorbereitet“, erklärt er.
Zudem habe man für die Mannschaft nahezu bei jedem Spiel ein Mitglied des Ärzteteams vor Ort – also auch auswärts. Dieser Umstand kam am Sonntag in Berlin auch dem kollabierten Lucas Bär von Tennis Borussia zugute. Denn FCE-Mannschaftsärztin Carolin Thamke und Physiotherapeut Bastian Rost eilten sofort auf das Feld, um Bähr zu helfen. „Das war für uns eine Selbstverständlichkeit“, betont Scharfenberg-Hecht. Auch TeBe-Trainer Abu Njie hatte sich am Sonntag umgehend für diese so wichtige Hilfe bei der Erstversorgung bedankt.
Die gute Nachricht: Lucas Bähr, der zuvor für Tasmania Berlin und Union Fürstenwalde gespielt hatte, geht es wieder besser. Doch viele Fragen bleiben offen. Der Innenverteidiger war ohne gegnerische Einwirkung auf dem Rasen zusammengebrochen. Er hatte einen Schwächeanfall erlitten. Das Spiel musste rund eine halbe Stunde unterbrochen werden.
Lucas Bähr durfte das Notfallkrankenhaus Westend inzwischen verlassen. „Beim EKG wurde in der Klinik nichts gefunden. Deshalb wird er jetzt von einem Kardiologen komplett durchgecheckt. Auch die Daten seiner Pulsuhr, die er am Spieltag um den Brustkorb trug, werden ausgewertet“, erklärt Mannschaftsarzt Dr. Thorsten Dolla gegenüber „Bild“. Unklar sei, ob der Zusammenbruch mit einer Corona-Erkrankung vor drei Woche zusammenhänge. Erst wenn alle Untersuchungen abgeschlossen seien, darf Bähr wieder ins Training einsteigen, so der Mediziner.
Genau wie bei Energie Cottbus ist man auch bei Tennis Borussia geschockt. Man werde sich „mit allen Beteiligten zusammensetzen, um zu besprechen, wie wir zukünftig in Notfallsituationen noch besser handeln können“, kündigt Vereinschef Günter Brombosch an.