Zwischen 1998 und 2009 hütete Tomislav Piplica das Tor von Energie Cottbus in der ersten und zweiten Bundesliga. Nicht nur aufgrund seiner Leistungen, sondern auch seines Charakters wurde der Bosnier schnell zur Kultfigur. Mittlerweile arbeitet der 53-Jährige als Torwarttrainer bei Drittligist Erzgebirge Aue.
Beim Testspiel zwischen den Sachsen und Energie Cottbus gab es also ein Wiedersehen des langjährigen Cottbusers mit seinem Ex-Verein. Im Anschluss an den Auer 3:1-Sieg sprach Piplica unter anderem über die Aufstiegschancen der Lausitzer und dankte den Cottbuser Fans wegen einer Aktion aus der Saison 2021/22 ausdrücklich.

Ein intensives Testspiel zwischen Erzgebirge Aue und Energie Cottbus

Für Piplica war das Wiedersehen mit seinem Ex-Klub ein besonderes, auch wenn er mit der aktuellen Mannschaft und dem Präsidum wenig Kontakte hat. „Ich sage es immer, es ist ein Stück meines Lebens und es freut mich immer zu sehen, wenn es meinem Energie gut geht. Heute haben sie wieder ein gutes Gesicht gezeigt und man hat gesehen, welches Potenzial sie haben. Mit diesem Stadion, diesem Zuschauerpotenzial und dieser Qualität der Spieler haben sie verdient, in einer höheren Liga zu spielen.“
Der Bosnier schätzt die Aufstiegschancen der Cottbuser als gut ein. „Energie hat gezeigt, dass sie eine Top-Mannschaft haben und ein Favorit in der Regionalliga sind.“ Allerdings gebe es in der Liga viele gute und traditionsreiche Mannschaften. „Erfurt, Lok Leipzig, Chemie Leipzig, BFC, Babelsberg, Chemnitz, Jena – die sind alle top, haben alle Tradition, gute Jungs und eine gute Mannschaft“, findet Piplica.
Wer davon am meisten Glück habe, werde wohl am Ende Meister und müsse in die Relegation. Dass der Tabellenerste nicht direkt aufsteigt, ärgert ihn: „Ich hoffe, dass das dieses Jahr das letzte Mal so ist. Der Erste muss direkt aufsteigen!“

Bei Erzgebirge Aue steht Piplica mit dem Trainerteam vor einer schwierigen Aufgabe

Fußballerisch war Piplica mit dem Testspiel der Auer gegen Energie hochzufrieden. „Das war sehr, sehr intensiv und ein sehr gutes Testspiel für beide Mannschaften. Cottbus war sehr gut, haben in der ersten Halbzeit gut mitgespielt und uns gepresst. Die zweite Halbzeit haben wir besser kontrolliert und verdient gewonnen.“ Gewinnen will Erzgebirge Aue künftig auch in der Liga wieder.
Mit nur 14 Punkten steht der Klub auf einem Abstiegsplatz in der 3. Liga und droht durchgereicht zu werden, nachdem man im Sommer 2022 bereits aus der 2. Liga abgestiegen war. „Ich weiß, das wird schwer, aber was ist im Leben leicht?“, sagt Piplica über die Situation und sieht ein großes Pfund im Abstiegskampf. „Die letzten zehn Jahre ist in Aue sehr viel passiert. Die Infrastruktur ist top, die Trainingsplätze sind top. So ein Stadion zu haben im Osten, ist ein Stück Gold. Das muss jeden Spieler noch mehr motivieren, um in der Restserie Gas zu geben und in der Liga zu bleiben.“
Kulttorhüter: Nicht nur bei Energie Cottbus hatte Tomislav Piplica zu Bundesligazeiten Kultstatus.
Kulttorhüter: Nicht nur bei Energie Cottbus hatte Tomislav Piplica zu Bundesligazeiten Kultstatus.
© Foto: Höhne

Tomislav Piplica dankt den Cottbuser Fans und spricht über seinen Sohn

Dass auch die Cottbuser ein Stadion mit toller Atmosphäre haben, erlebte die Familie Piplica mehrfach. Nicht nur Tomislav zu Bundesligazeiten, sondern auch sein Sohn Zak Paulo am 29. Spieltag der vergangenen Saison. Ausgerechnet gegen Energie schoss der Mittelfeldspieler sein erstes Regionalliga-Tor und musste das Feld nach zehn Minuten schon wieder verletzt verlassen.
Beim Abgang feierte ihn der Cottbuser Fanblock mit „Piplica, Piplica“-Gesängen. Vater Tomislav erinnert sich nur zu gut daran. „Ich will mich wirklich bei den Energie-Fans bedanken, was für einen Empfang sie meinem Sohn damals in Cottbus bereitet haben.“ Piplica hofft, dass sein Sohn bald wieder in Topform ist. „Seit 20 Tagen ist seine Schraube herausgenommen und wir hoffen, dass er auf das gleiche Niveau kommt wie vor seiner Verletzung.“
Der Vater wird die Leistung auf jeden Fall weiter kritisch beobachten: „Ich sage immer, wenn Gutes passiert, weißt du selber, was du gut gemacht hast. Auf das schlechte muss man immer hinweisen. Klar, Kritik ist schwer zu akzeptieren, aber so ist das manchmal im Leben. Ich habe unter Ede Geyer auch Kritik bekommen und wir haben trotzdem sechseinhalb Jahre erfolgreich zusammengearbeitet.“

Tomislav Piplica im Video-Interview mit der Lausitzer Rundschau

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