Für die Fans von Energie Cottbus gab es beim 8. Bretterknaller-Hallenturnier eine Reihe von ehemaligen Bundesliga-Stars zu sehen. Immerhin kickte am Freitagabend in der Lausitz-Arena zum Beispiel Europameister Thomas Helmer im Trikot von Borussia Dortmund. Für Energie Cottbus waren unter anderem Detlef Irrgang, Rudi Vata und Thomas Hoßmang am Ball.
Der eigentliche Star des Abends saß jedoch auf der Tribüne der Lausitz-Arena: FCE-Trainerlegende Eduard Geyer wurde bei der Begrüßung durch den Hallensprecher mit viel Beifall bedacht. Der inzwischen 78-Jährige hatte Energie Cottbus im Jahr 2000 zum Aufstieg in die Bundesliga geführt. Gemeinsam mit Ehefrau Angelika verfolgte er die Spiele beim Bretterknaller. „Ich komme immer gern nach Cottbus zurück. Ich treffe hier viele Leute, die damals wirklich Außergewöhnliches für Energie Cottbus geleistet haben“, sagt Geyer.

Energie Cottbus in der Bundesliga

Eduard Geyer führte damals das Triumvirat mit Präsident Dieter Krein und Manager Klaus Stabach an, das den Verein auf die große Fußballbühne in Deutschland gehievt hatte. Wie sehr die Fans von Energie Cottbus diese erfolgreiche Zeit im Herzen tragen, zeigte sich auch am Freitagabend in der Lausitz-Arena. Geyer wurde immer wieder zu gemeinsamen Erinnerungsfotos gebeten und schrieb viele Autogramme.
Auch bei seinen ehemaligen Spielern genießt der als harter Hund gefürchtete Ex-Coach ein großes Ansehen. Die Begrüßung mit früheren Profis wie Thomas Hoßmang, Rudi Vata und Andrzej Kobylanski fiel sehr innig aus. Einige kamen sogar extra auf die Tribüne, um ihren damaligen Trainer zu umarmen. „Ja, wir reden viel über diese Zeit und genießen, was wir damals erreicht haben. Es ist immer wieder schön, Ede zu sehen“, erklärt Detlef Irrgang. Thomas Hoßmang ergänzt: „Es ist immer etwas Besonderes, ehemalige Mitspieler und auch Ede Geyer wieder zu sehen. Klar, kommen dann auch schnell die schönen Erinnerungen von damals hoch. Was wir erreicht haben, ist einmalig. Toll, dass ,Ede‘ hier dabei ist.“
Abgehakt sind die vielen harten Übungseinheiten, als Geyer seine Spieler über den Platz oder durch den Wald scheuchte. Immer und immer wieder. Solange, bis der eine oder andere hinter den Büschen sich vom Inhalt seines Magens erleichtern musste. Abgehakt sind auch die knallharten Ansprachen in der Kabine und die Brüller des strengen Coaches an der Seitenlinie. Was stattdessen geblieben ist, sind die Erinnerungen an die großen gemeinsamen Erfolge und die emotionalen Spiele in der Bundesliga.
„Eduard Geyer als Trainer hat Energie Cottbus zu dem gemacht, was es damals war. Seine ganz besondere Philosophie und seine Leidenschaft waren der Schlüssel für unseren Erfolg. Seine Mentalität war außergewöhnlich. Einen solchen Charakter habe ich in meiner gesamten Karriere kein zweites Mal erlebt“, schwärmt Rudi Vata.
Der Albaner hat von 1998 bis 2001 unter Geyer in Cottbus gespielt. Die außergewöhnliche Fixierung des Teams auf den Trainer war aus Sicht von Vata die Basis für den Erfolg des krassen Außenseiters in der Bundesliga. „Wir Spieler haben natürlich auch für Energie Cottbus gespielt. Aber vor allem haben wir für Eduard Geyer gespielt. Wir Spieler waren seine Soldaten und sind ihm gefolgt. Wir haben ihn wegen seiner Strenge manchmal gehasst. Aber wir wussten, dass wir mit ihm Erfolg haben“, blickt Vata zurück.

Eduard Geyer schaut entspannt Fußball

Im weisen Alter von 78 Jahren kann Eduard Geyer über diese Geschichten inzwischen schmunzeln. Er schaue Fußball jetzt „viel entspannter Fußball als früher, wo ich selbst in der Verantwortung stand“, berichtet der Dresdner. Entspannung bei Eduard Geyer? So richtig vorstellen kann man sich das nicht. Auch beim Bretterknaller-Turnier verfolgt er jede Aktion auf dem Parkett mit Argusaugen und erklärt seiner Angelika, was die Spieler in der einen oder anderen Situation hätten besser machen können.
Vor allem seine ehemaligen Schützlinge wie Irrgang & Co. hat er wie damals genau im Blick – und auch deren körperliche Verfassung. „Natürlich hat kein Spieler mehr sein Wettkampfgewicht. Aber es hätte schlimmer kommen“, findet Eduard Geyer mit Blick auf so manche Rundung in der Körpermitte. Dass es für die Gastgeber nach nur einem einzigen Remis und vier Niederlagen lediglich zum letzten Platz reicht – Geyer findet es auch zwei Jahrzehnte nach der großen Zeit in der Bundesliga nicht wirklich lustig. Dennoch lächelt er am Freitagabend den immer noch vorhandenen Ehrgeiz einfach weg: „Hallenfußball soll ja vor allem Spaß machen.“
Seinen ehemaligen Spielern indes dürfte angesichts dieser Negativbilanz wohl der eine oder andere Gedanke an frühere Straftrainings durch den Kopf gegangen sein. Bloß gut, dass sie den nächsten Tag nach so einer Niederlagenserie jetzt nicht mehr gemeinsam mit Eduard Geyer auf dem Trainingsplatz verbringen müssen.

Die Bilanz des 8. Bretterknaller-Hallenturniers

Der Turniersieg ging an die Traditionsmannschaft des 1. FC Magdeburg. Die weiteren Platzierungen: 2. Bundesliga-Auswahl Ost, 3. Sparta Prag, 4. BFC Dynamo, 5. Borussia Dortmund, 6. Energie Cottbus.
Als bester Spieler des Turniers wurde Skerdilaid Curri von der Bundesliga-Auswahl Ost ausgezeichnet. Bester Torschütze: Lars Fuchs (1. FC Magdeburg), bester Torhüter: André Thoms (Energie Cottbus).
Die Lausitz-Arena war am Freitagabend mit 2000 Zuschauern bei der 8. Auflage des Bretterknaller-Turniers das erste Mal ausverkauft. Das Turnier soll auch im nächsten Jahr stattfinden. Als Termin kündigte Organisator Ernst Schlodder den 5. Januar 2024 an.