Regionalliga Nordost
: Lok Leipzig trennt sich von Präsidium rund um Torsten Kracht

Lok Leipzig stellt sein Vereinspräsidium neu auf. Der Aufsichtsrat hat das komplette Präsidium rund um Präsident Torsten Kracht abberufen und erklärt in einer Mitteilung die Gründe.
Von
Peter Mertes
Leipzig
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Abberufung: Torsten Kracht ist nicht mehr Präsident von Lok Leipzig. Der Aufsichtsrat hat sich dafür entschieden, das komplette bisherige Präsidium von seinen Aufgaben zu entbinden.

Sebastian Räppold/Matthias Koch

Es sind unruhige Zeiten bei Lok Leipzig: Mit nur 20 Punkten steckt die Mannschaft mitten im Abstiegskampf der Regionalliga Nordost, zudem brodelte es in den vergangenen Wochen abseits des Platzes rund um Präsident Torsten Kracht und das Präsidium des Vereins. Nun hat sich der Aufsichtsrat zu einem radikalen Schritt entschieden.

Am Donnerstagabend (15. Februar) verkündete der Rat die Entscheidung, das komplette Präsidium abzuberufen. Gleichzeitig wurden mit Michael Weichert, Heiko Spauke und Tommy Militzer bereits drei neue Präsidiumsmitglieder ernannt, heißt es in der Mitteilung des Aufsichtsrats. Es sei geplant, das Präsidium noch zu erweitern.

Mitarbeiter von Lok Leipzig hatten Beschwerde eingereicht

Vorausgegangen war der Abberufung des Präsidiums eine offene Beschwerde von 21 Mitarbeitern von Lok Leipzig. Sie hatten sich im Januar mit einem Brief an den Aufsichtsrat gewandt und darin den Führungsstil des Präsidenten kritisiert: „Torsten Kracht ist nicht in der Lage einen Verein zu führen; ganz im Gegenteil: Er spaltet unseren Club“, hieß es unter anderem. Kritisiert wurde Krachts „schwieriger Umgangston, autoritäre Anweisungen und haltlose Unterstellungen.“

Zudem soll sich der Präsident abfällig über leitende Angestellte geäußert haben, darunter auch Cheftrainer Almedin Civa. Der sollte zum Jahreswechsel 2024 mit Toni Wachsmuth einen Sportdirektor an die Seite gestellt bekommen. Die vor allem von Kracht vorangetriebenen und lancierten Gespräche brachten aber keine Einigung, Civa ist weiterhin Trainer und Sportdirektor in Personalunion.

Mit der Abberufung des Präsidiums sei der Aufsichtsrat entschlossen, „einen Neuanfang in der Vereinsführung für einen gemeinsamen Vertrauensaufbau zu initiieren“, heißt es in der Mitteilung auf der Homepage des Vereins. Nach intensiven Diskussionen in den vergangenen Wochen habe man erkannt, dass „ein fundamentaler Wandel“ notwendig sei.

Aufsichtsrat sieht einen Befreiungsschlag für Lok Leipzig

Der Aufsichtsrat schreibt von einem „Befreiungsschlag“ als ersten Schritt, mit dem eine „neue Ära der Kommunikation und Führung“ innerhalb des Vereins geebnet werden solle. Die Veränderung des Präsidiums sei Teil eines Plans, die Entscheidungsfindung und die Verantwortlichkeiten im Verein zu professionalisieren. Das solle auch die Beziehungen zu Sponsoren, Mitgliedern und Fans verbessern. Zudem sollen Aufsichtsrat und Präsidium „einen Zukunftsplan entwickeln, wie sportliche Ambitionen realistisch zu meistern sind.“

Dafür solle das Zusammenspiel mit allen Beteiligten verbessert werden: von den Mitgliedern über die Mitarbeiter bis hin zum Trainerteam der ersten Mannschaft und dem Vereins–Nachwuchs. In den kommenden Monaten wolle der Aufsichtsrat entsprechende Gespräche mit dem Präsidium sowie der Geschäftsstelle führen. Das Ziel sei, „die Effizienz und Qualität der Vereinsführung und der Betreuung unserer Unterstützer zu steigern.“

Torsten Kracht schreibt von Mauern und Windmühlen

Kracht selbst soll sich laut Kicker in einer ersten Reaktion enttäuscht geäußert und auf WhatsApp drei Zitat–Grafiken gepostet haben, darunter den Satz: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Dort habe der Ex–Präsident einen persönlichen Kommentar hinzugefügt: „Schade, wir waren echt dran, großartige Windmühlen zu bauen.“ Eine zweite Botschaft sei gewesen: „Mit der Zeit fliegt alles auf. Die versteckten Lügen, die offensichtlichsten Gründe und die falschesten Personen.“

Der Aufsichtsrat schreibt in seinem offiziellen Statement von einem Neuanfang, will das Tischtuch zum Ex–Präsidium aber nicht komplett zerreißen: „Der Aufsichtsrat bedankt sich ausdrücklich für das Engagement des bisherigen Präsidiums und würde sich sehr freuen, die Kompetenz und Erfahrung jedes Einzelnen auch in Zukunft in anderer Funktion nutzen zu können.“

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