Fußball Regionalliga Nordost: Schiedsrichter aus der Ukraine pfeift Energie Cottbus und hilft dem vom Krieg gebeutelten Land

Viel unterwegs: Schiedsrichter Eugen Ostrin (hier 2021 im Spiel des ZFC Meuselwitz gegen Carl Zeiss Jena) pfeift am Sonntag das Spiel von Energie Cottbus in der Regionalliga Nordost. Neben dem Platz beschäftigt den gebürtigen Ukrainer aber ganz anderes.
Matthias KochFünf Spiele in der Regionalliga Nordost hat Eugen Ostrin bisher in der Saison 2022/23 gepfiffen und dabei 26 Gelbe Karten gezeigt. So weit, so normal. Mit über 100 Regionalliga–Spielen ist der Schiedsrichter des FC Eisenach einer der erfahrensten auf diesem Niveau. Was den gebürtigen Ukrainer neben dem Platz beschäftigt, ist aber alles andere als Normalität.
Ostrin und seine Frau, die aus der Ukraine stammt, haben Familie und Freunde in dem vom Krieg gebeutelten Land. Der 37–Jährige sorgt sich um sie und die anderen Menschen in der Ukraine. So sehr, dass Ostrin beschlossen hat, selbst anzupacken.
Der Schiedsrichter hat gesammelt und ist selbst in die Ukraine gefahren
Schon kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 hatte der Schiedsrichter des thüringischen Fußballverbandes (tfv) eine Spendenaktion gestartet. Ostrin ist sogar selbst zweimal an die ukrainische Grenze gefahren.
Diese Eskalation, vor allem in dem Tempo, habe er nicht für möglich gehalten, sagte der Schiedsrichter im Frühjahr in einem Gespräch mit dem tfv. Als kleiner Junge kam Ostrin mit seiner Familie Anfang der 1990er Jahre nach Deutschland. Ehefrau Elena, die er 2019 in Kiew geheiratet hat, ist Ukrainerin. „Bei unserer Hochzeit hatten wir Gäste aus der ganzen Welt. Die waren begeistert von der wunderschönen Stadt, die jetzt in Schutt und Asche gelegt wird“, erzählte der Deutsch–Ukrainer.
Ostrin schilderte schreckliche Eindrücke
Auch Eindrücke aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew, die im März unter heftigem russischen Beschuss lag und aktuell wieder stark mit Raketen angegriffen wird, schilderte Ostrin. Angehörige und Bekannte berichteten so gut es ging aus der Stadt. „Es ist katastrophal, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leiden. Die Partnerin eines mit mir befreundeten Fußballers bekam ihr Baby in einem Bunker.“
Die Tätigkeit als Schiedsrichter lenkt Ostrin vom Krieg ab
So unbedeutend im Vergleich dazu ein Regionalliga–Spiel in Deutschland scheinen mag, für Ostrin ist es eine willkommene Gelegenheit. Vor einem halben Jahr hatte der Schiedsrichter angekündigt, nach einer kurzen Pause wieder zur Pfeife zu greifen, um nach vielen schlechten Nachrichten abschalten zu können.

