Als Nationaltrainer betreute Eduard Geyer das letzte Spiel der DDR-Nationalmannschaft. Als Bundesliga-Coach von Energie Cottbus erlangte er als „Ede gnadenlos“ einen Kultstatus weit über die Lausitz hinaus. Nicht nur für sein hartes Training war der als Disziplinfanatiker geltende Trainer bekannt. Auch die klaren Ansagen waren typisch für ihn.
Im Jahr 2022 bekommt entsprechend die Nationalmannschaft nach dem zweiten WM-Aus in Folge ihr Fett weg. Geyer analysiert im „Kicker“ gewohnt gnadenlos: „Es hätte um die totale Fokussierung auf den Ball gehen sollen und nicht darum, ob wir die Binde rechts oder links tragen, ob sie überhaupt schön ist und ob wir uns den Mund zu halten.“

Eduard Geyer hätte die Mannschaft nach dem Aus abgeschottet und die Spiele analysiert

Dinge, die nichts mit dem Fußball zu tun haben, hätten die Mannschaft belastet, führt der Ex-Cottbuser weiter aus. „Diese ganzen Aktionen sind total nach hinten losgegangen und haben uns total ins Abseits gestellt. Wir denken immer, wir sind der Nabel der Welt und schießen uns am Ende ins Knie.“
Man habe sich mit allem Möglichen beschäftigt, „nur nicht mit der Konsequenz des Fußballs.“ Nach dem letzten Gruppenspiel hätte Geyer die Elf nicht sofort auf die Heimreise geschickt, erklärt der Cottbuser Kulttrainer.
„Ich wäre in Katar geblieben, hätte mich drei Tage im Quartier eingeschlossen und eine knallharte Analyse gemacht. Man muss ganz ehrlich sein: Seit 2014 sind wir nur noch Mittelmaß.“

Manager Oliver Ruhnert von Union Berlin übt Kritik an den Strukturen im DFB

Oliver Ruhnert, der Manager von Union Berlin, kritisiert hingegen weniger die Mannschaft, sondern den Verband im Hintergrund. „Das ganze System passt einfach so nicht mehr. Wir sind im Gesamtbereich des DFB, der Direktion Nationalmannschaften schlecht aufgestellt – und das von unten bis oben. Im Nachwuchsbereich haben wir aus meiner Sicht personell und strukturell seit Jahren viele falsche Entscheidungen getroffen.“
Personelle Veränderungen sind für ihn nicht ausgeschlossen: „Wenn man über personelle Konsequenzen spricht, muss man auch die Führungsebene ins Auge fassen. Das muss man klar ansprechen, trotz der Verdienste in der Vergangenheit.“ Einzig den Bundestrainer Hansi Flick nimmt Ruhnert davon aus: „Ihn halte ich für selbstkritisch genug, Dinge neu zu denken und zu entwickeln.“