Für die Fans des FC Energie Cottbus sollte das Pflichtspieljahr 2023 in der Fußball-Regionalliga Nordost eigentlich mit zwei Heimpartien beginnen. Das Spiel gegen Chemie Leipzig fiel allerdings dem Winter zum Opfer. An diesem Samstag (28. Januar) geht es nun aber hoffentlich los. Zum Auftakt der Rückrunde gastiert die VSG Altglienicke im Stadion der Freundschaft (13 Uhr).
Mit den eigenen Fans im Rücken in die Mission Meisterschaft zu starten – das könnte sich als Vorteil für Energie Cottbus erweisen. Denn in der Hinrunde konnte sich der FCE auf seine Fans verlassen und überwinterte nicht zuletzt wegen dieser Heimstärke als Tabellenführer. Sieben Spiele gab es im Stadion der Freundschaft – siebenmal gingen die Gastgeber als Sieger vom Rasen. Energie Cottbus ist damit das einzige Team aller fünf Regionalligen, das eine makellose Heimbilanz vorzuweisen hat.
„Spiele vor unseren Fans zuhause sind immer unangenehm für den Gegner“, sagt Abwehrchef Jonas Hildebrandt. Er ergänzt mit Blick auf die Tabellenführung: „Für uns ist es gut, weil wir Rückenwind mitnehmen, aber jedes Spiel geht bei null los und wir müssen von Anfang an da sein. Ich glaube, in der Liga kann unseren Fans keiner was vormachen.“

Energie Cottbus überwintert als Tabellenführer

Das Wichtigste, um möglichst viele Fans ins Stadion zu locken, ist natürlich der sportliche Erfolg. Hier hat die Mannschaft von Trainer Claus-Dieter Wollitz in der Hinrunde abgeliefert: Energie Cottbus lag am Jahresende mit 33 Punkten vor Rot-Weiß Erfurt (31) und dem Chemnitzer FC (28).
Insgesamt 30 469 Besucher kamen zu den bisherigen sieben Heimspielen ins Stadion der Freundschaft. Das ergibt einen Schnitt von 4353 Zuschauern pro Spiel. Damit liegt der FCE allerdings unter der eigenen Kalkulation. „Wir sind auf jeden einzelnen Zuschauer stolz, der zu uns ins Stadion kommt. Da sind wir total dankbar. Ich sage aber auch ganz klar, dass wir uns den einen oder anderen Zuschauer mehr gewünscht hätten. Das ist kein Vorwurf, sondern die Realität. Die Leute müssen ihr Geld einfach zusammenhalten“, betont Präsident Sebastian Lemke.
In der Zuschauer-Tabelle aller fünf Regionalliga-Staffeln liegt Energie Cottbus aktuell auf Platz fünf. Alemannia Aachen aus der Regionalliga West führt diese Rangliste mit einem Schnitt von 9236 Besuchern pro Spiel an. Es folgen Preußen Münster (RL West, 7310), Kickers Offenbach (RL Südwest, 5999), Rot-Weiß Erfurt (5474), Energie Cottbus (4353) und Chemie Leipzig 3990 (alle RL Nordost). Geplant hatte Energie mit einem Schnitt von über 5000 Zuschauern.
Ein viel diskutiertes Thema in diesem Zusammenhang sind die Live-Übertragung der Spiele im Internet oder im Fernsehen. Rechte-Inhaber Ostsport-TV kommt mit seinen Kameras gern im Stadion der Freundschaft vorbei, denn Live-Übertragungen mit Energie Cottbus bedeuten meistens gute Quoten.

Fluch und Segen für Energie Cottbus

Für den Verein sind diese Übertragungen Fluch und Segen zugleich: einerseits eine gute Werbung für den Standort Cottbus, andererseits bleibt so mancher Zuschauer dann lieber zu Hause im warmen Wohnzimmer. „Wenn ein Heimspiel von uns übertragen wird, kostet uns das erfahrungsgemäß zwischen 500 und 600 Zuschauer im Stadion. Diese Einnahmen fehlen uns ganz eindeutig in der Kasse“, räumte Vize-Präsident Gunnar Winkler am Dienstagabend in einer Gesprächsrunde vor Unternehmern und Fans auf Einladung des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) ein. Laut Winkler geht es bei den Übertragungsrechten in der Regionalliga nicht wirklich um große Summen. Er sprach von rund 10 000 Euro für den Verein – pro Jahr wohlgemerkt.
Zum Vergleich: Eine Etage höher in der 3. Liga geht es mittlerweile um siebenstellige Summen bei der Fernsehvermarktung. Durch den neuen TV-Rechte-Vertrag erhalten die Drittligisten ab der kommenden Saison deutlich mehr Geld als bisher. Vereine wie Dynamo Dresden beispielsweise können dann mit etwa 1,3 Millionen rechnen. In der 2. Liga in der Saison 2021/22 waren es für Dynamo sogar knapp zehn Millionen Euro.
Zurück zu den Zuschauern in der Regionalliga. Die größte Kulisse aller fünf Staffeln in den bisherigen Partien gab es im Nordosten. 12.000 Zuschauer kamen zum Thüringen-Derby zwischen Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena. Dabei ist für Energie Cottbus der Sprung auf Platz 1 der Zuschauer-Tabelle im Nordosten in der Rückrunde durchaus realistisch. Denn der Spielplan hält eine gute Nachricht parat: Auf den FCE und die Fans warten noch eine Reihe attraktiver Heimspiele. Neben der Nachholpartie gegen Chemie Leipzig geht es im Stadion der Freundschaft unter anderem noch gegen Jena, BFC Dynamo, Erfurt und Babelsberg. All diese Teams bringen eine Menge Fanpotenzial mit.

Energie Cottbus gegen Altglienicke

Energie Cottbus hat eine extra Rückrunden-Dauerkarte aufgelegt. Sie kostet 184 Euro (Sitzplatz) und 120 Euro (Stehplatz). Gut 100 dieser Rückrunden-Dauerkarte sind nach Angaben des Vereins verkauft. Präsident Sebastian Lemke setzt vor dem Heimspiel gegen Altglienicke darauf, dass mit anhaltendem sportlichen Erfolg auch noch mehr Zuschauer ins Stadion der Freundschaft strömen. „Je länger wir oben dranbleiben, umso höher wird auch der Schnitt werden“, erklärt Lemke.