In der Führung des FC Energie Cottbus gibt es schon wieder einen Wechsel. Vizepräsident Hagen Ridzkowski verlässt das Präsidium des Tabellenzweiten der Fußball-Regionalliga Nordost auf eigenen Wunsch zum Jahresende, teilte der FCE mit. Der Cottbuser Unternehmer gehörte dem Präsidium knapp zwei Jahre an.

Präsident Lemke dankt Ridzkowski

„Wir sollten nicht vergessen, dass der Verein um den Jahreswechsel 2020 praktisch vor dem Aus stand. Die Unterstützung, die uns Hagen seither bei allen harten und richtigen Entscheidungen gegeben hat, das war großartig und stets geprägt von viel Herzblut“, wird Präsident Sebastian Lemke in der Mitteilung des Vereins zitiert. Ridzkowski selbst kommt in der Vereinsmitteilung nicht zu Wort.
Hagen Ridzkowski war bei der Mitgliederversammlung im Oktober 2020 in den Verwaltungsrat gewählt worden. Er hatte betont, dass er die damals zutage getretenen Probleme zwischen Präsidium und Verwaltungsrat beheben wolle. Im Dezember 2020 war Ridzkowski eine der treibenden Kräfte für den Machtwechsel beim FC Energie. Präsident Matthias Auth und seine Wegbegleiter im Präsidium mussten gehen. Dafür rückten Hagen Ridzkowski und Ralf Lempke in die Vereinsführung auf – neuer Präsident wurde Sebastian Lemke.
Seither waren die Verantwortlichen damit beschäftigt, die finanzielle Schieflage beim FCE zu begradigen. Im Dezember 2021 hatte Präsident Lemke rückblickend verdeutlicht: „Wir hatten ein Millionen-Loch zum 30. Juni. Unser gemeinsames Ziel war es, den Verein zu retten.“
Für Hagen Ridzkowski ist es bereits der zweite Rücktritt aus dem FCE-Präsidium. Im August 2016 hatte er nach einem kurzen Intermezzo im Vereinsvorstand um die Entbindung aus dem Amt gebeten. Damals begründete er den Schritt mit seinen Verpflichtungen als Unternehmer. Ridzkowski ist geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Autohaus Cottbus GmbH, das auch Filialen in Lübben, Spremberg, Finsterwalde und Guben betreibt.

Gerüchte nach Rundschau-Interview

Hängt sein Rücktritt womöglich mit dem viel diskutierten Interview von Trainer Claus-Dieter Wollitz in der Lausitzer Rundschau zusammen? Wollitz hatte in dem Interview die seiner Meinung fehlende Euphorie im Umfeld des Vereins kritisiert und auch einen spontanen Rückzug vom Posten des Cheftrainers nicht ausgeschlossen. Dieses Interview hatte auch intern beim FCE für einige Diskussionen gesorgt.
Den seitdem kursierenden Gerüchten, dass dieses Interview der finale Auslöser für den Ridzkowski-Abschied gewesen sei, widerspricht Präsident Sebastian Lemke. „Der Trainer hat in diesem Interview einige Dinge angesprochen, die aus seiner persönlichen Sicht nicht gut gelaufen sind. Das ist sein gutes Recht. Und im nächsten Spiel gegen Babelsberg war die Stimmung ja dann auch fantastisch“, erklärte Lemke auf Nachfrage der Rundschau.
Hagen Ridzkowski habe sich bereits bei seinem Amtsantritt eine Zeitschiene von einem halben bis maximal einem Jahr als Präsidiumsmitglied gesetzt. Nach zwei Jahren ist nun endgültig Schluss für Ridzkowski, der in der Führungscrew als wichtiger Macher galt.

Heißes Jahresende bei Energie Cottbus

Bei Energie Cottbus geht es am Jahresende fast schon traditionell in personeller Hinsicht heiß her. Im Dezember 2019 reichte Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dem letzten Spiel des Jahres seinen Rücktritt ein und wechselte zum 1. FC Magdeburg. Als Grund nannte Wollitz erhebliche Differenzen mit dem damaligen Präsidium um Ex-Präsident Matthias Auth. Der FCE war zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer der Regionalliga Nordost. Ein Jahr später wurde ebenfalls im Dezember das Präsidium um Matthias Auth mit einem großen Paukenschlag entmachtet. Aber der FCE kann auch personelle Wechsel im Sommer: Im August 2022 kam das überraschende Aus für Verwaltungsratschef René Markgraf.
Diesmal ist der Verein um einen geordneten Übergang bemüht. Mit Gunnar Winkler gibt es auch schon einen Nachfolger für Hagen Ridzkowski. Der Leiter der Dekra-Niederlassung Cottbus wechselt von der Spitze des Verwaltungsrates in das Präsidium.
Hagen Ridzkowski wird derweil auch weiterhin Mitglied beim FC Energie Cottbus bleibt. Im Februar 2022 hatte er gemeinsam mit seinen Mitstreitern in Präsidium und Verwaltungsrat eine lebenslange Mitgliedschaft für den Beitrag von 1966 Euro abgeschlossen.