3. Liga Energie Cottbus: Aufsteiger FCE kommt mit Schwung – viele Fans und späte Siege

Meisterfeier: Als Champion der Regionalliga Nordost spielt Energie Cottbus künftig wieder in der 3. Liga. Die Fans der Drittligisten dürfen sich auf lautstarke Fans, tolle Atmosphäre und ein nie aufgebendes Team freuen.
Matthias KochFünf Jahre hat Energie Cottbus gewartet, zur Saison 2024/25 ist der FCE wieder zurück in der 3. Liga. Schon bei der Aufstiegsparty nach dem 2:0 gegen Hertha BSC II gaben die Cottbuser Spieler einen ersten Einblick, worauf sich die 3. Liga mit dem FCE freuen kann. „Wir gehen nicht hoch, um wieder runterzugehen“, versprach Mittelfeldmotor Jonas Hofmann.
„Cottbus hat schon mal gezeigt, das wir sehr viel mitbringen können“, sagte Präsident Sebastian Lemke. „Vor vielen Jahren – 1997 – hat Energie Cottbus diesen Flow gehabt, da ist was gewachsen“, erinnerte sich der FCE-Präsident. Damals war Energie Cottbus als Drittligist ins DFB-Pokalfinale eingezogen und arbeitete sich in den Folgejahren unter Trainerlegende Eduard Geyer bis in die Bundesliga vor.
Die Fans von Energie Cottbus sind ein entscheidender Faktor
Das Wort „Bundesliga“ wollte Lemke zwar nicht in den Mund nehmen, aber „in diesen Tagen kann man mal träumen“, sagte der Vereinschef. „Wenn wir es schaffen, in ein paar Jahren an der 2. Bundesliga anzuklopfen, dann wäre das wunderbar für die ganze Stadt und diese Region.“ Auf die Drittligisten wartet ein ehrgeiziger Aufsteiger, der mit der Wucht der gesamten Lausitz in den bundesweiten Fußball zurückkehrt.
Zu den vergangenen drei Heimspielen gegen den Greifswalder FC (2:1), Lok Leipzig (4:3) und FSV Luckenwalde (3:3) waren zusammengenommen gut 50.000 Menschen ins Leag Energie Stadion gepilgert. Zum entscheidenden Auswärtsspiel bei Hertha BSC II (2:0) hatten 9.000 Cottbuser ihr Team nach Berlin begleitet.
„Die Liga darf überragende Fans erwarten, die wahrscheinlich auch auswärts extrem für Stimmung sorgen“, kündigte Kapitän Axel Borgmann an. Auch wenn die Auswärtsfahrten in der 3. Liga deutlich länger werden, dürften sich hunderte, wenn nicht gar tausende, Lausitzer auf die Wege quer durch die Republik machen.
Der FCE-Kader ist nach sechs Wintertransfers breit geworden
Abwehrchef Jonas Hildebrandt und Torjäger Tim Heike (21 Saisontore) erklärten bei der Meisterfeier mit wenigen Worten, was die 3. Liga erwarten darf und zeigten einfach auf die feiernden Fans: „Genau das“, sagte Hildebrandt. „Und noch viel mehr,“ ergänzte Heike. Mit dem diesjährigen Zuschauerschnitt von 8.213 Menschen würde sich Energie bereits im Mittelfeld der 3. Liga einsortieren – ins Cottbuser Stadion kamen in der abgelaufenen Regionalliga-Saison sogar mehr Menschen als in den bisherigen Drittliga-Spielzeiten des Vereins.
Doch nicht nur atmosphärisch wird Energie Cottbus die Liga bereichern, sondern will auch fußballerisch überzeugen. „Die Liga darf sich auf eine gierige Mannschaft freuen, die versucht ihren Fußball an die 3. Liga angepasst weiterzuspielen und da für Furore zu sorgen“, sagte Borgmann. Wegen eines Kreuzbandrisses verpasste der Kapitän ab Oktober alle Spiele, Energie schaffte es den Ausfall des Führungsspielers zu kompensieren und schuf dank sechs Wintertransfers einen breiten Kader.
Energie Cottbus spielt eine starke Rückrunde
Der sorgte sportlich für harte Entscheidungen, weil sich einige Spieler plötzlich nur noch auf der Tribüne wiederfanden, aber bewies auch eine weitere Stärke der Cottbuser Mannschaft. Keiner beschwerte sich über die Rolle als Zuschauer, alle ordneten sich dem großen Ziel unter.
Eine weitere Qualität der Mannschaft: Sie zieht die richtigen Schlüsse aus schwachen Spielen. Nach einem erschreckend blutleeren Auftritt gegen Rot-Weiß Erfurt (0:2) schien Ende Januar der Aufstieg in weite Ferne gerückt zu sein, von den darauffolgenden 17 Ligaspielen ging aber nur noch eines (0:3 bei Chemie Leipzig) verloren.
In der Rückrundentabelle steht Energie Cottbus folgerichtig mit fünf Punkten Vorsprung unangefochten an der Tabellenspitze. Nimmt man die Jahrestabelle 2024, wird der Cottbuser Lauf sogar noch beeindruckender: Der FCE hat seit dem 1. Januar zwölf Punkte mehr gesammelt als der Tabellenzweite aus Greifswald und 14 mehr als der BFC Dynamo. Durch Nachholspiele zu Jahresbeginn sind Rückrundentabelle und Jahrestabelle nicht identisch.
Energie Cottbus dreht Rückstände mit späten Toren
Die 3. Liga muss sich auf eine Mannschaft einstellen, die sich von Rückständen weder in der Tabelle noch im Spiel beeindrucken lässt. Zehn Mal punktete der FCE nach Rückstand und das oft spektakulär: Gegen Hansa Rostock II gab es ein 3:2 nach 0:2, gegen den FSV Luckenwalde ein 3:3 nach 0:3, gegen Viktoria Berlin ein 4:3 nach 0:2, gegen Lok Leipzig ein 4:3 nach 2:3.
Immer wieder fielen dabei späte Tore, gegen Lok glich Energie in der 86. Minute aus und traf in der Nachspielzeit zum Sieg, gegen Viktoria Berlin fiel das 4:3 in der 95. Minute, gegen Luckenwalde gelang der Ausgleich in der 96., beim 2:1-Sieg gegen den Berliner AK traf Tim Heike gar erst in der 97. Minute. Vorzeitig abschalten sollten die Fans der 3. Liga also nicht, wenn künftig Energie Cottbus zu Gast ist.


