Chris Norman in Berlin: Dieses Konzert zeigt, warum die Deutschen ihn so sehr lieben

Chris Norman in der Uber Arena Berlin: Bei seinem Konzert begeistert der frühere Smokie-Sänger Tausende Fans.
Michael Heider- Chris Norman füllt in Berlin die Uber Arena, in Großbritannien spielt er kleinere Säle.
- Konzert am Samstagabend: Rund 6300 Fans singen bei „Living Next Door to Alice“ mit.
- Setlist mischt Smokie-Hits, Solo-Songs und Cover wie „Free Fallin“ und „Fix You“.
- „Midnight Lady“ sorgt für besondere Stimmung – in England spielt er den Song laut eigener Aussage nicht.
- Schlichte Show, starke Band und rauer Gesang stehen im Mittelpunkt, KI-Visuals wirken deplatziert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Chris Norman? Who the fuck is Chris Norman? Ausgerechnet in Großbritannien mag diese Frage berechtigt sein. Weniger vielleicht im Norden Englands gelegenen Redcar, dem Geburtsort des Sängers. Ansonsten fristet das einstige Smokie-Mitglied auf der Insel aber das Dasein musikalischer Sparten-Prominenz. Tritt er dort auf, spielt er in Sälen von überschaubarer Größe.
Anders in Deutschland! Statt Schulterzucken erzeugt der Satzbau „Name – Who the fuck is – Name“ direkt eine Melodie im Kopf. Nicht nur sie begeistert derart, dass es hierzulande für Chris Norman schon die größten Konzerthallen braucht. So wie an diesem Samstagabend (17.10.) die Berliner Uber Arena. Im Westernhemd und mit 12-saitiger Westerngitarre sitzt der 75-Jährige auf der Bühne. Er singt, klar, „Living Next Door to Alice“.
Rund 6300 Fans vor ihm stimmen hingebungsvoll in den Refrain des Smokie-Klassikers ein. Dass der im Original keine Kraftausdrücke enthält? Egal! Der Musiker nimmt die frivol-populäre Textzeile, die sein Publikum dem Song selbst untergejubelt hat, mit Humor und schmunzelt. Wer die besondere Beziehung zwischen Chris Norman und den Deutschen verstehen möchte, ist hier richtig.
Reise durch 50 Jahre Musik mit Smokie-Hits und Coldplay
Seit fünf Jahrzehnten zeichnet sie eine unerschütterliche Innigkeit aus. Zwischen Ruhrpott und Erzgebirge, Allgäu und Kieler Förde gibt es wohl kaum eine Familien- oder Vereinsfeier und kein Stadtfest, auf denen nicht zu „Stumblin' In“ oder „Lay Back in the Arms of Someone“ geschunkelt wird. Auch in Berlin verfehlen die Hits ihre Wirkung nicht. Besonders das im Original mit Suzi Quatro gesungene Duett, das Norman mit Keyboarderin Martina Walbeck anstimmt, löst ohrenbetäubenden Jubel aus.
Chris Normans aktuelle „Lifelines“-Tour ist eine Verneigung vor Songs, die sein Leben geprägt haben. Neben Solo-Nummern, Reminiszenzen an die Smokie-Ära, etwa in Form von „Mexican Girl“ oder „I'll Meet You at Midnight“, und Traditionals wie „Whiskey in a Jar“, interpretiert er auch Tom Pettys „Free Fallin“, Bonnie Tylers „It's a Heartache“ und sogar „Fix You“ von Coldplay.

Beim Konzert von Chris Norman in der Berliner Uber Arena singen die Fans nicht nur mit, sie filmen auch mit dem Handy.
Michael HeiderEgal, welche Ära oder welches Cover – von der Bühne, die mit nichts weiter als Marshall-Verstärkern ausgestattet ist, versorgt Chris Norman seine Fans verlässlich mit Songs zum Schunkeln und Mitklatschen. Viele dürfte die Musik seit Jahrzehnten begleiten. Und so wird fast permanent stehend in den bestuhlten Reihen gefeiert. Seine Live-Band liefert dazu grandios unverfälschten Rock. Einzig die mal kitschigen, mal kuriosen und erkennbar KI-generierten Animationen auf dem Videoscreen wirken deplatziert.
Ansonsten verzichtet Chris Norman in Berlin auf Theatralik und Effekte. Ein schlichtes, akzentsattes „Wie geht’s? Gut?“ vor „The Night Has Turned Cold“ tut es auch. Im Zentrum steht die Musik. Seine raue, kratzige Stimme ist dabei Normans größtes Pfund. Auf sie kann er sich auch mit bald 76 verlassen. Ob nun Rocknummer oder süßliche Ballade – stets schwingt eine gewisse Erdigkeit mit.
Als liege eine flauschige Decke über den Chris Norman-Fans
Reibeisenstimme, butterweiche Gesangsharmonien, Melodien wie tief wühlende Ohrwürmer und das Gefühl von Vertrautheit: In Berlin präsentiert Chris Norman ein musikalisches Erfolgsrezept. Die mehrstimmigen Harmonien, die bereits den Smokie-Sound ausmachten, legen sich wie eine flauschige Decke über das Publikum.
Besonders flauschig fühlt sich „Midnight Lady“ an, zu dem fast tranceartig die Arme geschwenkt werden. Mit der von Dieter Bohlen für einen Schimanski-Tatort geschriebenen Rockballade haben die Deutschen Chris Norman vollends musikalisch adoptiert. Dass er bei Auftritten in England gar nicht Teil seines Programms ist, weil ihn dort nach eigener Aussage niemand kenne, demonstriert eindrucksvoll eine musikalische Schlucht namens Ärmelkanal.
Nach zwei launigen Stunden, die in Berlin mit dem Smokie-Klassiker „Oh Carol“ und „Whisky & Water“ enden, darf man sich getrost mit Blick nach Großbritannien fragen: Chris Norman? Why the fuck not Chris Norman?


