Gasspeicher-Füllstand fast 20 % unter Zielwert: Reicht das Gas für den Winter?

Bekommt Deutschland die Gasspeicher noch gefüllt?
Bernd Weißbrod/dpaDeutschland startet mit ungewöhnlich niedrigen Gasreserven in die Heizsaison. Die Speicher sind aktuell nur zu rund 61 Prozent gefüllt – und damit weit vom gesetzlichen Zielwert entfernt. Droht bei einem kalten Winter eine Gasknappheit? Die Bundesnetzagentur gibt vorerst Entwarnung.
Die deutschen Gasspeicher sind derzeit zu 61,1 Prozent gefüllt. Das geht aus der aktuellen Lagebewertung der Bundesnetzagentur vom 23. Oktober 2026 hervor. Insgesamt lagern damit rund 151 Terawattstunden Erdgas in den Speichern. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag der Füllstand zum gleichen Zeitpunkt noch bei rund 75 Prozent.
Damit liegt Deutschland deutlich unter dem üblichen Niveau. Besonders auffällig ist die Abweichung von den gesetzlichen Vorgaben: Zum 1. November müssen die meisten deutschen Gasspeicher einen Füllstand von mindestens 80 Prozent erreichen. Für sechs Speicher gelten Ausnahmen mit einem Zielwert von 45 Prozent.
Der aktuelle bundesweite Durchschnitt liegt damit knapp 19 Prozentpunkte unter der allgemeinen Vorgabe. Dass das Ziel bis Anfang November noch erreicht wird, erscheint angesichts der geringen Einspeicherung unwahrscheinlich.
Bundesnetzagentur: Gasversorgung weiterhin gesichert
Trotz der niedrigen Speicherstände sieht die Bundesnetzagentur aktuell keinen Grund zur Panik. Die Gasversorgung in Deutschland sei stabil und die Versorgungssicherheit gewährleistet. Die Gefahr einer angespannten Versorgung schätzt die Behörde nach aktuellem Erkenntnisstand als gering ein.
Entscheidend ist, dass Deutschland nicht ausschließlich auf seine gespeicherten Gasvorräte angewiesen ist. Auch während des Winters wird kontinuierlich Erdgas über Pipelines und Flüssiggas-Terminals (LNG) importiert.
Allein zwischen dem 14. und 20. Oktober wurden laut Bundesnetzagentur 17,5 Terawattstunden Gas über Pipelines und weitere 1,6 Terawattstunden über LNG-Terminals eingeführt.
Die Behörde betont deshalb ausdrücklich, dass das Erreichen der Speicherziele zum November für eine sichere Gasversorgung nicht zwingend notwendig sei.
Was passiert bei einem besonders kalten Winter?
Ein langer und kalter Winter könnte die Situation allerdings erschweren. Sinken die Temperaturen deutlich, steigt der Gasverbrauch von Haushalten und Unternehmen. Die Speicher müssen dann größere Mengen bereitstellen, um die Nachfrage zu decken.
Wie lange die Vorräte reichen, hängt deshalb nicht allein vom Füllstand ab. Entscheidend sind auch die Temperaturen, die laufenden Gasimporte und der Verbrauch der Industrie.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist auf dem Weltmarkt derzeit ausreichend Gas verfügbar. Auch die Importmöglichkeiten seien ausreichend.
Dennoch rechnet die Behörde damit, dass die Gasspeicher am Ende des Winters vergleichsweise niedrige Füllstände aufweisen könnten.
Müssen Verbraucher mit höheren Gaspreisen rechnen?
Eine unmittelbare Gasknappheit ist nach der aktuellen Einschätzung nicht zu erwarten. Steigende Gaspreise lassen sich allerdings nicht ausschließen.
Insbesondere geopolitische Konflikte und Entwicklungen auf den internationalen Energiemärkten können die Großhandelspreise beeinflussen. Ob höhere Preise bei privaten Haushalten ankommen, hängt unter anderem von den Einkaufsstrategien der Versorger und den jeweiligen Gasverträgen ab.
