Die Zahlen dieser beiden Neuzugänge der Lausitzer Füchse lesen sich vielversprechend und befeuern die Vorfreude auf die am 13. September startende Eishockey-Saison in der DEL2. Der Anfang Juni verpflichtete Kanadier Darcy Murphy (26 Jahre) kam in der vergangenen Spielzeit bei den Belfast Giants auf 58 Scorerpunkte. Er war damit bester Scorer und Schütze in der britischen Elite Ice Hockey League (EIHL).

Am Mittwoch gaben die Füchse mit Mike Hammond (29) eine weitere spektakuläre Verpflichtung bekannt. Der Kanadier spielte zuletzt ebenfalls in Großbritannien und sammelte bei Manchester Storm insgesamt 53 Scorerpunkte. Ins Blickfeld der Fans hierzulande rückte der Stürmer mit britischem Pass aber vor allem durch seine vier Tore bei der A-Weltmeisterschaft im Mai in der Slowakei. Hammond traf unter anderem im Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft.

Die Füchse gehen mit diesen Verpflichtungen buchstäblich in die Offensive und haben den Kader für die Saison 2019/20 weitgehend beisammen. Die RUNDSCHAU beantwortet einige Fragen zum aktuellen Stand der Planungen.

Wie gelang den Lausitzer Füchsen die Verpflichtung der beiden Top-Stürmer?

Der entscheidende Faktor bei diesen Verpflichtungen ist natürlich Füchse-Trainer Corey Neilson. Er stand von 2006 bis 2018 bei den Nottingham Panthers unter Vertrag. Neilson (42) war dort zunächst Spieler, dann Spielertrainer und seit 2013 Cheftrainer. Deshalb kennt er sich in der britischen EIHL bestens aus und weiß um die Qualitäten von Torjägern wie Darcy Murphy und Mike Hammond.

Letzteren kennt er zudem aus der britischen Nationalmannschaft. Dort arbeitet Neilson auch weiterhin als Co-Trainer. Die Spieler wiederum wissen aus den Duellen in England, welches Hockey der Coach spielen lässt. Und sie sehen für sich persönlich die Chance, sich hierzulande für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Legen die Füchse bei den Verpflichtungen diesmal besonderen Wert auf die Offensive?

Es sieht ganz danach aus. Mit 92 Punkten aus 52 Spielen spielten die Füchse zwar die beste Hauptrunde in der Vereinsgeschichte. Mit 174 Treffern gelangen ihnen jedoch die wenigsten Tore der fünf Topteams an der Tabellenspitze.

„Die Analyse der vergangenen Saison hat gezeigt, dass wir uns in der Durchschlagskraft und im Überzahlspiel verbessern müssen“, sagt Geschäftsführer Dirk Rohrbach. In Überzahl war Weißwasser sogar das zweitschlechteste Team der Liga. Spieler wie Darcy Murphy und Mike Hammond, aber auch der vom Zweitliga-Meister Ravensburg Towerstars in den Fuchsbau gewechselte Daniel Schwamberger (24) sollen das Team in der Offensive voranbringen.

Warum wurde mit Mac Carruth nun doch ein ausländischer Torhüter geholt?

Ursprünglich hatte man in Weißwasser auf eine Einigung und auch einen deutschen Pass für Jason Kasdorf gehofft. Diese Hoffnungen haben sich jedoch zerschlagen. Der 27-jährige Kanadier war in der Endphase der zurückliegenden Saison als personelle Absicherung verpflichtet worden, kam jedoch nur zwei Mal zum Einsatz. Das neue Angebot aus Weißwasser lehnte Kasdorf ab.

Eigentlich  wollten die Füchse für die Torwart-Position – genau wie in der vergangenen Saison – keine Ausländer-Lizenz ausgeben. Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Kasdorf sei man „zum Handeln gezwungen“ gewesen, betont Geschäftsführer Dirk Rohrbach: „Wir wollen auf der Torhüter-Positionen auf keinen Fall ein Risiko eingehen. Auf dem deutschen Markt gab es jedoch keine passende Alternative. Mit Mac Carruth und Maximilian Franzreb haben wir nun zwei sichere Bänke.“

Der 22-jährige Franzreb soll als Leihgabe von Kooperationspartner Eisbären Berlin in der kommenden Saison wieder regelmäßiger in Weißwasser spielen als in der abgelaufenen Saison. Komplettiert wird das Torwart-Gespann durch Niklas Zoschke (22).

Wie stark ist der neue Torhüter Mac Carruth?

In den vergangenen beiden Spielzeiten stand der Kanadier beim ungarischen Club Fehérvar AV 19 von Ex-Füchse-Coach Hannu Järvenpää unter Vertrag. Fehérvar war seine erste Station in Europa. Dort absolvierte Carruth insgesamt 95 Liga-Partien und wies speziell im ersten Jahr ein starke Fangquote von 93 Prozent gehaltener Schüsse auf.

In Weißwasser wird es wohl auf einen spannenden Konkurrenzkampf mit Maximilian Franzreb hinauslaufen, der nach dem Willen der Eisbären Berlin natürlich so viel wie möglich Spielpraxis in der DEL2 sammeln soll.

Welche Spieler sollen jetzt noch verpflichtet werden?

Drei der vier Ausländer-Lizenzen sind an Carruth, Murphy und Hammond vergeben. Für die vierte Import-Stelle könnte es laut Rohrbach eine interne Lösung in Zusammenarbeit mit den Eisbären Berlin geben. Der betreffende Kandidat habe im Trainingscamp der Los Angeles Kings auf sich aufmerksam gemacht. Auch Füchse-Coach Corey Neilson war in den USA vor Ort. Der Stürmer soll nun in der DEL2 noch einmal genauer unter die Lupe genommen werden: und zwar in Weißwasser.

Außerdem könnte noch ein erfahrener deutscher Stürmer sowie weitere junge Spieler kommen, die dann auch bei den beiden Oberliga-Kooperationspartnern Hamburg Crocodiles und Preußen Berlin zum Einsatz kommen werden.

Wie sind die Lausitzer Füchse wirtschaftlich für die kommende Saison aufgestellt?

Die vergangene Spielzeit war durch den sportlichen Erfolg zwar teuer, hat trotz des anstehenden Strukturwandels in der Lausitz aber auch viel Rückenwind gebracht. Der Sponsorenpool beinhaltet rund 200 Firmen. Sie tragen den Großteil des Etats von zuletzt 2,7 Millionen Euro.

Dazu kommen die Zuschauer-Einnahmen. Schon jetzt ist klar: Die Eisarena in Weißwasser dürfte auch unter ihrem neuen Namen „Wee-Arena“ in der kommenden Saison wieder häufig an ihre Kapazitätsgrenze geraten. Bis Anfang Juli waren insgesamt 866 Dauerkarten reserviert und damit so viel wie noch nie zum aktuellen Zeitpunkt. Die Gesamtkapazität beträgt 2979 Besucher pro Heimspiel.

Mit 148 neuen Dauerkarten-­Anträgen wurden nach Vereinsangaben „die Erwartungen weit übertroffen“.