Es kommt nicht oft vor. Aber der Ostersonntag war wieder einmal so ein Tag, an dem Detlef Uibel ganz in Familie in der Lausitz sein konnte. An dem er nicht mit den deutschen Sprint-Assen auf den Radrennbahnen der Welt unterwegs war. Mit den Frauen und Männern hat er in 22 Jahren als Bundestrainer drei Olympiasiege, 30 Weltmeistertitel, 83 WM- und 120 EM-Medaillen gewonnen. In der Woche vor Ostern hat ihn ein Lehrgang des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) in Cottbus festgehalten. Und drei Tage vor seinem 60. Geburtstag an diesem Mittwoch kam dann die Familie wieder einmal zusammen.

Bei den Eltern in Burg war bei strahlendem Sonnenschein großer Bahnhof. Detlef hat die Familie seiner in Cottbus lebenden Tochter Medi aus erster Ehe mit den beiden Enkelsöhnen getroffen. Mit ihnen habe er öfter Kontakt, sagt Opa Detlef. Dagegen ist Marie, Tochter aus der Ehe mit der Olympiazweiten im Sprint von 1992 Annett Neumann, inzwischen beim Studium. „Ich habe mich gerade in Bremen davon überzeugt, dass es ihr dort gut geht“, erzählt Uibel. Beim Zusammensein auf dem idyllischen Spreewald-Grundstück kommen die Uibels allerdings am Radsport nicht vorbei. Immerhin waren Detlefs Brüder Silvio, Toni und André auch Renner beim SC Cottbus. Und Vater Horst hat gut 20 Jahre lang als Bezirkstrainer Talente im DDR-Bezirk Cottbus geformt.

So ein Talent war übrigens auch sein Sohn Detlef. Als Neunjähiger fuhr er in Grano mit beim Kreisausscheid Guben des damals populären Sichtungswettkampfes "Kleine Friedensfahrt". Er wurde Zweiter. „Die Siegerehrung gab es dann mit den Assen des Einzelzeitfahrens Cottbus-Guben der großen Friedensfahrt" , erinnert sich Uibel, dass der Weltmeister vom Sachsenring 1960 Bernhard Eckstein ihm die Medaille überreichte. „Von da an wollte ich Rennfahrer werden.“ Der Vater und Onkel Heinz Kahle hatten bei Lok Guben eine starke Radsport-Sektion aufgebaut. Von den vier Uibel-Brüdern schaffte es dann aber nur Detlef zu WM-Bronze im Sprint 1981 in Brno.

Aus der Zeit als Aktiver hat Detlef Uibel viel in seinen Trainerberuf mitgenommen. Als er im Vorjahr bei der Gala „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden als „Trainer des Jahres“ geehrt wurde, hat die Jury auch gewürdigt, „dass er sich hervorragend in die Aktiven hineinversetzen kann“. Obwohl Uibel als Trainer gelte, der den Aktiven viel abverlange, erkenne er auch, "wenn eine Pause leistungsfördernd wirken kann“. Mit seiner Person sei der Aufbau eines funktionierenden Trainings- und Wettkampfsystem im Kurzzeitbereich des BDR verbunden. Einer seiner Muster-Athleten, der dreifache Cottbuser Weltmeister Maximilian Levy, hat ihm die Auszeichung mit übergeben.

„Ich war stolz und habe mich riesig über die Anerkennung gefreut“, sagt Detlef Uibel. Und dennoch sei die Ehrung für den Lausitzer zu einem denkbar unglücklichen Zeitpunkt gekommen. „Ich wollte erst gar nicht nach Baden-Baden fahren“, schildert Uibel seine Gefühlswelt nach dem Trainingsunfall von Spitzenathletin Kristina Vogel im Juni auf der Cottbuser Radrennbahn. Seitdem ist die Doppelolympiasiegerin und elffache Weltmeisterin querschnittsgelähmt. „Es kam alles wieder hoch“, fügt er hinzu und meint auch jeden verhängnisvollen Unfall mit einem Kleinbus im Oktober 1995. Während er selbst damals trotz schwerer Verletzungen wieder genesen konnte, endete die junge Karriere von Sprint-Talent Ina Heinemann im Rollstuhl.

Sein Vater hatte in einem Telefonat mit dem Autoren dieses Beitrages kurz nach dem Vogel-Unfall gesagt: „Was der Junge alles aushalten muss.“ Sohn Detlef bekennt, dass er beinahe in ein tiefes Loch gefallen wäre. Aber die Arbeit, die Vorbereitung der BDR-Teams für die Europameisterschaft habe ihn aufgefangen. Hinzu sei gekommen, dass die ganze Mannschaft im Sinne von Kristina Vogel gekämpft habe und trotz der großen Betroffenheit eine überaus erfolgreiche EM gefahren sei.

Unterdessen steht Detlef Uibel schon fast wieder in der Olympiavorbereitung auf Tokio 2020. Eine neue Generation von Radsprintern und -sprinterinnen sei herangewachsen. Uibel werde nachweisen müssen, dass er sie auch mit 60 noch erreichen kann. Darum macht sich das auf den Rennbahnen der Welt bestens bekannte und geachtete Cottbuser Trainer-Ass aber keine allzu großen Sorgen. Immerhin hat er so manchen Wandel in den Kurzzeitdisziplinen mitgemacht und gestaltet. Am meisten hat es ihn dabei überrascht, dass sich extrem hohe Übersetzungen im Sprintbereich etabliert haben. Die ersten zehn der Weltspitze würden heute 140 Zoll treten (58 zu 12 Zähne). „Da sind die 92 Zoll aus meiner aktiven Zeit gerade noch ein Warmfahrgang“, schmunzelt Detlef Uibel. Es gebe also viel zu tun bis Tokio. Ein gutes Jahr, in dem er wohl wieder gut 260 Tage unterwegs und nicht in Cottbus oder bei der Familie sein kann.