Für Stephan Swat war Weihnachten diesmal erst Anfang Februar. Der schwer an Corona erkrankte Handballtrainer aus Cottbus durfte zumindest für ein paar Tage wieder nach Hause zu seiner Familie. Gans, Klöße, Rotkohl waren im wahrsten Sinne des Wortes ein Festessen für den 43-Jährigen. „Meine Frau hat vom Weihnachtsessen etwas für mich aufgehoben und eingefroren. Die vier Tage zu Hause mit meinen Kindern und meiner Frau habe ich genossen“, berichtet Swat gegenüber der Lausitzer Rundschau.
Der einstige Zweitliga-Spieler aus Cottbus lebt mit Frau Romana sowie den beiden Kindern Jonko und Nalin in einem Ortsteil von Lößnitz. Seit 2016 trainiert er den Handball-Zweitligisten EHV Aue. Den bislang schwersten Kampf in seinem Leben muss Stephan Swat seit November gegen das Corona-Virus bestehen, der ihn völlig unvermittelt aus den normalen Bahnen des Alltags gerissen hat. Insgesamt acht Wochen verbringt er im Auer Helios-Klinikum, 47 Tage auf der Intensivstation, zwölf im künstlichen Koma. „Es waren harte Wochen, besonders auch für meine Familie“, blickt Swat auf seinen damals sehr kritischen Zustand zurück. Speziell kurz vor Weihnachten sei es „sehr knapp“ gewesen. Vater Wolfgang Swat, der über viele Jahre für die Lausitzer Rundschau als Reporter gearbeitet hat, sagt: „Wir sind heilfroh, dass es nun langsam wieder aufwärts geht.“

Lungen des Ex-Handballers erheblich geschädigt

Die erste Reha hat Stephan Swat inzwischen absolviert. Und er berichtet von kleinen Erfolgen, die erahnen lassen, wie hart sein Kampf in den vergangenen Wochen war – und noch immer ist. „Ich konnte inzwischen die Sauerstoffmaske ablegen. Danach sah es lange Zeit nicht aus, da meine Lungen erheblich geschädigt waren und auch noch sind“, erzählt der in Hoyerswerda geborene Handballtrainer.
Bis Stephan Swat vollständig genesen ist und wieder als Handball-Trainer beim EHV Aue arbeiten kann, wird es aber noch lange dauern. Sein Verein hat vorerst einen Übergangstrainer eingestellt.
Bis Stephan Swat vollständig genesen ist und wieder als Handball-Trainer beim EHV Aue arbeiten kann, wird es aber noch lange dauern. Sein Verein hat vorerst einen Übergangstrainer eingestellt.
© Foto: Foto: Eibner-Pressefoto/Jan Strohdiek
Jetzt steht für Stephan Swat die nächste Reha an. Auch von seinem Verein EHV Aue bekommt er volle Rückendeckung und vor allem die nötige Zeit, um wieder fit zu werden. Bis zur Rückkehr von Swat hat der Isländer Runar Sigtryggson den Trainerjob in Aue übernommen. „Stephan ist jetzt auf dem richtigen Weg. Aber es wird natürlich noch dauern. Wir freuen uns jedoch riesig in Anbetracht der Tatsache, wie es im Dezember aussah“, sagt EHV-Manager Rüdiger Jurke.

Spieler in Cottbus, später Trainer in Aue

In der Lausitz spielte Stephan Swat für Lok RAW Cottbus, den USV Cottbus sowie den heutigen LHC Cottbus, ehe er 2003 als Spieler nach Aue wechselte und im Erzgebirge heimisch wurde. Die Spieler des EHV Aue hatten ihrem schwer an Covid-19 erkrankten Coach im Dezember mit einer bewegenden Geste Mut zugesprochen und die besten Genesungswünsche übermittelt. Sie besorgten sich bei der Familie von Stephan Swat die früheren Trikots aus seiner aktiven Zeit besorgt und liefen so zum Punktspiel in der 2. Liga auf.
In der Lausitz spielte Stephan Swat für Lok RAW Cottbus, den USV Cottbus sowie den heutigen LHC Cottbus, ehe er 2003 als Spieler nach Aue wechselte und im Erzgebirge heimisch wurde.
In der Lausitz spielte Stephan Swat für Lok RAW Cottbus, den USV Cottbus sowie den heutigen LHC Cottbus, ehe er 2003 als Spieler nach Aue wechselte und im Erzgebirge heimisch wurde.
© Foto: Foto: M. Behnke
Stephan Swat will in den nächsten Wochen weiterkämpfen – so wie er es auch früher auf der Handballplatte immer gehalten hat. Kleine Spaziergänge zu Hause bei der Familie waren in den vergangenen Tagen sein Trainingspensum. Die Einschränkungen seien immer noch „extrem spürbar“, räumt er ein. „Ich bin sehr schnell außer Puste und die Kraft fehlt noch. Aber ich bin froh, jetzt an dem Punkt zu sein, um weiter in der Reha hart am Comeback für das normale Leben zu arbeiten.“

Wichtige Corona-Botschaft

Die schwere Erkrankung hat natürlich das Leben von Stephan Swat grundlegend geändert. Auch seine Einstellung zum Leben. „Man lernt wieder die kleinen und wirklich wichtigen Dinge zu schätzen“, betont er. Und der Ex-Cottbuser hat eine wichtige Botschaft, die ihm am Herzen liegt: „Ich freue mich für jeden, der nicht an Corona erkrankt beziehungsweise, der keine oder nur milde Symptome hat. Ich hoffe aber vor allem, dass niemand mehr dieses Virus unterschätzt. Für mich ist es jetzt noch ein weiter Weg in der Reha, aber ich nehme den Kampf an.“ Das verspätete Weihnachtsessen im Kreise der Familie mit Gans, Klößen und Rotkohl werden dabei ganz sicher helfen.