Sportlich lief die Premiere der UCI Track Champions League in Berlin für Pauline Grabosch nicht ganz so wie gewünscht. Im Sprint und im Keirin schied die viermalige Teamsprint-Weltmeisterin vor 3400 Zuschauern im Berliner Velodrom jeweils in der ersten Runde aus. Nach zwei von fünf Runden liegt die 24-Jährige in der Gesamtwertung jetzt auf Platz 14. „Ich hatte mir ein bisschen mehr erhofft. Ich bin auch ein bisschen angeschlagen, aber ich habe mich durchgekämpft und versucht, es von Anfang bis Ende so knapp wie möglich zu machen“, resümierte sie nach der stimmungsvollen und actiongeladenen Veranstaltung.
Vor allem im Keirin, dem sogenannten Kampfsprint, hat die Neu-Cottbuserin noch Reserven. Nach dem Unfall von Kristina Vogel im Sommer 2018, seitdem die zweimalige Olympiasiegerin querschnittgelähmt im Rollstuhl sitzt, fuhr Grabosch nur noch ganz selten bis gar nicht mehr diese olympische Disziplin. „Ja, es stimmt. Ich bin Jahre kein Keirin mehr gefahren. Ich habe mir deshalb in der UCI Track Champions League ein bisschen das Ziel gesetzt, mich meinem Angstgegner zu stellen. Das ist eine gute Möglichkeit, Wettkampferfahrung zu sammeln – gerade, wenn man gegen die Besten der Welt fährt. Ich möchte mich da einfach wieder reinarbeiten“, sagte Grabosch.

Pauline Grabosch jubelt bei „Instagram“ mit ihrem Freund

Familie zu Besuch beim Heimrennen in Berlin

Emotional war das Heimrennen auf der WM-Bahn von 2020 aber auch aus anderem Grund. Nach fast dreijähriger corona-bedingter Zwangspause konnte wieder einmal ein großer internationaler Wettkampf vor der Haustür stattfinden. Mutter Petra, weitere Familie und Freunde reisten ins Velodrom, um ihre Pauline lautstark zu unterstützen. „Es ist ein schöner Bonus vor Heimpublikum zu fahren und zu wissen, dass zum ersten Mal fast meine ganze Familie da ist. Ich war noch ein bisschen nervöser“, freute sich die Psychologe-Studentin, die mit einer leichten Erkältung in die Rennen ging. „Meine Familie liebt mich – mit oder ohne Fahrrad. Dass sie hergekommen sind, um mit mir meinen Job, mein Hobby und meine Leidenschaft zu teilen, sorgt bei mir für ein bisschen Bauchgrummeln. Die Erinnerungen kann mir niemand mehr nehmen“, sagte Grabosch weiter.
Erstmals öffentlich äußerte sich Pauline Grabosch auch in Berlin zu ihrem neuen Partner – dem australischen Sprinter Matthew Richardson. Seit dem Spätsommer ist sie mit dem Teamsprint-Weltmeister und Sprint-Vize-Weltmeister 2022 liiert. „Wir kannten uns schon eine Weile“, so Grabosch. Richtig gefunkt habe es im Sommer, da kam Richardson für einige Wochen zum gemeinsamen Training nach Cottbus.
Schon die WM in Saint-Quentin-en-Yvelines konnten beide ein bisschen zusammen verbringen, nach einem gemeinsamen Malta-Urlaub geht es nun zu den letzten drei „Königsklassen“-Runden bei Paris und zweimal in London. Pauline Grabosch: „Wir sind Individualsportler, trotzdem ist es natürlich immer schön, wenn es paar Teammates dabei sind. Und wenn man eine Fernbeziehung hat, ist man umso dankbarer, zusammen Zeit zu verbringen.“