Es war ein Glücksfall für den Handball in Cottbus und der ganzen Lausitz, dass der heute 69 Jahre alte Klaus-Dieter Sklenar als junger Mann mit dem Dienst an der Waffe zur Verteidigung der DDR wenig am Hut hatte. Eigentlich sollte sich Sklenar, der in Groß-Naundorf (Sachsen-Anhalt) geboren wurde und in Elsterwerda im Alter von sieben Jahren zum Handball kam, Anfang der 1970er Jahre für eine längere Dienstzeit in der Nationalen Volksarmee verpflichten. Der Nachwuchs-Spieler Sklenar hatte bei Dynamo Halle auf sich aufmerksam gemacht. Als „Mann zwischen den Pfosten“ sollte der talentierte Torhüter fortan sein Können als „Sportler in Uniform“ zeigen. Das allerdings passte ihm nicht in den Kram. Er wurde zum Wehrdienst eingezogen und nach Cottbus abkommandiert. Nach der Entlassung aus der NVA juckte es den jungen Mann wieder, als Torhüter gegnerischen Angreifern das Leben schwer zu machen.

Mit Lok RAW begannen in den 70ern die besten Jahre

Fünf Handball-Vereine gab es zu dieser Zeit, im Jahre 1974, in Cottbus. Er wählte für sich die Betriebssportgemeinschaft (BSG) des Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW). Die Eisenbahner spielten damals als reine Freizeithandballer in der Bezirksklasse. Genau in dieser Zeit begannen die erfolgreichsten Jahre des Handballs in Cottbus.
Dieter Sklenar, der natürlich auch bei Lok RAW im Cottbuser Tor stand („Wer den Ball nicht richtig fangen konnte, der musste ins Tor“), ist einer, der diese Zeit mit prägte. Er erinnert sich: „Mit Werkleiter Dr. Schumann, dem ökonomischen Direktor Werner Schiesko, dem späteren Trainer Ulrich Jerga oder mit Dieter Adam waren Leute am Werk, die den Leistungssport im Cottbuser Handball entscheidend entwickelten.“
Selbst als nach dem Aufstieg in der DDR-Liga 1979 ein bitterer Abstieg folgte, blieb die Marschrichtung gen Oberliga unangetastet. Die guten Bedingungen als „Handball spielende Arbeiter“ bei RAW hatten Akteure aus Frankfurt (Oder), Leipzig, Berlin oder Aue angelockt. Sklenar beispielsweise war als Konstrukteur für Spezialaufgaben im RAW angestellt. „Gearbeitet habe ich, wenn nicht trainiert wurde, im Sportbüro der BSG Lok RAW Cottbus und war dort für den organisatorischen Ablauf beim Handball zuständig“, erinnert sich Sklenar. Zudem trainierte der ausgebildete Übungsleiter den Nachwuchs.

Sklenar prägte eine Ära und feierte den Aufstieg in die DDR-Oberliga

Gemeinsam mit Torhüter-Kollegen wie Frank Prätzel (heute Präsidiumsmitglied beim LHC Cottbus) und Frank Stoy prägte Sklenar eine Ära, die RAW Cottbus in der Saison 1985/86 erstmals in die DDR-Oberliga brachte. Mit 36 Jahren beendete Klaus-Dieter Sklenar seine leistungssportliche Laufbahn.
Nach der Wende in der DDR musste sich Sklenar beruflich völlig neu orientieren. Er war als Außendienstmitarbeiter viel auf deutschen Straßen unterwegs, und höchstens mal als Zuschauer in der Handball-Halle. 1997 überredete ihn ein alter Weggefährte, der leider viel zu früh verstorbene Fred Mellack, beim 1995 gegründeten HC Cottbus als Co-Trainer die Torleute zu trainieren. Der SC Cottbus strebte damals ebenso die zweite Bundesliga an wie auch der USV Cottbus. Vereinsegoismen führten jedoch nicht nach oben, sondern in eine schwere Krise, aus der der neu gegründete LHC Cottbus eine schwere Last aufgebürdet bekam.

Sklenar ist dem Handball treu geblieben und in der ganzen Lausitz aktiv

Sklenar blieb stets dem Handball in der Region treu. Er war Co-Trainer in Luckau, beim HC Spreewald, dem LHC Cottbus, und in der nun abgebrochenen Corona-Saison auch beim Brandenburg-Ligisten TSG Lübbenau.
Er hat Höhen und Tiefen im Lausitzer Handball hautnah miterlebt. Cottbus müsse mit seinem Potenzial und einer Sportschule im Rücken mindestens in der 3. Liga spielen, sagt er. Seine Ratschläge: Langfristiger mit dem Nachwuchs über Chancen und Perspektiven in Cottbus sprechen, die zweite Mannschaft des LHC als Ausbildungsmannschaft profilieren und auch mal über den eigenen Tellerrand schauen. Etwa im Erzgebirge in Aue, wo Fußball und Handball jeweils in der zweiten Bundesliga spielen.