Medienberichte und Marktspekulationen über einen angeblichen Verkauf des Eisenbahngeschäfts an den französischen Bahntechnikhersteller Alstom haben dem kanadischen Bombardier-Konzern am Mittwochabend kräftig Auftrieb an der Börse gegeben. In der Lausitz hingegen sorgte die Nachricht für Sorgen.

Lay: Beschäftige in Bautzen und Görlitz brauchen Sicherheit

„Sollte der Verkauf der Schienenbausparte von Bombardier an Alstom tatsächlich stattfinden, dürfen die Bestandszusagen für die Werke in der Lausitz nicht in Frage gestellt werden“, sagt etwa die Lausitzer Bundestagsabgeordnete Caren Lay (Linke). „Die Angestellten in Bautzen und Görlitz haben in den letzten Jahren genug Unsicherheit erleiden müssen und müssen sich auf gemachte Zusagen verlassen können.“

Die Sorge kommt nicht von ungefähr. Bombardier Transportation hatte 2017 mit der Streichung von weltweit 7500 Stellen einschneidende Umstrukturierungen angekündigt. IG Metall, Betriebsräte und Politik verhandelten etwa ein Jahr lang mit der Konzernleitung. Vereinbart wurden schließlich der Erhalt aller deutschen Standorte, auch Bautzen und Görlitz. Zudem investierte Bombardier in seine Lausitzer Standorte.

„Ganz klar ist: Alle Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben. Alstom muss den Erhalt der Arbeitsplätze garantieren“, fordert nun Caren Lay.

Wichtiges Standbein für die Lausitz

Nach „Handelsblatt“-Informationen aus Industriekreisen will Alstom für sieben Milliarden Euro die gesamte Zugsparte der Kanadier übernehmen. Bombardier Transportation hat nach Angaben des Unternehmens rund 40 650 Beschäftigte, Hauptsitz der Sparte ist Berlin. Insgesamt hat der Bombardier-Konzern, dessen zweites Standbein der Flugzeugbau ist, mehr als 68 000 Mitarbeiter.

Bombardier und Alstom haben sich bisher nicht zum Thema geäußert. Trotzdem mahnt Linkenpolitikerin Lay die Wirtschaftspolitiker zur Aufmerksamkeit: „Ich hoffe, dass im Rahmen der Kaufverhandlungen klare Zusagen von Bombardier für den Erhalt der Werke in Bautzen und Görlitz aus der Vergangenheit durch den neuen Eigentümer bestätigt werden.“ Für die Lausitz sei der Schienenfahrzeugbau ein wichtiges Standbein, um Jobs im Strukturwandelprozess zu sichern.

Bombardier tut sich schon länger schwer. Die Kanadier hatten im vorigen Monat den Kapitalmarkt mit einer Gewinnwarnung schockiert. Hintergrund für die um die Hälfte gestrichene Erwartung an die Gewinnentwicklung im abgelaufenen Jahr ist auch das schlecht laufende Eisenbahngeschäft.

Was sagt das Kartellamt?

Die Transaktion könnte allerdings auf Widerstand der Kartellbehörden stoßen. Alstom war erst vor einem Jahr an Bedenken der europäischen Wettbewerbskommission mit dem Versuch gescheitert, mit Siemens Mobility zu fusionieren. Die Aufseher stoppten den Zusammenschluss trotz Warnungen vor einer zunehmenden Bedrohung durch chinesische Konkurrenz. 2017 hatte es auch schon Spekulationen gegeben, dass Bombardier und Siemens ihre Zugsparten zusammenlegen könnten.

(mit dpa)