Der Dachverband Domowina (Bund Lausitzer Sorben) hat seit dem Wochenende einen zur Hälfte neuen Bundesvorstand. Der Vorsitzende Dawid Statnik wurde dabei für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Die Hauptversammlung wählte den 37-Jährigen am Samstag in Schleife (Landkreis Görlitz) mit 96,1 Prozent zum dritten Mal wieder. Zu seinen Stellvertretern bestimmten die 102 Delegierten Hartmut Leipner (Niederlausitz) und erneut Marko Hantschick (Oberlausitz). In das Gremium wurden weitere 11 Frauen und 16 Männer zwischen 19 und 71 Jahren gewählt.
Die Domowina sei eine „wichtige Stimme für die Anliegen der Sorben/Wenden“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) laut Mitteilung in einem Grußwort. Die Landesregierung und sie entwickelten gemeinsam Ideen für die aktuellen Herausforderungen. Es gehe darum, „die großen Potenziale unserer jetzigen Zeit für einen neuen Aufschwung des Sorbischen“ auszuschöpfen, damit 2050 wieder mehr Sorben in der Lausitz leben, sagte Statnik.

Hoyerswerda/Schleife

Nachwuchsmangel gefährdet die sorbische Kultur

Er sieht im Nachwuchsmangel für das sorbische Kultur- und Sprachsystem den „größten Missstand im Moment“ und forderte nach dem Vorbild der Kultur- auch eine Bildungsautonomie. Es brauche dringend Strukturen, „um ausreichend Sprachträger für die Entwicklung der Sprache und Kultur zu erhalten“. Neben dem Thema Lehrernachwuchs gehe es um ein sorbisches Schulsystem. Das soll ein Netz von Einrichtungen sein, „in denen unsere Sprache an erster Stelle steht“, mit aller Freiheit für die kulturellen und lokalen Besonderheiten, aber klarem Anspruch, dass die Absolventen „mündlich wie schriftlich fließend Sorbisch/Wendisch“ kommunizieren können.
Die Domowina wurde 1912 gegründet, dann von den Nazis verboten und 1945 wiederbelebt. Sie hat nach eigenen Angaben aktuell 7500 Mitglieder. Zwei Drittel der offiziell etwa 60.000 Sorben und Wenden leben in Ostsachsen, ein Drittel in Südbrandenburg.