Am frühen Montagmorgen, 25. November 2019, ist in das historische Grüne Gewölbe eingebrochen worden. Das ist Dresdens Schatzkammer. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der wertvollen Sammlung. Die Räume des Museums sind eigentlich streng gesichert.

Um kurz vor 5 Uhr wurde der Einbruch in der Sicherheitszentrale gemeldet, die umgehend die Polizei informierte. Das teilt die Polizeidirektion Dresden am Nachmittag auf einer Pressekonferenz mit. Demach haben zwei Personen die Gitter vor einem Fenster durchtrennt. Anschließend haben sie offenbar gezielt eine der vier Vitrinen mit historischem Schmuck zerstört und drei Juwelengarnituren geklaut. Das ergeben laut der Polizei Videoaufnahmen, die zurzeit noch weiter ausgewertet werden.

Die Aktion dauerte nur wenige Minuten. Bereits fünf Minuten nach der Alarmierung war eine Polizeistreife vor Ort - die Täter waren nach ersten Angaben des Sicherheitsdienstes aber bereits mit einem wahrscheinlich bereitgestellten Auto geflüchtet. Die Fahndung wurde daraufhin zuerst auf das gesamte Stadtgebiet und schließlich auch auf die angrenzenden Polizeidirektionen und Bundesländer ausgeweitet. Nach Angaben von Polizeipräsident Jörg Kubiessa blieb die bislang aber erfolgslos.

Im Zusammenhang mit dem Einbruch wird auch der Brand eines Stromkastens in der Nähe des Museums untersucht. Durch den Stromausfall waren alle Straßenlampen in der Umgebung ausgefallen.

Höhe des Schadens nicht bezifferbar

Über die Schadenshöhe gibt es keine genauen Angaben. Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: „Das ist der Staatsschatz des 18. Jahrhunderts. Es gibt aber keinen finanziellen Wert für die Stücke. Durch die internationale Bekanntheit sind sie im Grunde unverkäuflich. Der materielle Wert ist auch nicht so hoch. Die besondere Bedeutung ergibt sich daraus, dass diese Schmuckensemble noch vollständig sind.“ Möglich wäre es natürlich, dass die Stücke zerstört würden. „Das wäre eine schreckliche Vorstellung, wenn sie aufgebrochen würden“, so Ackermann. Die zehn erhaltenen Juwelengarnituren Friedrich August I. (der Starke). Die Ensembles aus Knöpfen, Schnallen, Hutzier, Orden, Achselschleifen oder Stockknöpfen sind mit Brillanten, Diamanten, Rubinen, Smaragden oder Saphiren besetzt, darunter der mit 541 Karat größte blaue Saphir der Welt.

Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden

Bildergalerie Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden

Sicherheitskonzept des Museums soll überprüft werden

Die Dresdner Polizei hat nach eigenen Angaben auch Kontakt zu Ermittlern in Berlin aufgenommen. Volker Lange, Leiter der Kriminalpolizei: „Wir stehen in einem engen Ausstausch mit den Berliner Kollegen, um zu sehen, was gibt es für Zusammenhänge, was gibt es für ähnliche Tatmuster.“ In Berlin hatten Unbekannte im Frühjahr 2017 im Bodemuseum eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze gestohlen. Das millionenteure Exemplar ist noch immer verschwunden. Die Anklagebehörde in der Hauptstadt gehe davon aus, dass die Münze zerstückelt und verkauft wurde, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Montag.

Nach dem Einbruch wird auch das Sicherheitskonzept nochmal überprüft werden. „Ein solches Vorkommnis wird natürlich dazu führen, dass man sich die Frage stellen muss, was man noch verschärfen muss, was man anders machen muss“, sagt Marion Ackermann.

Sie seien auf dem Stand gewesen, dass das, was man tun könne, gemacht worden sei. „100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagte Ackermann bei der Pressekonferenz. Sonst würden nicht weltweit so viele Einbrüche in Museen vorkommen. Auch Polizeipräsident Jörg Kubiessa sagte, natürlich werde das Sicherheitskonzept nochmal geprüft. Aber dazu müsse man erstmal wissen, was passiert sei.

Einbruch in Grünes Gewölbe: Ministerpräsident bestürzt

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) äußerte sich bestürzt über den Einbruch in das Dresdner Grüne Gewölbe. „Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen!“, sagte Kretschmer.

Nach dem Einbruch besichtigten Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) und Museumsdirektor Dirk Syndram von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden den Tatort von außen. Für Besucher blieb das Residenzschloss geschlossen. Ein Schild am Eingang in deutscher und englischer Sprache wies darauf hin, dass das Museum aus „organisatorischen Gründen“ geschlossen bleibe.

Das Historische Grüne Gewölbe im Dresdner Residenzschloss ist das barocke Schatzkammermuseum der sächsischen Kurfürsten und Könige. In zehn prachtvoll ausgestatteten Räumen beherbergt es rund 3000 Schmuckstücke und andere Meisterwerke aus Gold, Silber, Edelsteinen, Elfenbein und anderen wertvollen Materialien.

Grünes Gewölbe: Eine der reichsten Schatzkammern Europas

Sachsens Kurfürst August der Starke (1670-1733) ließ die Schatzkammer zwischen 1723 und 1730 anlegen. Heute wird sie in zwei Abteilungen präsentiert. Der historische Teil befindet sich im Erdgeschoss des Residenzschlosses in den authentisch wiederhergestellten Räume der Sammlung. Eine Etage weiter oben zeigt das Neue Grüne Gewölbe besondere Einzelstücke.

Seit der Wiedereröffnung im September 2006 gehört es zu den Besuchermagneten Dresdens. Ihren Namen verdanken die Räume malachitgrünen Abfärbungen einzelner Bauteile. Die Kunstsammlung gilt als eine der reichsten Schatzkammern und eines der ältesten Museen Europas.

Drei der acht Räume aus dem 18. Jahrhundert waren den Bombenangriffen auf Dresden im Zweiten Weltkrieg 1945 zum Opfer gefallen. Die Roten Armee beschlagnahmte die ausgelagerten Kostbarkeiten und brachte sie nach Moskau. Erst 13 Jahre später kehrte die Sammlung zurück. Wegen Platzmangels konnte aber lange nur ein Teil gezeigt werden.

Grünes Gewölbe für 45 Millionen Euro saniert

In die Wiederherstellung der Räume in ihrer barocken Fassung – vom Bernsteinzimmer über den Pretiosensaal bis zum Juwelenzimmer – investierte Sachsen 45 Millionen Euro. In einem modernen Teil der Schatzkammer, dem Neuen Grünen Gewölbe, sind zudem mehr als 1000 Objekte zu sehen. Dank modernster Vitrinentechnik können die Prachtstücke der Sammlung im Detail studiert werden.

„Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den ‎Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet wurden“, sagte Sachsens Ministerpräsident Kretschmer. „Man kann die ‎Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und ‎die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens.“

Orden mit dem "Großen Grünen Diamanten" des Königs August III. Der Edelstein mit 41 Karat wurde Mitte des 18. Jahrhunderts vom Hofgoldschmied Johann Friedrich Dinglinger in den Golden-Flies-Orden zusammen mit 411 Brillianten und einem weiteren Diamanten von 6,28 Karat eingefasst. Das Schmuckstück wird derzeit in New York gezeigt.
Orden mit dem „Großen Grünen Diamanten“ des Königs August III. Der Edelstein mit 41 Karat wurde Mitte des 18. Jahrhunderts vom Hofgoldschmied Johann Friedrich Dinglinger in den Golden-Flies-Orden zusammen mit 411 Brillianten und einem weiteren Diamanten von 6,28 Karat eingefasst. Das Schmuckstück wird derzeit in New York gezeigt.
© Foto: Oliver Killig/dpa

Eines der wertvollsten Stücke des Grünen Gewölbes wird derzeit im Metropolitan Museum of Art in New York ausstellt - der Grüne Diamant. Das Hut-Schmuckstück mit dem einzigartigen Stein von 41 Karat und natürlicher Färbung gilt als spektakulärste Leihgabe der Ausstellung „Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe“ des Metropolitan Museum of Art.

Residenzschloss kann eventuell Mittwoch wieder öffnen

Nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe kann das Residenzschloss eventuell am Mittwoch wieder geöffnet werden. Dies habe die Polizei in Aussicht gestellt. „Es ist noch unklar, ob wir das wirklich machen können“, sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann.. Nach dem Einbruch blieb das Residenzschloss am Montag für Besucher geschlossen. Ein Schild am Eingang in deutscher und englischer Sprache wies darauf hin, dass das Museum aus „organisatorischen Gründen“ geschlossen bleibe.