Der erste Verdachtsfall der neuen Coronavirus-Variante Omikron in Sachsen hat sich nicht bestätigt. Die Stadt und das Universitätsklinikum Leipzig teilten am Montag mit, dass die Variante bei einem 37-jährigen Mann aus Leipzig nicht nachgewiesen werden konnte. Die Chefin des Gesundheitsamtes hatte vor einer Woche von dem Verdachtsfalls berichtet. Zu dem Zeitpunkt stand allerdings das Ergebnis der Gesamtgenomsequenzierung noch aus.
Die neu entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus versetzt die Welt in Alarmzustand. Immer mehr Länder meldeten am Montag Infektionsfälle mit dem neuen Erreger, die G7-Staaten forderten "dringende Maßnahmen" gegen die Verbreitung der Virusvariante. Die Vereinten Nationen kritisierten allerdings die Reisebeschränkungen vieler Länder für das südliche Afrika, wo Omikron als erstes identifiziert worden war. US-Präsident Joe Biden warnte davor, in Panik zu verfallen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte das weltweite Risiko durch Omikron nach oben - von "besorgniserregend" auf "sehr hoch". Ein starker Anstieg der Infektionsfälle könnte schwerwiegende Folgen haben, warnte die UN-Organisation. In Südafrika rechneten Experten bereits mit explodierenden Fallzahlen. Dort war die Entdeckung der neuen Coronavirus-Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 am Donnerstag bekanntgegeben worden.
Nach Angaben südafrikanischer Wissenschaftler könnte die Variante wegen der ungewöhnlich vielen Mutationen noch ansteckender als die weltweit grassierende Delta-Variante sein - und die Impfstoffe weniger wirksam machen. Die WHO wies auf die vielen noch bestehenden Unsicherheiten zur Übertragbarkeit und Gefährlichkeit der neuen Virusvariante hin. "Bisher wurden keine Todesfälle im Zusammenhang mit der Omikron-Variante gemeldet", betonte die Organisation.

Impfung und Omikron: „Das wird nicht gut sein“

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC spricht von ernsthaften Sorgen, dass Omikron die Wirksamkeit der Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte. Welche genauen Auswirkungen die Mutante hat, steht noch nicht fest.
Der Chef des US-Impfstoffherstellers Moderna, Stephane Bancel, befürchtet eine stark eingeschränkte Wirksamkeit der existierenden Impfstoffe gegen die neu entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus. Wegen der vielen Mutationen der Variante gingen Wissenschaftler von einer "erheblichen Abnahme" der Schutzwirkung aus, sagte Bancel der "Financial Times" vom Dienstag. Sein Unternehmen habe bereits mit der Arbeit an einem überarbeiteten Impfstoff begonnen, aber dies werde einige Monate dauern.
Virologen und Impfstoffhersteller hatten sich bislang zuversichtlich gezeigt, dass die existierenden Impfstoffe auch gegen die neue Variante gut wirken. Bancel sagte nun: "Alle Wissenschaftler, mit denen ich gesprochen habe, sagen: 'Das wird nicht gut sein'."

Omikron-Variante: Was ist darüber bekannt?

Noch ist unklar, woher die Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 stammt. Nach Angaben des südafrikanischen Epidemiologen Salim Abdool Karim wurde sie "zuerst in Botsuana und kurz darauf in Südafrika beschrieben".
Südafrikanische Wissenschaftler gaben die Entdeckung am Donnerstag vergangener Woche offiziell bekannt. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits erste Infektionsfälle in Hongkong. Inzwischen wurden in zahlreichen Ländern weltweit Omikron-Fälle festgestellt.
Statistiken aus Südafrika deuten darauf hin, dass die Omikron-Variante deutlich ansteckender ist als bisherige Varianten. Fast drei Viertel der in den vergangenen Tagen in Südafrika gemeldeten Corona-Fälle wurden von der neuen Variante verursacht.
Über die Symptome und den Verlauf einer Infektion mit der Omikron-Variante ist noch nicht viel bekannt. Die südafrikanische Ärztin Angelique Coetzee, die erste Inifzierte behandelte, berichtete zunächst nur von leichten Symptomen. Inzwischen steigt die Zahl der Krankenhauseinweisungen in Südafrika aber stark an.
Auch der französiche Infektiologe Yazdan Yazdanpanah warnte vor voreiligen Schlüssen: Um den Krankheitsverlauf zu bewerten, gebe es noch nicht genug Daten. Ein Todesfall im Zusammenhang mit einer Omikron-Infektion wurde laut WHO bislang nicht festgestellt.