• Pro Jahr sterben bis zu 1000 Menschen an Infektionen mit Krankenhauskeimen
  • Und das allein in Kliniken in Sachsen
  • Diese Zahlen hat jetzt die Krankenkasse Barmer vorgelegt
  • Und Corona hat das Problem mit den Krankenhauskeimen noch größer werden lassen
Die Corona-Pandemie hat die Zahl von Infektionen mit Krankenhauskeimen 2020 steigen lassen. Bundesweit und auch in Sachsen nahmen sie im Vergleich zum Vorjahr um gut 17 Prozent zu, teilte die Barmer in Sachsen jetzt mit. „Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass die Zahl der Krankenhausinfektionen während der Pandemie und den damit verbundenen strengen Hygienevorschriften zugenommen hat“, erklärte Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer. Doch gerade in der ersten Welle der Pandemie hätten vor allem ältere Menschen, die anfälliger für Infektionen sind, auf den Stationen gelegen. Dazu komme die hohe Arbeitsbelastung für das Personal, dem es besonders am Anfang auch an Schutzausrüstung mangelte.

Corona lässt Hygienedefizite wachsen

Hygienedefizite in vielen Krankenhäusern wollte Magerl nicht als Kritik am Pflegepersonal oder den Ärzten verstanden wissen. Sie hätten Enormes geleistet. „Das Krankenhauspersonal war und ist offenbar in vielen Einrichtungen während der Corona-Pandemie so belastet, dass es die hohen erforderlichen Hygienestandards nicht immer vollständig einhalten kann. Dabei ist das gerade in Pandemiezeiten ein extrem wichtiger Aspekt, der über Leben und Tod entscheiden kann.“ Dabei komme allein der Händehygiene wesentliche Bedeutung zu. Nicht nur aus Sicht der Patienten müsse alles getan werden, um diese Infektionen zu verhindern. Deren Behandlung sei mit jährlich rund 1,5 Milliarden Euro an Zusatzkosten extrem teuer. Um das Problem der Krankenhausinfektionen in den Griff zu bekommen, fordert die Barmer einen Masterplan für mehr Hygiene. Das Wissen darüber müsse im Berufsalltag vertieft und dessen Anwendung zur täglichen Routine werden, hieß es.
Nach Angaben der Krankenkasse infizierten sich in der Vergangenheit jedes Jahr bis zu 29.000 Patientinnen und Patienten in sächsischen Krankenhäusern mit Keimen. Bis zu 1000 Betroffene sterben an der sogenannten nosokomialen Infektion.

Was sind Krankenhauskeime und welche Folgen haben sie?

Laut dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung sind die häufigsten Krankenhauskeime Enterokokken, Pseudomonas aeruginosa und Staphylokokken. Sie verbreiten sich unter anderem aufgrund mangelnder Hygienemaßnahmen und falsch angewendeter Antibiotika. Besorgniserregend ist insbesondere die Zunahme nosokomialer Keime, die Antibiotikaresistenzen besitzen. Die Folgen einer Krankenhausinfektion können Wundinfektionen und Sepsis sowie Atemwegs- und Harnwegsinfekte sein.