Die zugespitzte Corona-Lage verdüstert für Sachsens Faschingsvereine den Saisonstart. Zwar werde es am 11.11. etliche der traditionellen Schlüsselübergaben an den Rathäusern geben, sagte Michael Rohde, Sprecher des Verbandes Sächsischer Carneval. Einige Vereine hätten aber ihre geplanten Veranstaltungen auch schon abgesagt. Ein Ausblick auf die gesamte Saison mit dem in Sachsen verbreiteten Saalfasching sei praktisch unmöglich.
  • Wann findet der Karneval statt? Warum am 11.11.?
  • Welche Traditionen und Feste gibt es in Sachsen?
  • Was kann unter den Corona-Bedingungen stattfinden?

Karneval 2021: Warum beginnt er am 11. November?

Die meisten wissen es schon: Am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt die sogenannte fünfte Jahreszeit. Warum das so ist, ist nicht wirklich geklärt. Am plausibelsten ist die Erklärung, dass die Zahl elf im Mittelalter als Narrenzahl galt. Heute ist diese Zahl im „Elfer-Rat“, dem zentralen Organisationsorgan des Karnevals im Westen, verankert. Den Elfer-Rat gibt es seit dem 19. Jahrhundert.
Die fünfte Jahreszeit geht bis zum Aschermittwoch (Fastnacht). Danach beginnt die Fastenzeit, die bis Ostern geht. Demnach hat der Karneval einen christlichen Ursprung.
Schwerpunkte des Karnevals sind in Deutschland das Rheinland, Rheinhessen, Südhessen, das Münsterland, die Lausitz, Franken (vor allem in der Region um Würzburg) und Baden-Württemberg.

Karneval in Sachsen und der Lausitz: Was ist üblich?

Die Karnevalshochburg von Sachsen ist Radeburg. Hier findet jedes Jahr der größte Faschingsumzug in Sachsen statt. Am Sonntag vor Rosenmontag kommen bis zu 50.000 Menschen nach Radeburg, um den Karneval zu feiern. Wie auch in anderen Orten üblich beginnt der Karneval in Radeburg mit der Übernahme des Rathausschlüssels am 11.11.
Besonders interessant ist auch der Leipziger Stundentenfasching, das eine Reihe von Karnevalsfesten umfasst, die alle ausschließlich von Studierenden auf die Beine gestellt werden. Am 11.11. wird traditionell eine „Faschingsvorlesung“ an der Universität organisiert, die den Auftakt der Saison bedeutet. Der Karneval ist jedoch oft nicht so, wie andere Karnevale: Veranstaltungen und Feste zeigen oft Sketche und politische Diskussionen, anstatt der traditionelleren Umzüge.
Die Oberlausitz ist ebenfalls bekannt für größere Karnevalsumzüge und Veranstaltungen. Der Karnevalsverein Wittichenau kann den Ursprung des Karnevals in der Region auf das Jahr 1706 zurückdatieren. Wie genau die Tradition in Wittichenau begann kann jedoch nicht gesagt werden.

Karneval 2021: Was ist unter Corona-Bedingungen geplant?

In Leipzig soll Löwin Leila am Donnerstag den Rathausschlüssel übernehmen - natürlich unter Auflagen, sagte Steffen Hoffmann, Präsident des Förderkomitees Leipziger Karneval. „Es wird keinen Tanz von Gruppen und auch keinen Gesang von Gruppen geben.“ Immerhin gebe es in diesem Jahr grünes Licht für den traditionellen Karnevalsauftakt, nachdem er im vorigen Jahr komplett virtuell bleiben musste.
Mit Blick auf die Faschingssaison ist auch Hoffmann zurückhaltend. „Die ganze Karnevalssaison wird wahrscheinlich nur auf Sicht gefahren werden können“, sagte er. Etliche Vereine aus der Leipziger Region hätten bereits ihre Eröffnungsveranstaltungen abgesagt. Dazu zählten die Markranstädter, die eine Veranstaltung in der Stadthalle geplant hatten. Die sei unter den geltenden Corona-Regeln nicht zu machen. Auch die studentischen Karnevalsvereine in Leipzig hätten ihre Partys gestrichen.
Der Präsident des Wittichenauer Karnevalsvereins, Matthias Glaab, antwortete auf die Frage, was in der Oberlausitz zum Saisonstart stattfinden werde: „Ja, nichts.“ Der Verein sagte nach einer Krisensitzung sein für Samstag im Freien geplantes große Fest „Kappenabend aufm Markt“ ab. „Wir hatten immer noch gehofft, aber wir müssten jetzt sicherstellen, dass nicht mehr als 1000 Menschen kommen. Das ist nicht zu machen.“
Für die Vereine, vor allem die kleineren, sei die Corona-Pandemie eine schwere Belastung, sagte Verbandschef Rohde. Für die Ehrenamtler sei es ein „Schuss vor den Bug“, wenn alle Pläne immer wieder zunichte gemacht würden. Allerdings ließen die Corona-Zahlen auch keine Wahl. Vier Vereine seien in jüngster Zeit aufgelöst worden, dazu gab es eine Neugründung. Zum Verband gehören nun 184 Vereine.
Die wichtigsten Informationen zur aktuell in Sachsen gültigen Corona-Verordnung können hier nachgelesen werden: