Kaum hat er ihn bekommen, ist Abdel Fattah al-Sisi seinen Orden schon wieder los. Der ägyptische Diktator muss das gute Stück mit Rubinen und Diamanten zurück geben. Der Semperopernball braucht einen neuen Preisträger. Aber nicht nur das. Auch eine neue Moderatorin wurde noch nicht vorgestellt für den Ball, der an diesem Freitag steigt. Tagesthemen-Sprecherin Judith Rakers wollte nicht mehr, auch die MDR-Frau Mareile Höppner sprang ab.

Dresdens Semperopernball steckt in der Bredouille. Der Versuch, dem noblen Schunkel-Event eine politische Dimension zu geben, ging nach hinten los. Jetzt ist der Ball zum Politikum geworden, und alle regen sich auf. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) will nicht hingehen. Der MDR will eine weitere Übertragung des Balls „intern kritisch auf den Prüfstand stellen“. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef zieht sich als Charity-Partner zurück.

Auch Sänger Peter Maffay ist empört - er erzwang schließlich die Aberkennung des Ordens für al-Sisi. Doch der Schaden ist angerichtet: Dresdens Top-Glamourereignis hat Glaubwürdigkeit einbegüßt. Lässt sich nach all dem Knatsch noch würdig feiern?

Schöne Kleider, Schampus und Skandal

Die Ball-Affäre bringt zwar Schlagzeilen - aber nicht die, die man haben möchte, wenn es um schöne Kleider, Walzer und Schampus geht. Der Semperopernball ist ein Event mit Ausstrahlung, vergleichbar mit dem Opernball in Wien. In Dresden wirkte das Zusammenspiel aus weltbekanntem Opernhaus und dem leicht provinziellen Promi-Auftrieb allemal unterhaltsam genug, um es im im überregionalen Fernsehen zu übertragen.

Immerhin lockt der Ball internationale Promis an die Elbe. Leicht ist das nicht, heißt es nun aus dem Ball-Verein. Deshalb das ganze Ordens-Brimborium: Dem Georgsorden mochte von Wladimir Putin bis zu Roger Moore keiner widerstehen. Putin kam 2009 extra nach Dresden, um sich auf barocke Weise auszeichnen zu lassen. Dass der russische Präsident damals in Deutschland nicht gut gelitten war, hinderte die Ball-Veranstalter nicht. Die wohl dosierte Provokation ist Teil des Spektakels. Diesmal aber ging es zu weit.

Keiner will es gewesen sein

Wessen Idee es war, zur 15. Auflage des Balls den ägyptischen Diktator mit dem Orden des Heiligen Georg zu ehren, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Keiner will es gewesen sein. „Wir haben ungefähr 70 Orden verliehen“, sagte BallvereinsMitglied Bernd Aust dem MDR. „Wir sind immer unter starkem Druck, jemanden zu finden.“ Die Preisträger sollten „natürlich ein paar Reibungspunkte“ bieten, damit über das Ereignis auch gesprochen wird. Diesmal war es zu viel Reibung. Aust war bei der letzten Vereinssitzung allerdings nicht dabei, dort muss die Entscheidung für al-Sisi gefallen sein.

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Dresden

Und so richtet sich der Ärger in der Stadt auf den Ballmanager Hans-Joachim Frey. Der 54-jährige ehemalige Operndirektor ist die treibende Kraft im Ballverein. Er hat den Ball in der Semperoper 2006 eingeführt. Für seine Tätigkeit als Kulturmanager in Russland und Weißrussland war ihm der Ball stets eine passable Bühne.

Der Vorwurf gegen Frey lautet nun, er nutze das weithin sichtbare Ereignis in der Semperoper, um Geschäftsbeziehungen mit autoritären Regimen anzubahnen. Frey rücke die Veranstaltung und die Stadt Dresden in ein zweifelhaftes Licht, kritisieren Dresdner Politiker.

Prominente bleiben demonstrativ fern

Auch für die Politik war der Ball immer ein hübsches Schaufenster. Sachsens Ministerriege sitzt üblicherweise ganz vorn. Die 100 Debütanten-Paare tanzen traditionell unter der Schirmherrschaft der sächsischen First Lady. Internationale Gäste, die beim Ball auflaufen, werden zuvor vom Regierungschef empfangen.

Dresden

So ist auch die Ordensvergabe an al-Sisi in der Staatskanzlei bekannt gewesen. Als Problem empfand man die Ehrung eines Diktators, der die Opposition in seinem Land massiv drangsaliert, offenbar nicht.

So liegt über der rauschenden Ballnacht an diesem Freitag ein saurer Hauch. Hinterher wird weiter diskutiert werden. Ob es einen nächsten Semperopernball geben wird, steht in den Sternen. Wenn nicht, wäre es das Scheitern eines Events, das es so nirgends in Deutschland gibt.