Insgesamt acht Covid-19-Patienten mit schweren Lungenkrankheiten werden aktuell in sächsischen Krankenhäusern behandelt. Das teilt der Freistaat Sachsen am heutigen Dienstag, 24. März, mit. Der Kontakt wurde auf Anfrage der Deutschen Botschaft in Rom und des Auswärtige Amts über die sächsische Staatsregierung zu den Experten in Leipzig hergestellt. Von dort ging die Vermittlung in sächsische Kliniken weiter. In Europa ist Italien mit seinen 60 Millionen Einwohnern das am heftigsten von der Corona-Pandemie getroffene Land.

Gesundheitsministerin Petra Köpping erklärt: „Es ist für uns selbstverständlich, dass wir in einer solch bedrohlichen Situation helfen und Patienten aus Italien aufnehmen. Die Situation dort ist dramatisch. Unsere Krankenhäuser und Kliniken haben dafür die Kapazitäten und die medizinische Expertise. Auch wenn die Grenzen gerade geschlossen sind und jedes Land für sich kämpft, um die Krise zu bewältigen, denken wir weiter europäisch und helfen, wo wir können.“ Das sieht auch Ministerpräsident Michael Kretschmer so. Er sagte bereits am Montag dazu: „Das ist ein ganz wichtiges Zeichen, dass wir auch anderen helfen können.“

Leipziger Uniklinikum: Ein Zeichen europäischer Solidarität

In der Nacht landete bereits eine Militärmaschine auf dem Flughafen Leipzig/Halle und brachte zwei schwerstkranke Patienten aus Bergamo. Die beiden 57-jährigen Männer wurden ans Uniklinikum Leipzig verlegt. Die Behandlung der Patienten erfolgt in enger Abstimmung mit den ärztlichen Kollegen in Bergamo. „Wir sehen das als unsere Pflicht an und setzen bewusst ein Zeichen europäischer Solidarität und Humanität. Das Gebot der Stunde ist es, zu helfen, wo Hilfe möglich ist“, sagte Professor Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des Leipziger Uniklinikums.

Zwei weitere beatmungspflichtige Corona-Patienten aus Italien werden das Herzzentrum und Helios Park-Klinikum Leipzig aufnehmen. Die Kliniken seien gut auf die pflegerische und medizinische Betreuung der Patienten vorbereitet, heißt es in einer Pressemitteilung des Freistaats. „Für uns ist das in der derzeitigen Lage selbstverständlich und europäische Bürgerpflicht“, begründete Professor Dr. Gerhard Hindricks, Ärztlicher Direktor des Herzzentrums Leipzig, die Aufnahme der Patienten. Die Behandlung der italienischen Patienten werde als Akt der humanitären Hilfe durchgeführt.

Helios Park-Klinikum Leipzig: In der Lage Patienten-Spitzen zu bewältigen

Der Helios Klinikstandort Leipzig verfügt aktuell über 61 Intensivbetten und maximal 109 Beatmungsplätze. Darüber hinaus werden Verfahren zur temporären mechanischen Unterstützung von Herz und Lunge, sogenannte ECMO-Systeme, vorgehalten. Dr. Ulrich Halm, Ärztlicher Direktor des Helios Park-Klinikums Leipzig: „Wir (...) sind nach aktuellem Stand auch personell in der Lage, Spitzen bei der Versorgung von Corona-Patienten zu bewältigen.“ Darüber hinaus werden je zwei weitere schwerstkranke Patienten aus Bergamo im Universitätsklinikum Dresden sowie im Fachkrankenhaus Lungenzentrum Coswig erwartet. Kliniken aus der Oberlausitz haben bisher noch keine Patienten aus Italien aufgenommen. Am Montag, 23. März, war zunächst noch von insgesamt sechs Italienern die Rede gewesen, die nach Sachsen kommen sollten.

Wie helfen andere Länder?

Nicht nur Sachsen nimmt Corona-Patienten aus anderen Ländern auf. Auch Nordrhein-Westfalen und Bayern haben Covid-19-infizierte Personen aus Menschen aufgenommen – ebenso die Schweiz und Frankreich. Ärzte aus Kuba, Russland und China sind in Italien vor Ort. Solidarität im Kampf gegen die Corona-Pandemie kommt auch von anderen Nationen.

  • China: Die Volksrepublik, wo das Virus in der Millionenmetropole Wuhan seinen Ursprung genommen hatte, nimmt inzwischen eine führende Rolle bei der globalen Hilfe ein. Wie Pekings Außenministerium am Wochenende mitteilte, wurden 82 Nationen Hilfslieferungen angeboten. Neben der Italien-Hilfe wurden für die EU weitere zwei Millionen Masken angekündigt. Sehr aktiv ist auch der chinesische Milliardär Jack Ma. Der Gründer des Online-Händlers Alibaba hat ebenfalls Millionen Schutzmasken und andere Hilfsgüter in alle Welt verschicken lassen. China revanchiert sind mit den Lieferungen auch für massive Hilfen, die es aus anderen Ländern erhalten hat, als das Coronavirus sich in Wuhan verbreitete.
  • Serbien: Präsident Aleksandar Vucic wandte sich verzweifelt China zu. 249 Fälle hatte das Land – mit Ärzten am Limit. Er habe Staatschef Xi Jinping die jahrhundertelange Freundschaft mit dem kleinen Serbien versprochen im Gegenzug für Hilfe, sagte Vucic – und küsste die chinesische Fahne. Von der EU fühlte er sich hingegen im Stich gelassen.
  • Tschechien: Die tschechische Republik schickte Anfang März ein Militärflugzeug mit fünf Tonnen kostenlosen medizinischen Hilfsgütern nach China. China revanchierte sich jetzt damit, dass es Material aus seinen Speichern für Tschechien freigab.
  • Litauen: Das EU-Land Litauen wiederum erhielt Zehntausende Schutzmasken und Handschuhe als Spende der chinesischen Handelskammer. „Unsere Situation ist jetzt stabiler und bessert sich, obwohl wir Ende Januar und Februar große Schmerzen hatten“, sagte Handelskammer-Chef Haonan Wang mit Blick auf China.

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(mit dpa)