Herr Härtel vom Ordnungsamt des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge muss kein Corona-Hellseher sein. „In zehn Tagen gehen die Infektionszahlen wegen Fasching wieder nach oben. Das war auch zu Ostern und Pfingsten so“, sagt der Mann, der seinen vollen Namen wegen der aufgeheizten Stimmung lieber nicht in der Zeitung lesen will.
Die wenigsten würden ihre Infektion aus dem Supermarkt oder von Arbeit mit nach Hause bringen. Es seien vor allem die privaten Zusammenkünfte. Härtel weiß, wovon er redet. Früher hat er auch bei der Kontaktnachverfolgung mitgemacht. Da konnte er die Entstehung von Infektionsketten genau beobachten.
An diesem Tag ist Härtel mit einem Kollegen aus dem Landratsamt und zwei Bereitschaftspolizisten auf Corona-Streife in Pirna unterwegs. Der die Stadt umgebende Landkreis gehört bundesweit zu den am meisten betroffenen Regionen. Am Freitag wurde hier mit einer Inzidenz von 1031,0 eine weitere bisher nicht vorstellbare Marke geknackt.
Landrat Michael Geisler (CDU) hatte schon Tage zuvor mehr Kontrollen angekündigt. Mit einer Inzidenz von 569,0 trug Sachsen auch am Freitag die rote Laterne bei Neuinfektionen im Land. Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) brachte die Absage von Weihnachtsmärkten ins Spiel und schloss sogar einen neuerlichen Lockdown nicht aus.

Osterzgebirge: Zehn Corona-Kontrollteams sind unterwegs

Inzwischen patrouillieren zehn Kontrollteams im Landkreis Sächsische Schweiz-Ostererzgebirge. Härtels Trupp steuert zuerst das Geipeltbad an, ein beliebtes Schwimmbad. Hier gilt 3G: Nur Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete erhalten Zutritt. Auf einer Tafel sind für alle sichtbar Corona-Regeln aufgelistet, auf dem Fußboden erinnern Aufkleber ans Abstandsgebot.

Bautzen

Härtel prüft den Desinfektionsspender. Auf Tischen am Eingang liegen Kontaktformulare aus. Der erste Augenschein sei positiv, sagt der Mann vom Ordnungsamt. Die Frau am Empfang berichtet von ihren Erfahrungen. Ein Gast habe versucht, mit einem QR-Code von einer Paketzustellung Einlass zu finden: „Dem habe ich gesagt: Wir sind hier kein Paketdienst.“
Härtel ermuntert die Frau, die Polizei zu rufen, wenn Leute aggressiv werden. Unlängst habe ein Mann einer Verkäuferin in Heidenau die Maske vom Gesicht gerissen und sie angespuckt. Dabei habe diese ihn nur auf die Maskenpflicht im Geschäft hinweisen wollen. Die Reaktionen würden auch von der Tageszeit abhängen.

Abends in Sachsen: Feindbild Corona-Kontrolleure in Kneipen

Wenn man zu später Stunde in einer Gaststätte Leute kontrolliere, die schon ein paar Bier intus haben, könne es auch rauer werden. „Dann gehört man zum Feindbild, ist zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt Härtel.
Herr Emig ist eigentlich als Prüfingenieur für wasserbauliche Anlagen im Umweltamt tätig und hat an diesem Vormittag seinen ersten Kontrollgang überhaupt. Er ist vorübergehend abgestellt. Er räumt ein, dass sich die Kollegen nach diesem Job nicht gerade drängeln. Man müsse aber mal „raus aus der Komfortzone“. Dass Coronaleugner oder Kritiker der Maßnahmen mitunter aggressiv auftreten, findet er unheimlich. An diesem Vormittag bleibt es friedlich.

Görlitz

Auch Härtel ist bester Laune und gibt dem Geipeltbad die Bestnote. „Ganz hervorragend gemacht. Da gibt es überhaupt nichts zu meckern.“ Schön zu sehen, dass auch ein Schwimmbad in der Corona-Pandemie funktioniert, meint Härtel. Daran sei ja im ersten Lockdown gar nicht zu denken gewesen. Doch viele Betreiber von Einrichtungen hätten im Laufe der Pandemie dazugelernt und tolle Hygienekonzepte auf die Beine gestellt.
Das sei schließlich auch Werbung in eigener Sache. Für verwerflich hält er aber, wenn etwa Gaststätteninhaber die 2G-Regel bewusst unterlaufen und die Gäste gleich durchwinken. Bußgelder gebe es vor allem dann, wenn Personen „direkt auf Kontra“ gehen und den Kontrolleuren gegenüber aggressiv werden.

Ordnungsamt-Mitarbeiter: Wir erhalten auch positive Rückmeldungen

Allerdings hat Härtel in den vergangenen Tagen auch viel positive Resonanz gespürt. „Es gab Leute, die sich bei uns bedankt haben.“ Wenn man ordentlich auf Menschen zugehe und sie aufkläre, könne man sie auch für das Problem sensibilisieren. „Wir wollen niemanden gängeln, sondern Infektionsketten brechen.“ Am besten wäre es, wenn jeder die Regeln für sich umsetze. Wenn jeder jeden Tag einen Schnelltest machen würde und bei einem positiven Test dann auch zu Hause bliebe, wäre man „in vier Wochen durch mit der Pandemie“, meint Härtel.
„So ist es mit Corona auch. Jeder versucht sich einen Freiraum zu verschaffen“, sagt Härtel und berichtet von Imbissen und Geschäften, die nichts dokumentiert hatten – so, als wären Kunden schon seit Wochen ausgeblieben. Andere würden Stempel in den Impfausweisen fälschen. Da hätten die Kollegen schon sehr „dubiose Dokumente“ zu sehen bekommen. „Wir könnten die Pandemie locker in den Griff kriegen, wenn es nicht so viele Leute geben würde, die Lücken suchen.“
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Cottbus

An diesem Tag geht freilich alles glatt. Auch im Aktiv Sporthotel von Pirna haben die Kontrolleure nichts auszusetzen. Schon der Daumen-hoch-Smiley am Eingang stimmt optimistisch. Zwei Frauen am Empfang erläutern das Konzept und zeigen Dokumentationen. Als die Corona- Streife das Hotel verlässt, gibt Härtel ihm „Note 1 mit Sternchen“.

Hoyerswerda

Attacke auf Polizisten bei Corona-Kontrolle

Bei einer Kontrolle von Coronaschutzmaßnahmen sind in Bad Schandau (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) zwei Polizisten verletzt worden. Die beiden Beamten hatten am Samstag gemeinsam mit Mitarbeitern des Landratsamtes eine Faschingsveranstaltung auf dem Marktplatz kontrolliert, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Dabei wurden sie zunächst von einem 56-Jährigen beleidigt. Bei der Identitätsfeststellung wurden die Beamten von einer Gruppe von etwa 20 Personen umringt. Aus der Menge heraus habe ein Unbekannter einer 24 Jahre alten Polizistin gegen das Knie getreten, teilte die Polizei weiter mit. Die Beamten hätten körperliche Gewalt anwenden müssen, um sich der Situation zu entziehen. Dabei wurden sie mit einer Flasche beworfen, die einen 35 Jahre alten Polizisten am Bein traf. Beide Beamte wurden leicht verletzt.
Neben dem 56-Jährigen wurde ein 25-Jähriger als Tatverdächtiger identifiziert. Es wird nun unter anderem wegen Landfriedensbruch ermittelt. dpa