Bei Protesten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in Deutschland reagiert die Polizei in Leipzig robuster als beim letzten Mal. Polizisten erleben dabei Angriffe und müssen Corona-Kritiker und Gegendemonstranten auseinanderhalten. Dabei kommt auch schweres Polizei-Gerät zum Einsatz.
In der Innenstadt trafen am Samstag, 21. November, bis zum Abend die gegensätzlichen Lager immer wieder aufeinander, wie die Polizei mitteilte. Sie war mit einem Großaufgebot im Einsatz, die Lage war zeitweise unübersichtlich.
Gegner der Corona-Maßnahmen in Leipzig: Viele tragen keine Mund-Nasen-Masken, obwohl dies bei den Demonstrationen wegen der Corona-Pandemie vorgeschrieben ist. Die Polizei stoppt hier den Aufzug von Corona-Kritikern.
Gegner der Corona-Maßnahmen in Leipzig: Viele tragen keine Mund-Nasen-Masken, obwohl dies bei den Demonstrationen wegen der Corona-Pandemie vorgeschrieben ist. Die Polizei stoppt hier den Aufzug von Corona-Kritikern.
© Foto: dpa-Zentralbild
Laut Polizei gab es vereinzelte Angriffe auf Einsatzkräfte in Form von Steinwürfen. Eine endgültige Bilanz sei wohl erst am Sonntag möglich, sagte der Polizeisprecher am Samstagabend. Bis dahin seien zwei Menschen festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Zudem sei es nach bisherigem Stand zu verschiedenen Straftaten gekommen, vor allem zu Körperverletzungen.
Am frühen Abend kam es zu nicht genehmigten Spontanversammlungen. An drei Stellen in der Leipziger Innenstadt wollten sich laut Polizei dabei jeweils Menschen im dreistelligen Bereich beteiligen.

Polizei kesselt Spontan-Demo von Corona-Kritikern ein

Nach Angaben von dpa-Reportern standen sich Gegner der Corona-Regeln sowie Gegendemonstranten gegenüber. „Unsere Kollegen trennen diese & unterbinden so ein Aufeinandertreffen“, teilte die Polizei per Twitter mit.
Nach Angaben einer dpa-Reporterin vor Ort zogen am Samstagabend mehrere Hundert Menschen in kleinen Gruppen von der Fleischergasse Richtung Markt in Leipzigs Innenstadt. Masken seien von den Menschen in den Gruppen nur sporadisch getragen worden. Die Polizei kesselte diese Teilnehmer einer Spontanversammlung demnach zunächst ein.
Schließlich habe die Polizei die Gegner der Corona-Politik in kleinen Gruppen abziehen lassen. Da es in den angrenzenden Straßen Ansammlungen von Gegenprotestlern gegeben habe, habe die Polizei schließlich einen Weg bereitet, sagte ein Polizeisprecher dazu.

Protest in Leipzig: Polizisten kesseln Antifa-Demo ein

In kleinen Gruppen hätten die Menschen dann über den Markt zum Bahnhof abziehen können. Linke-Abgeordnete kritisierten bei Twitter, dass dabei nicht deren Identität festgestellt worden sei. Der Polizeisprecher sagte dagegen, es habe Identitätsfeststellungen gegeben.
Nach Beobachtung einer dpa-Reporterin vor Ort zog am Nachmittag unter anderem eine spontane Antifa-Demonstration mit etwa 200 Teilnehmern durch die Innenstadt. Eine andere Versammlung des linken Lagers nahe der Thomaskirche sei wenig später von der Polizei eingekesselt worden.
Eine Teilnehmerin einer linken Demonstration hält auf dem Augustusplatz in Leipzig ein Schild mit der Aufschrift "Mit Nazis geht man nicht spazieren". Das Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" hatte zu Gegen-Demos gegen die Corona-Kritiker aufgerufen.
Eine Teilnehmerin einer linken Demonstration hält auf dem Augustusplatz in Leipzig ein Schild mit der Aufschrift „Mit Nazis geht man nicht spazieren“. Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ hatte zu Gegen-Demos gegen die Corona-Kritiker aufgerufen.
© Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild
„Unser Ziel muss jetzt sein, gewalttätige Auseinandersetzungen zu verhindern“, sagte ein Polizeisprecher, wie in einem Video der Leipziger Volkszeitung zu sehen war. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sprach von einem Katz-und-Maus-Spiel.

Leipzigs Oberbürgermeister: Rechtsextreme zu Demo angereist

Es gebe eine angespannte Situation, die die Polizei aber gut im Griff habe, sagte der SPD-Politiker. „Wir haben die Chance, dass es ruhig bleibt.“ Er sprach zugleich von einer ganz anderen Situation als bei der Leipziger Querdenken-Demonstration von vor zwei Wochen. Die Strategie zwischen Polizei und Versammlungsbehörde nannte Jung gut abgestimmt.
Zu der am Nachmittag abgesagten Kundgebung der Corona-Maßnahmen-Gegner gab es nach Angaben von Oberbürgermeister Jung auch Anreisen aus Thüringen. Am Hauptbahnhof Leipzig hätten sich mehrere Rechtsextremisten versammelt, darunter Hooligans und Anhänger von Kameradschaften. Die Hälfte sei wieder abgereist.
Der sächsische Verfassungsschutz hatte zuvor berichtet, dass sowohl im rechts- als auch linksextremistischen Lager mobilisiert werde.

Leipzig: Gegendemonstranten sprechen von friedlichem Protest

Bis zu 4000 Menschen haben nach Veranstalterangaben friedlich gegen Proteste von Gegnern der Corona-Maßnahmen demonstriert. Aufgerufen hatte dazu das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“, das an drei zentralen Orten der Stadt Kundgebungen angemeldet hatte. Die Polizei machte zunächst keine Angaben zur Teilnehmerzahl der Gegendemos.
Eine Kundgebung von Kritikern der Corona-Maßnahmen in Leipzig war am Samstagnachmittag, 21. November, abgesagt worden. In der Innenstadt kam es danach zu den Aufeinandertreffen gegensätzlicher Lager. „Unsere Einsatzkräfte trennen die Personengruppen“, hieß es von der Polizei.
Aufgrund verschiedener Auseinandersetzungen im Innenstadtbereich komme es zu temporären Straßensperrungen im Zentrum von Leipzig. „Aktuell ist die Lage sehr dynamisch“, teilte die Polizei auf Twitter mit.
Die angemeldete Kundgebung von Kritikern der Corona-Politik wurde abgesagt, obwohl schon Hunderte Menschen am Ort waren. Parallel beteiligten sich zahlreiche Menschen in der Innenstadt an den Gegenprotesten gegen die ursprünglich geplante Kundgebung.

Corona-Protest Leipzig: Anmelder wollte ohne Maske protestieren

Der Versammlungsleiter der Querdenken-Demo habe die Anmeldung zurückgezogen, teilte die Polizei mit. Hintergrund sei „das unvollständige Attest zur Maskenbefreiung des Versammlungsanmelders, das von der Versammlungsbehörde so nicht akzeptiert wurde“. Darüber informierte auch die Leipziger Stadtverwaltung auf Twitter.
Alle Personen, die an der Versammlung auf dem Kurt-Masur-Platz teilnehmen wollten, wurden von der Polizei aufgefordert, den Bereich zu verlassen. Die Polizei hatte zuvor bereits den Zugang abgeriegelt, weil der Platz mit 500 Personen seine Maximalkapazität erreicht hatte.

Polizei in Leipzig: Räumpanzer und Hubschrauber-Einsatz

Die Polizei war mit einem Großaufgebot aus mehreren Bundesländern im Einsatz, sie brachte Wasserwerfer und Räumpanzer in Stellung. Am frühen Nachmittag kreiste auch ein Polizeihubschrauber über der Stadt. Zudem setzten die Beamten Sperrgitter ein, um die Versammlungen voneinander zu trennen.
Zu Gegenprotesten kamen mehrere Hundert Menschen auf dem Augustusplatz zusammen - teils mit Musik und Tanz. Aufgerufen hatte das Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz, das an drei zentralen Orten der Stadt Kundgebungen angemeldet hatte.
Die Gegner der Corona-Politik hatten ihre Versammlung für 250 Teilnehmer angemeldet – unter dem Motto „Das Leben nach Corona“. Gut zwei Stunden nach dem angemeldeten Beginn füllte sich der Platz, und die Polizei riegelte den Zugang ab. Die Polizei hatte den Platz mit Gittern abgesperrt und kontrollierte den Zugang streng. Eingelassen wurde nur, wer eine Maske trug oder ein Attest vorweisen konnte.
Corona-Protest in Leipzig Wie die Querdenker die Regeln brechen

Leipzig

Am Samtag, 7. November 2020, hatte eine große, teils chaotische Querdenken-Demonstration in Leipzig für Ärger und heftige politische Debatten gesorgt. Mindestens 20.000 Menschen aus der gesamten Bundesrepublik waren nach Leipzig gekommen, um gegen die Corona-Einschränkungen zu protestieren. Kaum jemand hielt sich an die Maskenpflicht.
Die Stadt Leipzig löste die Kundgebung auf. Danach erzwangen die Menschen einen Gang über den Leipziger Ring, der ihnen auch gerichtlich untersagt war. Die Polizei versuchte erst, sie zu stoppen, ließ sie aber schließlich ziehen. An Polizeisperren gab es Rangeleien, es flog Pyrotechnik. Zudem waren Reporter laut Journalistengewerkschaft attackiert und bei der Arbeit behindert worden.
Insgesamt waren am Samstag, 21. November, acht Versammlungen an verschiedenen Orten in Leipzig angekündigt gewesen - fünf davon im Zusammenhang mit Kritik an der aktuellen Corona-Politik und Gegenprotesten. Derzeit sind in Sachsen wegen der Corona-Lage nur maximal 1000 Teilnehmer pro Kundgebung erlaubt.
Gegner der Corona-Maßnahmen kamen auch in Bochum, Göppingen und Pforzheim zu Demonstrationen zusammen, weitere Proteste waren in Hannover und Berlin geplant.