Babyleiche in Leipzig: Toter Säugling in Babyklappe - mutmaßliche Mutter meldet sich

Blick auf die Babyklappe „Babynest“ am Klinikum St. Georg in Leipzig: Dort ist ein toter Säugling entdeckt worden. Nun gibt es Neues zum Fall.
Jan Woitas/dpa- Leipzig: Toter Säugling am 27.02.2026 in Babyklappe St. Georg gefunden.
- Polizei leitet Todesermittlung ein; Zeug*innen zu fehlendem Baby gesucht.
- Staatsanwaltschaft: Baby wohl schon tot abgelegt; keine äußere Gewalt.
- Klappe seit 2004, einzige in Leipzig; ca. 30 Kinder, erstmals ein Todesfall.
- Debatte: Kritik an Babyklappen; Alternative „vertrauliche Geburt“ seit 2014.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenige Tage nach dem Fund eines toten Säuglings in einer Babyklappe in Leipzig hat sich die mutmaßliche Mutter des Kindes gemeldet. Gegen die 39-Jährige wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts des Totschlags eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Ein Haftbefehl sei derzeit aber noch nicht beantragt worden. Die Ermittlungen zur Todesursache und den Todesumständen des Säuglings dauern an.
Der tote Junge war am 27. Februar in der Babyklappe des Klinikums St. Georg gefunden worden. Die Polizei hatte daraufhin die Bevölkerung um Mithilfe gebeten.
Nach ersten Erkenntnissen war der Säugling bereits tot gewesen, als er abgelegt wurde, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig auf Anfrage gesagt hatte. Es habe keine Hinweise auf sichtbare äußere Gewaltanwendungen gegeben. Ob der Junge lebend geboren worden sei, müssten weitere Untersuchungen ergeben, hieß es.
Die Babyklappe am St. Georg Klinikum ist nach Angaben einer Sprecherin die einzige in Leipzig und wurde 2004 eingerichtet. Seitdem seien dort etwa 30 Kinder abgelegt worden. „Es ist aber in meiner Erinnerung das erste Mal, dass ein totes Baby gefunden wurde“, betonte die Sprecherin.
Klinikum: Innerhalb weniger Minuten Ärzte und Pfleger aktiviert
Babyklappen ermöglichen es Menschen in Notsituationen, ihr Neugeborenes anonym in medizinische Versorgung zu geben. Nach Angaben der Klinikumssprecherin wird bei der Nutzung der Klappe ein Alarm aktiviert, der sofort einen Notfall auslöst. „Innerhalb weniger Minuten ist eine medizinische Person da und kümmert sich um den Säugling.“
Die Babyklappe wird zudem im Inneren per Video überwacht. Die Person, die den Säugling ablegt, wird aber nicht aufgenommen. Zudem ist die Klappe mit einem Wärmebettchen ausgestattet und es liegen Identifikationskarten in mehreren Sprachen aus. Diese helfen, wenn sich die Mutter doch noch für das Kind entscheidet.
So ist der Ablauf, wenn ein Säugling in die Babyklappe gelegt wird
In Deutschland gibt es etwa 100 Babyklappen; die erste steht seit April 2000 neben einer Kindertagesstätte in Hamburg-Altona vom privaten Kitaträger „Sternipark“. Es gehe darum, Leben zu retten, hatte die Geschäftsführerin Leila Moysich im Jahr 2025 zum Jubiläum gesagt. „Wenn nur eine Frau den Weg zu uns findet, statt ihr Kind auszusetzen, dann hat sich unsere Arbeit schon gelohnt.“
Nach dem Auffinden und der medizinischen Versorgung des Säuglings wird das Baby bis zu acht Wochen von Pflegeeltern betreut. Meldet sich die Mutter bis dahin nicht, wird das Kind in Adoptionspflege gegeben. Eine Adoption ist dann frühestens nach einem Jahr mit Genehmigung des Gerichts möglich; die Mutter oder der Vater haben bis dahin die Möglichkeit, das Kind zu sich zurückzunehmen.
Kinderschutzbund kritisiert Babyklappen
Babyklappen sind allerdings umstritten. Der Ethikrat hatte in der Vergangenheit eine Schließung der Babyklappen empfohlen. Die Angebote anonymer Kindesabgabe seien ethisch und rechtlich sehr problematisch, insbesondere weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzten, hieß es in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2009. Vielmehr sollten die bestehenden legalen Hilfsangebote der freien Träger und staatlichen Stellen der Kinder- und Jugendhilfe und der Hilfe für Schwangere und Mütter in Not- und Konfliktlagen verstärkt werden.
Auch der Kinderschutzbund äußerte sich nun erneut kritisch. „Zu wissen: ‚Wo komme ich her?‘, das ist ein ganz wichtiger Wunsch von Kindern. Das zu respektieren ist wichtig“, sagte Daniel Grein, Geschäftsführer vom Kinderschutzbund. Und auch für die komplexe Situation von Müttern in Not sieht er die Babyklappe nicht als passende Lösung.
Seit 2014 gibt es auch die Möglichkeit der „vertraulichen Geburt“, hieß es weiter. Mütter können so anonym im Krankenhaus entbinden und ihre persönlichen Daten in einem Umschlag hinterlassen. Im Regelfall kann das Kind diese Daten nach seinem 16. Geburtstag einsehen, wenn es das möchte. „Die Politik sollte die vertrauliche Geburt stärker bewerben - dann wären Babyklappen überflüssig“, betonte Grein.

