Union Berlin: Warum Bo Svensson in Längenfeld wie ein Zweitligist trainieren muss

Union Berlin im Trainingslager: Bo Svensson und das Team bereiten sich ab Samstag in Längenfeld (Tirol) auf die Bundesliga-Saison 2024/25 vor.
Matthias Koch, Imago/Oliver BehrendtDer 1. FC Union Berlin düst am Samstag für eine Woche nach Österreich. In Längenfeld in Tirol bereitet der neue Coach Bo Svensson die Eisernen auf die Saison 2024/25 in der Fußball-Bundesliga vor.
Längenfeld im Tiroler Ötztal kennt der FCU bereits aus dem Jahr 2021, als der Tross aus Berlin-Köpenick ebenfalls im Hotel Aqua Dom wohnte. Und doch ist diesmal sowohl in puncto Zeitpunkt als auch Länge des Trainingslagers alles anders. Es dauert nur bis zum nächsten Freitag und damit eine knappe Woche. Üblich sind mindestens zehn Tage. Außerdem findet das Trainingslager viel früher als gewohnt statt.
Kurios: Union Berlin reist zwar als Erstligist nach Längenfeld, trainiert dort aber zu einem Zeitpunkt, wo normalerweise die Zweitligisten unterwegs sind. Denn die 2. Liga startet bereits am ersten August-Wochenende, also drei Wochen vor der Bundesliga. Die Zweitligisten Fortuna Düsseldorf (Bad Leonfelden), Karlsruher SC (Neukirchen), SC Paderborn (Walchsee), SpVgg Greuther Fürth (Bad Häring) und FC Schalke 04 (Mittersiel) sind derzeit ebenfalls in Österreich im Trainingslager. Erstligisten? Fehlanzeige!
Was steckt hinter dem extrem frühen Termin? Immerhin fahren die Eisernen als einziger Bundesligist schon jetzt ins Trainingslager. Im Verein hält man sich zu den Gründen bedeckt. Und man verweist auf Ex-Trainer Nenad Bjelica, der dem Vernehmen nach diese Planung verantwortet. „Das erste Trainingslager liegt in der Tat recht früh“, hatte Sportchef Horst Heldt in seiner ersten Pressekonferenz betont: „Aber diese Planungen wurden vor unserem Amtsantritt entschieden.“ Deshalb gibt es vom 28. Juli bis 3. August noch ein zweites Trainingslager. Es findet in Neuruppin statt.
Schon jetzt ist klar: In Längenfeld muss Bo Svensson nicht nur zu einem Zweitliga-Termin das Trainingslager abhalten, sondern auch auf eine Reihe von Spielern verzichten. Von den insgesamt sieben EM-Fahrern der Eisernen ist nur Tymoteusz Puchacz dabei. Frederik Rönnow, Josip Juranovic, Neuzugang Laszlo Benes und Andras Schäfer sind erst für den 23. Juli eingeplant. Neuzugang Leopold Querfeld und Torwarttrainer Michael Gspurning dürften noch später dazustoßen, weil sie mit Österreich im EM-Turnier am weitesten kamen.
Dazu kommen weitere offene Personalien im Team. Robin Gosens gilt als Verkaufskandidat. Danilho Doekhi und Dieogo Leite stehen ebenfalls im Fokus anderer Clubs. „Ich konzentriere mich auf die Jungs, die hier sind. Keine Mannschaft ist zum jetzigen Zeitpunkt schon fertig“, erklärte Bo Svensson.
Union Berlin: Große Sorgen bei den Torhütern
Vor allem auf der Torwart-Position gibt es angesichts dieser Umstände große Personalsorgen. Frederik Rönnow ist noch im Urlaub und sein Vertreter Alexander Schwolow verletzt. Schwolow zog sich beim 4:0-Testspielsieg gegen Chemie Leipzig eine Verletzung an der linken Wade zu. Trainieren konnten deshalb zuletzt nur Yannik Stein (19 Jahre) sowie die Youngsters Jaden Rodtnick (18) aus der U19 und Tom Wisbereit (16) ebenfalls aus der U19. Aber auch Stein ist angeschlagen.
Deshalb erwägt Union die Verpflichtung eines weiteren Keepers, damit im Trainingslager zumindest halbwegs vernünftig gearbeitet werden kann. Am Donnerstag trainierte Carl Klaus erstmals mit dem Team. Der 30 Jahre alte Torhüter war zuletzt Nummer eins beim 1. FC Nürnberg, erhielt aber keinen neuen Vertrag.
Dazu passt auch, dass Bo Svensson in Längenfeld noch nicht die ganz harte Linie in der Vorbereitung fahren wird. An drei Tagen wird nur am Vormittag trainiert. Dazu kommt ein Testspiel am Donnerstag gegen Dynamo Kiew (17 Uhr). Die Partie findet in Kematen in der Nähe von Innsbruck statt. Keine Frage – dort wollen die Eisernen natürlich wie ein Erstligist auftreten. Denn das sind sie ja auch.
Union Berlin – Kader Saison 2024/25
- Tor: Frederik Rönnow, Alexander Schwolow, Yannic Stein, Karl Claus
- Abwehr: Leopold Querfeld, Kevin Vogt, Paul Jaeckel, Diogo Leite, Danilho Doekhi, Robin Gosens, Josip Juranovic, Jerome Roussillon, Christopher Trimmel
- Mittelfeld: Laszlo Benes, Rani Khedira, Andras Schäfer, Janik Haberer, Tim Skarke, Lucas Tousart, Alex Kral, Aljoscha Kemlein
- Angriff: David Preu, Yorbe Vertessen, Ivan Prtajin, Kevin Volland, Chris Bedia, Benedict Hollerbach, Jordan Siebatcheu


