Rad-Jubiläum SC Cottbus
: Die Olympiasieger starten im Vierbettzimmer

Vor 50 Jahren wurde in der Lausitz der Grundstein für den Spitzenradsport gelegt wurde. Im Herbst 1969 kam zum Sportclub Cottbus ­– neben Leichtathletik, Turnen und Boxen – auch die Sektion Radsport hinzu. Die RUNDSCHAU blickt auf die Anfänge zurück. Heute: 15 Lausitzer Talente ziehen in die Cottbuser „Sperlingslust“ ein.
Von
Christian Taubert
Cottbus
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  • Christian Taubert – Autor dieses Textes – von Lok Lübben gehörte zu den 15 Erstlingen, die 1969 in das heutige Stadthaus einzogen.

    Christian Taubert – Autor dieses Textes – von Lok Lübben gehörte zu den 15 Erstlingen, die 1969 in das heutige Stadthaus einzogen.

    SC Cottbus
  • Wolfgang Rengert wurde 1970 von Lok Guben zum SCC delegiert.

    Wolfgang Rengert wurde 1970 von Lok Guben zum SCC delegiert.

    SC Cottbus
  • Im heutigen Stadthaus begann 1969 die Radsport-Erfolgsgeschichte des SC Cottbus.

    Im heutigen Stadthaus begann 1969 die Radsport-Erfolgsgeschichte des SC Cottbus.

    SC Cottbus
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September 1969: Es waren Provisorien, in denen vor 50 Jahren Leistungssport in Cottbus betrieben wurde. Die Leitung und Verwaltung des 1963 gegründeten SC Cottbus mit Leichtathleten, Boxern und Turnern hatte in der Bahnhofstraße ihr Domizil. Der imposante Klinkerbau aus dem Jahre 1913 beherbergte aber auch Küche, Essenraum und Duschkauen.

Sportmediziner in Baracken

Die Meister-Boxer Werner Kirsch und Klaus Radnick trainierten dort in der knapp bemessenen Halle im ersten Obergeschoss – dem heutigen Sitzungssaal der Stadtverordneten. Die Sportmedizin war in Baracken nahe der Radrennbahn untergebracht. Das Radoval selbst glich in den Kurven einer leicht überhöhten Landstraße. Von Sportinternat, SCC-Hochhaus mit medizinischer Abteilung oder neuer Rennbahn an der Straße der Jugend war nichts zu sehen.

Dennoch zogen 15 Nachwuchs-Renner aus Bad Liebenwerda, Annahütte, Lauchhammer, Forst, Cottbus, Herzberg, Guben, Hoyerswerda oder Lübben in die Bezirksstadt. Peter Adelmeyer, Göran Beier, Dieter Claus, Bernd Drogan, Hans-Joachim Hartnick, Wolfgang Jahn, Michael Jelitto, Horst Karrasch, Fred Kämmler, Joachim Kreuz, Frank Lukas, Rolf Nagel, Ulrich Schorten, Detlef Stegk und Christian Taubert nahmen in der Bahnhofstraße unterm Dach Quartier. Niemand störte sich an Vierbettzimmern. Man kannte sich von den Radrennen an fast jedem Wochenende, von Spartakiaden, die bereits zu ersten medaillienträchtigen Höhepunkten wurden.

Anfänge in der „Sperlingslust“

Die 14- bis 16-Jährigen besuchten von der „Sperlingslust“ aus verschiedene Schulen der Stadt, gingen an die Erweiterte Oberschule und zur Lehre ins RAW, ins Tiefbaukombinat oder zur Stadtwirtschaft Cottbus. Training richtete sich nach dem Schul-Ende. Wer später von der Lehre oder der EOS kam, musste selbstständig hinterherfahren.

Was den jungen Rennern versprochen worden war, ging im Jahre 1971 in Erfüllung. Direkt an der Radrennbahn entstand ein moderner zweistöckiger Plattenbau mit Zweibettzimmern – das Radsportinternat. Zu den 15 Erstlingen aus der Bahnhofstraße gesellte sich der zweite Jahrgang junger Radsport-Talente, darunter die späteren Asse Lothar Thoms und Volker Winkler.

Heute ist das markante Backstein-Gebäude in der Cottbuser Bahnhofstraße das Stadthaus, hier beraten die Stadtverordneten. Als im September 1969 insgesamt 15 junge Radsportler aus dem Bezirk Cottbus in der Bahnhofstraße einzogen, dominierte hier der Sport. Die Leitung und Verwaltung des SCC hatte hier ebenso ihren Sitz wie die Küche oder die Trainingshalle der Boxer.

Jetzt gingen hier die Großen und die Kleinen ein und aus. Denn während Leichtathleten wie Mittelstrecklerin Gunhild Hoffmeister, 400-m-Hürdenspezalist Christian Rudolph, Hochspringerin Rosemarie Ackermann oder Kugelstoßer Uwe Grabe Olympia 1972 in München im Visier hatten, ging es für den Radportnachwuchs um Medaillen bei der DDR-Kinder- und Jugendspartakiade.

Lob von Hoffmeister

Allein der aus Lübben kommende Christian Taubert gewann fünf Medaillen: Gold (3000 m, Vierer Bahn und Straße), Silber (Straße Einzel) und Bronze (Sprint). Er wurde erfolgreichster Radsportler dieser DDR-Spartakiade. Aber auch Hans-Joachim Hartnick, Detlef Stegk, Göran Beier oder Peter Adelmeyer kehrten Medaillen-geschmückt in die Lausitz zurück. Das Miteinander von Großen und Kleinen hatte angestachelt. Ein anerkennendes „starke Leistung“ von Gunhild Hoffmeister am Mittagstisch konnte beflügeln. Sie selbst kehrte von Olympia in München 1972 mit zwei Medaillen zurück.

Im Radsport dauerte es nur noch zwei Jahre, dass aus Spartakiade-Medaillen WM-Bronze für Hans-Joachim Hartnick (1974/Vierer Straße) wurde. In Montreal 1976 sprang Rosemarie Ackermann – die spätere erste Zwei-Meter-Springerin der Weit – zu Olympiagold. Danach wurden beim SC Cottbus aus den Kleinen ganz Große. Denn ab 1977 heimsten SCC-Radsporter Jahr für Jahr WM-Titel ein. Spätestens bei Olympia 1980 hatten die Kleinen den Großen den Rang abgelaufen. Lutz Heßlich und Lothar Thoms errangen in Moskau Gold. Silber gab es für Volker Winkler, Bernd Drogan und Hans-Joachim Hartnick.

An diesen Freitag (15. November) gibt es die Jubiläumsfeier 50 Jahre Radsport beim RSC Cottbus: im Cottbuser Stadthaus, wo einst die überaus erfolgreiche SCC/RSC-Radsportgeschichte begann. Erste Kapitel einer fortgeschriebenen Chronik werden dabei präsentiert. Die RUNDSCHAU veröffentlicht einige Episoden vorab.

Die 15 Erstlinge beim SC Cottbus

Peter Adelmeyer (Aktivist Plessa)

Göran Beyer (Chemie Annahütte)

Dieter Claus (Aktivist Lauchhamer)

Bernd Drogan (Lok Forst)

Hans-Joachim Hartnick (Chemie Annahütte)

Wolfgang Jahn (Lok Lübben)

Michael Jelitto (Lok Falkenberg)

Fred Kämmler (Lok Guben)

Horst Karrasch (Aktivist Plessa)

Joachim Kreuz (Aktivist Schwarze Pumpe)

Frank Lukas (Chemie Annahütte)

Rolf Nagel (Aktivist Schwarze Pumpe)

Ulrich Schorten (Lok Lübben)

Detlef Stegk (Lok Lübben)

Christian Taubert (Lok Lübben)