Pyro in der 3. Liga: Hilft dieser Plan Energie Cottbus oder Dynamo Dresden?


Pyrotechnik gehört inzwischen zu den gängigen Fan-Utensilien – hier beim Fanmarsch von Dynamo Dresden vor dem Pokalspiel gegen Darmstadt. Die Feuerwerke im Stadion während der Spiele in der 3. Liga werden für die Vereine aber immer mehr zur Belastung.
Robert Michael/dpaDer massive Einsatz von Pyrotechnik von Fans in Fußballstadien bleibt in der 3. Liga auch in der Saison 2024/25 ein großes Streitthema. Die Vereine leiden unter den Strafen des Deutschen Fußball-Bundes. Energie Cottbus musste bisher bereits 23.000 Euro in dieser Saison bezahlen – es steht noch das Urteil für die Vorfälle im Spiel beim FC Erzgebirge Aue aus. Dort waren massiv Leuchtfeuer im Cottbuser Gästeblock entzündet worden. Zudem flog eine Leuchtspurrakete in Richtung Zuschauertribüne – nur durch Glück gab es keine Verletzte.
Präsident Sebastian Lemke sagte dazu: „Dieser immer wiederkehrende massive Pyro-Einsatz ist absolut inakzeptabel. Es bringt einen für uns als Verein immensen finanziellen Schaden mit sich.“
Bei Dynamo Dresden stehen aktuell schon 35.250 Euro Strafe auf dem Bußgeldzettel. Die Sachsen dürfen auch mit der nächsten großen Zahlungsaufforderung des DFB rechnen. Die Leuchtshow im Dresdner K-Block beim DFB-Pokalspiel gegen den SV Darmstadt dürfte richtig teuer werden. Pro entzündeter Fackel werden in der 3. Liga 350 Euro kassiert. Abgefeuerte Raketen und Spielunterbrechungen kosten extra.
Bei Dynamo werden auch Lösungen gesucht. Gegenüber Tag24 erklärte der Verein: „Wie nach jedem Spieltag üblich, steht der Verein zur Auswertung des Spieltages mit den Sicherheitsinstitutionen, Ordnungsdienst sowie Partnern, die einen Spieltag mit begleiten und ermöglichen im Austausch. Hierbei finden auch Sensibilisierungsmaßnahmen, beispielsweise für die Themen Einlasskontrollen, statt. Durch die Auswertung der Spieltage und dem gemeinsamen Austausch lassen sich Optimierungspotenziale für zukünftige Spieltage erschließen.“
In „Doppelsechs – der Energie-Cottbus-Podcast“ haben die beiden Hosts Frank Noack und Jan Lehmann über einen Fünf-Punkte-Plan zur Pyro-Debatte gesprochen. Daraufhin gab es einige Anregungen von Hörerinnen und Hörern sowie die Bitte, diesen Plan auch noch einmal detailliert zu veröffentlichen.
Hier sind die Diskussionspunkte, die zu einem möglichen Pyro-Kompromiss beitragen könnten. Sie zielen vor allem darauf ab, die Verursacher in den Blöcken einerseits mehr in die Pflicht zu nehmen und sie andererseits auch in eine konstruktive Diskussion besser einzubeziehen. Übrigens: Auch aufgrund der Anmerkungen von Hörerinnen und Hörern ist es inzwischen ein Sieben-Punkte-Plan geworden.
Punkt 1 – Gemeinsame Schmerzen
Dort, wo die Fackeln und Leuchtfeuer gezündet werden, wird meist auch über die Liebe zum Verein gesungen und darüber, dass der Club über allen stehe. Die logische Schlussfolgerung daraus sollte eigentlich sein: All jene, die das singen und aus dieser Motivation offenbar auch Pyro zünden, sollten Mitglieder in ihren Vereinen werden.
Damit sie dann bei den jährlichen Mitgliederversammlungen auch mitdiskutieren können, wenn die wirtschaftlichen Bilanzen erörtert werden: Wenn einerseits aus finanziellen Gründen vielleicht Streichungen in der Nachwuchsarbeit erwogen werden oder andererseits die hohen Strafzahlungen an den DFB für deutlichen Unmut sorgen. Und wenn der eigene Mitgliedsbeitrag im wahrsten Sinne des Wortes verbrannt worden ist.
Fazit: Wer den Verein wirklich liebt, sollte Mitglied sein. Dann spürt man auch die Schmerzen, die das Fehlverhalten einzelner Fans bei allen im Verein auslösen.
Punkt 2 – Übernahme der Kosten
Wer die Strafen verursacht, sollte auch dafür geradestehen und den Schaden begleichen – schließlich gehören in den Ultra-Gruppierungen große Worte wie „Ehre“, „Familie“ und „Respekt“ zum gängigen Sprachgebrauch. Die Fan-Gruppierungen bekommen meist von den Vereinen vergünstigte Kartenkontingente, auch für die Auswärtsspiele. Wenn dort jeder Anhänger einen zusätzlichen Pyro-Taler bezahlt, könnte damit ein Teil der Strafzahlungen abgegolten sein.
Fazit: Wer Pyro so wichtig findet, dass er sie vorab kauft und dann mit ins Stadion schmuggelt, dem sollten auch die Straf-Kosten nicht zu hoch sein.
Punkt 3 – Fleiß und Kreativität
Um die restlichen Finanzlöcher zu stopfen, die aus den Strafzahlungen resultieren, könnten die Pyro-Verantwortlichen auch andere Einnahmen generieren. Egal ob Kuchenbasar, Flohmarkt oder Erntehilfe – es sind genauso viel Kreativität und Fleiß wie bei der Entwicklung der aufwändigen Choreografien gefragt, um das nötige Geld einzusammeln.
Garantiert spielen ja auch die zahlreichen Youtube-Videos oder Tiktok-Reels von den Pyro-Szenen aus den Stadien genügend Werbegeld ein. Das stecken sich derzeit allerdings offensichtlich nur einzelne Content-Produzenten ein – die Vereine gehen leer aus.
Fazit: Mit gemeinsamer Arbeit würden die Pyro-Fans deutlich machen, wie sehr sie wirklich für dieses Thema brennen.
Punkt 4 – Spenden von Pyro-Freunden
Die Pyro-Fans stehen ja nicht nur im Block. In der hitzigen Debatte um die Fackeln beim Fußball gibt es inzwischen auch viele Befürworter, die selbst lieber auf den Sitzplätzen oder vor dem TV die Spiele beobachten. Wenn denen tatsächlich das Feuerwerk im Stadion gefällt, haben sie sicher nichts dagegen, auch ihren Teil zur Strafzahlung beizutragen.
Statt der inzwischen üblichen Choreo-Spenden, die von den Fan-Gruppierungen nach den Spielen eingesammelt werden, sollte es Pyro-Spenden geben. Wohlgemerkt: Nicht für die Beschaffung von neuem Feuerwerk, sondern für die Begleichung der Strafen – und direkt an den Verein.
Fazit: Wer Pyro-Games gut findet, ist sicher auch bereit, dafür zu zahlen.
Punkt 5 – Bessere Kommunikation
Es ist nie richtig klar: Wird heute gezündet – oder nicht? Wer selbst nicht mit im Pyro-Qualm stehen will, hat vor allem auswärts als Fan kaum eine Chance. Würden die Ultra-Gruppierungen ihre Vorhaben zumindest innerhalb der Fanszene besser kommunizieren, so könnten beispielsweise Asthmatiker oder anders gesundheitlich beeinträchtigte Fans versuchen, Abstand von jenen Gruppierungen zu nehmen und bestenfalls das Spiel aus einem anderen Block verfolgen. Dass nach Pyro-Einsätzen manchmal auch noch die Polizei die Personalien aller Personen im Block aufnimmt, kommt als Belastung hinzu.
Fazit: Wer Akzeptanz für Fan-Kultur fordert, der sollte selbst auch akzeptieren, dass es nicht jedem Fußballfan gut geht, wenn im Stadion gezündet wird. Diese sollten die Chance bekommen, sich davon zu distanzieren.
Punkt 6 – Gesundheit hat Vorrang
Es ist und bleibt gefährlich: Die Fackeln werden mehrere hundert Grad heiß, die Rauchtöpfe sorgen für schädlichen Qualm, die Böller beschädigen Trommelfelle. Es sollte für die Fan-Gruppierungen eigentlich eine Frage der Ehre sein, dafür zu sorgen, dass ausgerechnet diejenigen, mit denen sie das Stadionerlebnis teilen, nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.
Es geht darum, Grundregeln für den Einsatz von Pyro zu entwickeln, mit denen man selbst beim DFB in eine konstruktive Diskussion gehen könnte. Schadstoffarme Erzeugnisse, weniger heiße Fackeln, Sicherheitsabstände in den Blöcken, Pyro-Verantwortliche mit Lizenz, Feuerlöscher in den Blöcken oder klare Pyro-Zonen – da ist vieles denkbar und auch schon diskutiert worden.
Fazit: Es sind viele Sachen bisher angedacht worden. Aber in der Umsetzung bedarf es der aktiven Mitarbeit der Fan-Gruppierungen.
Punkt 7 – Debatte statt Strafen
Natürlich müssen auch der Verband und die Vereine ihre Beiträge zu einem möglichen Pyro-Kompromiss bringen. Dass der DFB aktuell nur Strafen kassiert und damit die Verbandskasse füllt, ist schlichtweg zu wenig. Und dass die Vereine es nicht hinbekommen, mit ihren Fanszenen verbindliche Absprachen auszuhandeln, ist ernüchternd. Gleichermaßen ist es nicht nachvollziehbar, dass die Verursacher nicht auch dingfest gemacht werden können. Empfindliche Strafen für einzelne Pyro-Entzünder wären sicher als Abschreckung hilfreich.
Allerdings: Für ernsthafte Gespräche bedarf es keiner Drohszenarien und teurer Strafen. Vielmehr die grundsätzliche Debatte darüber: Wie soll das gemeinsame Stadionerlebnis aussehen und wie kann das ausgestaltet werden, ohne die Gesundheit oder das Wohlbefinden anderer Zuschauer zu beeinträchtigen? Am besten würde diese Debatte im Kreise der Mitgliederversammlungen der Verein ausgetragen werden – womit wir wieder bei Punkt eins wären.
Fazit: Wer ernsthaft an einer Lösung des Problems interessiert ist, beschäftigt sich intensiv mit den Argumenten der Gegenseite und verhandelt Kompromisse. Wer weiter nur zündeln oder Strafgelder kassieren will, verstößt gegen das wohl wichtigste Gebot im Fußballsport: Fair play!
Umfrage zum Einsatz von Pyro-Technik im Stadion
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