Nach Ausschreitungen bei Magdeburg gegen Dresden: Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes

Beim Spiel des 1. FC Magdeburg gegen Dynamo Dresden am vergangenen Samstagabend kam es zu heftigen Ausschreitungen.
Andreas Gora/dpaNach dem Gewaltausbruch am Rande des Zweitligaspiels zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden am Wochenende ermittelt die Polizei in drei Fällen wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Einsatzkräfte wurden nach Angaben eines Polizeisprechers unter anderem mit Steinen, Absperrgittern, Mülltonnen, Stühlen, Toiletten, Gehwegplatten und einem Gullydeckel beworfen. Zudem erhöhte die Polizeiinspektion Magdeburg die Zahl der Verletzten von 64 auf 70 Beamte. 17 Polizisten mussten ambulant im Krankenhaus behandelt werden.
Polizei geht von gezielter Konfrontation aus
Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass die Eskalation gezielt gesucht wurde. Am Vorabend des Fußballspiels hatten sich nach Polizeiangaben rund 90 Anhänger aus Dresden mit 50 Anhängern aus Magdeburg im benachbarten Schönebeck zu einer körperlichen Auseinandersetzung verabredet. Der Polizei sei es jedoch gelungen, das Aufeinandertreffen und auch weitere Treffen zu verhindern. Da am Spieltag dann im Heimbereich eine abgeklebte Sicherheitskamera durch die Polizei festgestellt wurde, gehen die Ermittler davon aus, dass die Konfrontation zwischen den beiden Fanlagern während oder nach dem Spiel gezielt gesucht werden sollte.
Insgesamt waren am Spieltag rund 600 Polizisten im Einsatz. Der Großteil von ihnen stammt aus Sachsen-Anhalt, aber auch aus Brandenburg und Sachsen. Dresden hatte das Ostderby mit 2:1 gewonnen.
Polizeigewerkschaft: Geisterspiele in Magdeburg überdenken
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert, dass nach den schweren Ausschreitungen beim Fußballspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden am Wochenende Geisterspiele bis zum Saisonende in Magdeburg in Betracht gezogen werden. Der Schutz von Polizeikräften und unbeteiligten Dritten dürfe niemals hinter wirtschaftlichen Interessen oder Fankulissen zurückstehen, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Heiko Teggatz. „Wenn Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, müssen Spiele ohne Zuschauer stattfinden.“
Außerdem fordert die Polizeigewerkschaft, dass sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) an den Kosten von Hochrisikospielen beteiligen muss. „Hochrisikospiele dürfen nicht länger einseitig von der Allgemeinheit finanziert werden“, sagte Teggatz. „Wer mit dem Profifußball Millionen verdient, muss auch Verantwortung für die Sicherheit übernehmen.“ Anfang vergangenen Jahres hatte das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil eine Regelung aus Bremen für verfassungsgemäß erklärt, die eine Weitergabe der Kosten für zusätzlichen Polizeiaufwand an die DFL erlaubt.
