Koch aus Köpenick, die Eisern-Kolumne
: Warum Union Berlin mehr Jimmy Hoges braucht

Matze Koch beleuchtet in der Kolumne „Koch aus Köpenick“, warum im Abstiegskampf Leichtigkeit auf dem Rasen und auf den Rängen gefragt ist.
Von
Matthias Koch
Berlin
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Matze Koch schreibt über den 1. FC Union Berlin - in seiner Kolumne verrät er, was den Verein aus der Fußball-Bundesliga wirklich bewegt.

Matze Koch schreibt über den 1. FC Union Berlin - in seiner Kolumne verrät er, was den Verein aus der Fußball-Bundesliga wirklich bewegt.

Matthias Koch
  • Union öffnete ausnahmsweise ein Fantreffen für Medien – 150 Besucher kamen.
  • Anlass: Buchpremiere „Kindheit mit Jimmy…“ über Günter „Jimmy“ Hoge.
  • Hoge: Idol der Frühzeit, 1966 Gründungsmitglied, 1968 FDGB-Pokalsieger.
  • 1970 sechs Jahre Oberliga-Sperre – Karriereende; 2017 verstorben.
  • Appell: Mehr Leichtigkeit im Abstiegskampf; Hoffnungsträger Livan Burcu.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der 1. FC Union Berlin hat die Büchse der Pandora geöffnet. Am Dienstag durften doch tatsächlich Journalisten das traditionelle Fantreffen in der Alten Försterei besuchen. Die Fan- und Mitgliederabteilung (FuMA) wies in der Ankündigung darauf hin, dass diese Veranstaltung ausnahmsweise medienöffentlich ist.

Aber für die Buchpremiere „Kindheit mit Jimmy oder Die Kunst zu dribbeln“ von Autor Torsten Schulz drückte die FuMa die Augen zu. Es ging ja auch um Günter „Jimmy“ Hoge, eines der Idole aus der Frühzeit des Klubs. 150 Besucher strömten herbei. Und die beiden langjährigsten Union-Reporter trauten sich auch hin.

Die 102 Seiten aus dem Verlag Voland & Quist (12 Euro / ISBN: 978-3-86391-448-6) stellen beileibe kein Sachbuch dar. Dafür würde sich Schulz als Schriftsteller, Drehbuchautor und Professor für Dramaturgie an der Filmuniversität Babelsberg auch nicht hergeben. Vielmehr ist es eine Hommage an sein Jugendidol, das 1966 zu den Gründungsmitgliedern Unions und 1968 zu den FDGB-Pokalsiegern gehörte. Das Werk sei ein kurzer Roman über Kindheit unter Benutzung einer legendenhaften Fußballfigur, berichtete Schulz.

Warum Jimmy Hoge durch das Raster der DDR gefallen war

Hoge wird zum ständigen Begleiter des 20 Jahre jüngeren Schulz. Nicht nur in der Alten Försterei, wo Hoge durch seinen Offensivdrang auch den späteren Autor begeistert. Hoge hätte fast auch bei der Vermittlung einer Freundin geholfen.

Allerdings ging das am Ende doch schief, wie so einiges in der Karriere von Hoge. Alkohol und politisch unbedarfte Aussagen und Aktionen ließen ihn durchs staatliche DDR-Raster fallen. 1970 wurde er sechs Jahre für die DDR-Oberliga gesperrt, weil er in Ahrenshoop in einer Gaststätte beim WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Italien die westdeutsche Hymne mitgesungen oder zumindest mitgesummt haben soll. Die Karriere des sechsfachen DDR-Nationalspielers war damit praktisch beendet.

Die älteren Union-Fans verehren den 2017 verstorbenen Hoge vielleicht gerade trotzdem bis heute. Für Schriftsteller Schulz war er ein großes Kind, das an die Hand genommen werden musste. Die Union-Familie, speziell seine früheren Mitspieler, hat das getan. Sie holten ihn regelmäßig zu Spielen der Männer oder des Traditionsteams ab.

Parallelen mit Union-Berlin-Neuzugang Livan Burcu

Viele neue Union-Fans werden Hoge nicht kennen. Aber es gibt die Verbindungen zur Gegenwart. Als Hoge am 24. Januar 2009 in der „Freiheit 15“ in der Köpenicker Altstadt von Union für sein Lebenswerk den „Goldenen Ritter“ erhielt, trug der jetzige Union-Trainer Steffen Baumgart die Laudatio vor. Baumgart erinnerte heute nach dem Training genau wie Autor Schulz daran, dass Hoge nach einem Spiel mal zwei Taxis bestellt hat – eins für sich und eins für seine Sporttasche. Das war verrückt.

Union könnte dennoch einen Spielertyp wie Hoge heute gut gebrauchen. Ein bisschen liegen da die Hoffnungen auf Livan Burcu. Der türkische Offensivmann besitzt viel Kreativität. Aber weil er in der Defensive Defizite hat, blieb er auch bei der 1:4-Pleite gegen Werder Bremen 90 Minuten lang draußen.

Im Abstiegskampf ist Gelassenheit auf dem Platz sowie auf den Rängen und im Internet gefragt. Die Baumgart-Hater sind angesichts der wieder größeren Abstiegsgefahr zuletzt wieder deutlich mehr in den sozialen Netzwerken unterwegs.

Sie sollten vielleicht auf die Worte des Ost-Berliner Schriftstellers Schulz hören: „Wir sind auch Fahrstuhl-Fans. Die Popularität von Union wird nicht sinken, wenn wir in die 2. Liga absteigen sollten, was ich übrigens nicht glaube.“ Dafür gab es im Saal Beifall. Jimmy dürfte im Himmel mitgeklatscht haben.

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