Fußball-EM 2024
: Union Berlin drückt Michael Gspurning doppelt die Daumen

Michael Gspurning ist Torwart-Trainer bei Union Berlin und der österreichischen Nationalmannschaft. Das könnte in der Saisonvorbereitung zum Problem werden.
Von
Frank Noack
Berlin
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EURO 2024, Gruppe D, Polen — Österreich: Fussball, Herren, Saison 2023/24, Euro 2024 Gruppe D (2. Spieltag) in Berlin, Polen - Österreich, Torwarttrainer Michael Gspurning (Österreich), 21.06. 2024, Foto: Sebastian Räppold / Matthias Koch

Heimspiel in Berlin: Torwarttrainer Michael Gspurning vom 1. FC Union Berlin ist mit der österreichischen Nationalmannschaft während der Europameisterschaft im Schlosshotel Berlin-Grunewald untergebracht.

Sebastian Räppold/Matthias Koch

Beim 1. FC Union Berlin sind sie in diesen Tagen der Fußball-Europameisterschaft hin- und hergerissen. Einerseits drücken die Eisernen aus Köpenick natürlich ihrem Torwart-Trainer Michael Gspurning (41) und seinen Österreichern die Daumen. Andererseits ist klar: Wenn Österreich bei der EM 2024 weit kommt, dann wird Gspurning den Trainingsauftakt am 1. Juli und möglicherweise sogar das Trainingslager in Österreich in Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison 2024/25 verpassen.

Der FCU drückt also gleich doppelt die Daumen: Erstens, dass Gspurning mit Österreich eine gute EM spielt. Und zweitens, dass er trotzdem möglichst schnell zu seinem Club zurückkehrt. Aber ob sich das wirklich unter einen Hut bringen lässt?

1. FC Union Training 2023/24: Fussball, Herren, Saison 2023/2024, 1. Bundesliga, 1. FC Union Berlin, Trainingszentrum An der Alten Försterei, Training auf neuem Trainingsplatz an der Hämmerlinghalle, v. l. Torwart Frederik Rönnow (1. FC Union), Torwarttrainer Michael Gspurning (1. FC Union), 15.04. 2024, Foto: Matthias Koch

Michael Gspurning (rechts, hier mit Frederik Rönnow) ist seit 2017 Torwarttrainer bei Union Berlin.

Matthias Koch

Österreich gewinnt gegen Polen

Denn nach dem 3:1 (1:1)-Sieg gegen Polen am Freitagabend hat Team Austria in der Gruppe D mit drei Punkten aus zwei Spielen gute Chancen auf den Einzug in das Achtelfinale. Gernot Trauner (9.), Christoph Baumgartner (66.) und Marko Arnautovic (78./Foulelfmeter) erzielten die Treffer der Österreicher. Für Polen um Stürmerstar Robert Lewandowski traf der frühere Hertha-BSC-Profi Krzysztof Piatek (30.).

„Dieses Spiel hatte Playoff-Spiel. Wer verliert, ist normalerweise raus. Deshalb sind wir alle glücklich über den Sieg und über weite Strecken auch mit der Leistung“, bilanzierte Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick. Torschütze Christoph Baumgartner atmete ebenfalls auf: „Wir sind brutal erleichtert. Dieser Sieg war ganz wichtig, auch für den Kopf. Es lastete ein gehöriger Druck auf uns.“

Michael Gspurning jubelte ebenfalls ausgelassen in seiner Wahlheimat Berlin. Beim 1. FC Union ist Gspurning seit 2017 fester Bestandteil des Trainerstabes und hat in dieser Zeit die wilde Fahrt von der 2. Liga bis in die Champions League mitgemacht. Auch beim großen Stühle rücken im Herbst anlässlich der Beurlaubung von Chefcoach Urs Fischer behielt er als einziger im Trainerteam seinen Job. Seit April 2023 coacht der gebürtige Grazer als Nachfolger von Robert Almer zusätzlich auch die Nationaltorhüter seines Heimatlandes.

„Wir sind sehr froh, dass wir den Michi bei uns haben. Er passt zwischenmenschlich wunderbar ins Trainerteam“, lobt Nationaltrainer Ralf Rangnick: „Union hat zugestimmt, dass er beides machen kann. Das ist nicht selbstverständlich, da möchte ich mich ausdrücklich bei Union bedanken, dass Sie dazu bereit waren.“

Gut eine Stunde vor dem Anpfiff der Partie gegen Polen hatte Michael Gspurning am Freitagabend den Rasen des Berliner Olympiastadions ganz für sich allein. Als er die Erwärmung der österreichischen Keeper vorbereitete, war weit und breit noch kein anderer Spieler, Trainer oder Teambetreuer zu sehen. Für Gspurning ist diese Europameisterschaft ohnehin ein echtes Heimspiel in Berlin. Denn die Auswahl Österreichs hat ihr Basecamp während der EM in der Hauptstadt. Gspurning, der normalerweise in Berlin-Grünau wohnt, ist mit dem Team im Schlosshotel Berlin im Grunewald untergebracht. Die täglichen Trainingseinheiten finden im Amateurstadion von Hertha BSC statt. „Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, die EM praktisch zu Hause erleben zu können. Das ist etwas ganz Besonderes, weil ich schon lange in Berlin lebe“, freut sich der Torwart-Trainer.

Union Berlin ohne Michael Gspurning?

Das Quartier in der Westberliner City hat der österreichische Verband übrigens bis zum 14. Juli gebucht – dem Tag des EM-Endspiels in Berlin. Für Michael Gspurning und den 1. FC Union Berlin könnte es mit Blick auf den Trainingsstart am 1. Juli also knapp werden. Vom 13. bis 19. Juli geht es für die Eisernen dann zum Trainingslager nach Längenfeld in Österreich – womöglich ohne Gspurning.

Er sei mit dem neuen Sportchef Horst Heldt und dem neuen Cheftrainer Bo Svensson diesbezüglich im Austausch, versichert Michael Gspurning. Für den Fall der Fälle hat man bei den Eisernen bereits einen Plan B. Sollte Gspurning zunächst nicht zur Verfügung stehen, wird der neue U19-Coach Marcel Höttecke vorübergehend einspringen und die Keeper des Profiteams betreuen. Höttecke kehrte vom VfL Osnabrück nach Berlin-Köpenick zurück und ersetzt bei der U19 den zum 1. FC Köln abgewanderten Niklas Knezevic.

Für Michael Gspurning geht derweil erst einmal sein Heimspiel bei der Europameisterschaft weiter. Die Entscheidung in der Gruppe D fällt am Dienstag, wenn Gspurning und seine Österreicher auf die Niederlande treffen (18 Uhr). Wo? In Berlin natürlich.