Fußball-EM 2024
: Robin Gosens von Union Berlin freut sich „wie ein Schnitzel“

Ungewohnte Rolle für Robin Gosens: Der Verteidiger von Union Berlin ist bei der Fußball-EM 2024 als Experte für MagentaTV im Einsatz. So lief sein Debüt gegen Schottland.
Von
Frank Noack
Berlin
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EURO 2024, Gruppe A, Deutschland — Schottland: Fussball, Herren, Saison 2023/24, Euro 2024 Gruppe A (1. Spieltag) in München, Deutschland - Schottland, v. l. Moderator Johannes B. Kerner, Experte Robin Gosens (1. FC Union Berlin), 14.06. 2024, Foto: Matthias Koch

Robin Gosens (rechts) von Union Berlin gab beim EM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft gegen Schottland an der Seite von Moderator Johannes B. Kerner seinen Einstand als TV-Experte.

Matthias Koch

Robin Gosens war mittendrin – aber dennoch nicht als Spieler auf dem Rasen dabei. Der Linksverteidiger von Fußball-Bundesligist 1. FC Union Berlin erlebte den furiosen 5:1 (3:0)-Auftaktsieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Schottland aus ungewohnter Perspektive: Gosens – der von Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht für die Heim-EM nominiert worden war – gab am Freitagabend in der Münchner Arena seinen Einstand als TV-Experte.

„Ich bin voller Vorfreude. Beim Betreten des Stadions hatte ich eine Gänsehaut. Natürlich wäre ich lieber Spieler als Experte. Es hat auch ein bisschen gedauert, bis ich den Schmerz und die Enttäuschung herunterschlucken konnte“, räumte Gosens vor dem Anpfiff am Mikrofon des Streamingdienstes MagentaTV ein: „Aber jetzt freue ich mich wie ein Schnitzel auf den Wechsel der Perspektive.“

Die Nichtberücksichtigung ausgerechnet für die Heim-EM nach einer sehr durchwachsenen Bundesliga-Saison mit Union Berlin hatten den 29 Jahre alten Abwehrspieler nach eigenem Bekunden hart getroffen. Immerhin war Robin Gosens im vergangenen Sommer nicht zuletzt deshalb aus Italien zu den Eisernen nach Köpenick gewechselt, um seine Chancen im Nationalteam zu verbessern. Union schaffte zwar auf den letzten Drücker den Klassenerhalt. Der EM-Zug war für Gosens jedoch abgefahren.

An der Seite von Moderator Johannes B. Kerner begleitete der Union-Verteidiger gemeinsam mit dem ehemaligen Nationalmannschaft-Kapitän Michael Ballack die Auftaktpartie gegen Schottland. Wie sehr er nach wie vor mit dem DFB-Team fiebert, zeigte sich dann nach dem Schlusspfiff. „Es ist heute nichts angebrannt. Auch in der Defensive war das eine absolute Topleistung, ohne eine Schwachstelle – ein perfekter Start“, bilanzierte Gosens: „Wir haben im Vorfeld besprochen, wie viel Druck auf dem Kessel war. Deshalb tun wir alle gut daran, diesen Abend einfach mal zu genießen. Einen solchen Auftakt haben wir uns alle gewünscht.“

Auf der Gosens-Position links in der Abwehr durfte wie erwartet der gebürtige Berliner Maximilian Mittelstädt vom VfB Stuttgart ran. Der Ex-Herthaner machte wie die gesamte Mannschaft ein sehr gutes Spiel.

Abschied von Union Berlin naht

Womöglich eine der größten Herausforderungen für Robin Gosens an diesem Abend in München war derweil das obligatorische Interview mit Julian Nagelsmann nach dem Spiel. Als Johannes B. Kerner den Bundestrainer befragte, lächelte der direkt neben Nagelsmann stehende Gosens seinen Frust über die eigene Nichtnominierung mit dem Mikrofon in der Hand gewohnt professionell weg.

Eine besondere Genugtuung dürften für Robin Gosens dann die Umarmungen der Mitspieler nach dem Schlusspfiff gewesen sein. Die Mannschaft mit Toni Kroos an der Spitze kam zum Kommentatoren-Platz direkt neben der Seitenlinie und klatschte Gosens ab. „Es ist ein wunderbares Gefühl“, erklärte der Union-Verteidiger: „Auch, wenn ich nicht bei den Jungs auf dem Feld dabei war, fühle ich mich als Teil des Teams. Ich freue mich unfassbar für die Jungs.“

Zumal Robin Gosens bei der nächsten Weltmeisterschaft in zwei Jahren wieder auf dem Rasen und nicht nur als TV-Experte dabei sein will. Ob der 20-fache Nationalspieler dann noch bei Union Berlin ist? Wohl eher nicht. Dem Vernehmen nach haben der FC Turin, Lazio Rom und Bologna bereits Interesse signalisiert. Der Transfer dürfte vor allem eine Frage des Preises werden. Für rund zwölf Millionen Euro war Gosens von Inter Mailand nach Köpenick gewechselt. Ein Abgang im Sommer zurück nach Italien gilt als sehr wahrscheinlich.

Zuvor darf sich Robin Gosens aber erst einmal „wie ein Schnitzel“ auf seine nächsten Aufgaben als TV-Experte bei dieser Europameisterschaft freuen. Sein Einstand am Mikrofon von MagentaTV konnte sich jedenfalls sehen und hören lassen.