DEL Eishockey: Was die Eislöwen Dresden von den Lausitzer Füchsen lernen müssen

Die Sachsenderbys auf dem Eis zwischen den Eislöwen Dresden und den Lausitzer Füchsen gibt es in der kommenden Saison nicht mehr. Dresden ist in die DEL aufgestiegen, Weißwasser spielt in der DEL2.
Thomas Heide- Die Eislöwen Dresden starten in der DEL gegen die Eisbären Berlin – erstmals in 29 Jahren zwei ostdeutsche Clubs.
- Weißwasser scheiterte in den 90er-Jahren trotz sportlicher Erfolge an finanziellen Problemen in der DEL.
- Dresden hat einen Etat von 8 Mio. Euro und verstärkte den Kader mit erfahrenen Spielern.
- Weißwasser-Fans beerdigten 1996 symbolisch ihr DEL-Team nach erneutem Lizenzentzug.
- Lausitzer Füchse drücken Dresden die Daumen, um die 1. Liga dauerhaft zu halten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist ein besonderer Tag für das Profi-Eishockey in Ostdeutschland: Wenn die Eislöwen Dresden am Dienstag mit der Partie bei den Eisbären Berlin in das DEL-Abenteuer starten, sind erstmals seit 29 Jahren wieder zwei Clubs aus den neuen Bundesländern in der höchsten Spielklasse vertreten.
Zum vorerst letzten Mal gab es ein ostdeutsches Doppel in der Saison 1995/96 mit den Eisbären Berlin und der damaligen ESG Füchse Weißwasser. Der Blick auf den Vorgänger der Lausitzer Füchse zeigt: Die Eislöwen Dresden können und sollten von Weißwasser lernen, um in der DEL zu überleben.
Dem Eishockey in Weißwasser gelang das nach der Wende nur kurzfristig – genau genommen zweimal für jeweils zwei Spielzeiten (1990/91 und 1991/92 sowie 1994/95 und 1995/96). Es waren in beiden Fällen nicht sportliche Gründe, die zum Abstieg führten. Dabei begann alles hochemotional. Mit Dynamo Berlin und Dynamo Berlin wurden die beiden Erstliga-Clubs aus der DDR in die 1. Bundesliga eingegliedert. Als Polizei-Eissport-Verein, kurz PEV, Weißwasser gab es im ersten Bundesliga-Spiel am 14. September 1990 einen historischen 2:1-Sieg gegen den BSC Preußen (Tore: Henry Domke, Hubert Hahn/Axel Kammerer).
Weil das große Freiluftstadion nicht den Anforderungen der Bundesliga genügte, wurde die Trainingshalle umgebaut und mit einer Kapazität von 3000 Zuschauen ausgestattet. „Wir haben in die Eisschnelllauf-Halle Tribünen reingebaut. Fertig geworden sind wir einen Tag vor dem Spiel“, erinnert sich Rüdiger Noack als damaliger Clubleiter des PEV Weißwasser in der Vereinschronik.
Als „Jägermeister“ in Weißwasser groß einstieg
Es zeigte sich aber schnell: Die im Wesentlichen unveränderte Mannschaft aus der „kleinsten Liga der Welt“ hatte große Probleme mit dem deutlich größeren Wettkampfpensum. Jede Woche am Freitag und Sonntag zu spielen – das kannten die Spieler um Thomas und Michael Bresagk, Ralf Hantschke und Hubert Hahn nicht. Trotzdem schaffte Weißwasser in der ersten Saison in den Playdowns den Klassenerhalt. Für Dynamo Berlin ging es übrigens runter in die 2. Liga.
1991/92 durfte sich der Eissport (ES) Weißwasser zunächst am „grünen Tisch“ über den erneuten Klassenerhalt freuen, weil der SB Rosenheim seine Mannschaft aus der Bundesliga zurückzog. Allerdings entzog der Verband dem ES Weißwasser aus finanziellen Gründen die Erstliga-Lizenz. Der Grund waren drei Millionen DM Schulden und ein Rechtsstreit mit dem Vermarkter Design Division.
Als 1994/95 die DEL gegründet wurde, kehrte das Weißwasseraner Eishockey auf die Erstliga-Bühne zurück. Es blieb turbulent. Mit „Jägermeister“ gab es einen finanzkräftigen Unterstützer. Der Kräuterlikörproduzent hatte im benachbarten Kamenz einen neuen Standort eröffnet. Trotzdem war die DEL für Weißwasser allein nicht zu stemmen. Deshalb wurde eine Spielgemeinschaft mit dem EV Chemnitz gegründet. Sie trug den sperrigen Namen ESG Füchse Sachsen Weißwasser/Chemnitz. Bestandteil des Deals war, dass pro Saison vier Heimspiele in Chemnitz stattfinden müssen. Bei so manchem Füchse-Fan kam das überhaupt nicht gut an. Trotz dieser Widrigkeiten gelang der Klassenerhalt.
1995/96 standen erneut die Finanzen im Mittelpunkt. Zu den Heimspielen kamen manchmal nur noch 1000 Zuschauer – in Chemnitz noch weniger. Für die ESG Füchse Sachsen Weißwasser/Chemnitz blieb nur der letzte Tabellenplatz, der aber nicht automatisch mit dem Abstieg verbunden war. Der scheidende Trainer Jiri Kochta sah trotzdem in Weißwasser „keine Möglichkeit, auf Dauer erstklassiges Eishockey zu halten, dafür fehlt der finanzielle Rahmen“.

Die Fans tragen das Erstliga-Eishockey in Weißwasser zu Grabe: So berichtete die Lausitzer Rundschau vor 29 Jahren über das DEL-Aus.
Mario BehnkeUm das Überleben zu sichern, beschloss die Gesellschafterversammlung eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit Chemnitz. Mehr noch: Manager Boris Capla forcierte die Bemühungen, die Spielbetriebs-GmbH, den Trainingsbetrieb und einen Großteil der Heimspiele nach Chemnitz zu verlegen. Die Fans aus Weißwasser liefen Sturm gegen den geplanten Umzug. Nach dem Heimspiel gegen die Düsseldorf EG am 13. Februar 1996 beerdigten sie symbolisch das Eishockey in Weißwasser: Hunderte Anhänger schritten mit einem Sarg über das Eis.
Es war das dramatische Finale für das Erstliga-Eishockey in Weißwasser. Letztlich besiegelte erneut der Lizenzentzug den Zwangsabstieg. Hauptsponsor Jägermeister zog sich zurück, es fehlten 1,5 Millionen DM im Etat.
Daumendrücken für Eislöwen Dresden
Die Eislöwen Dresden sollten daraus vor allem zwei Dinge lernen. Erstens: So groß die Aufstiegs-Euphorie auch sein mag – es gibt keine Garantie einen dauerhaften Verbleib im Oberhaus. Zweitens: Neben den sportlichen müssen auch die finanziellen Voraussetzungen stimmen. Dresden scheint mit einem Etat von gut acht Millionen Euro gut gerüstet zu sein. Zudem wurde der Aufstiegs-Kader mit Routiniers wie Torhüter Julius Hudacek, Lance Bouma, C.J. Suess und Austin Ortega verstärkt.
Auch wenn die Lausitzer Füchse gern weiterhin die prestigeträchtigen Derbys gegen Dresden in der DEL2 gespielt hätten – in Weißwasser drückt man den Eislöwen trotzdem die Daumen, dass das Abenteuer 1. Liga besser verläuft als das Eigene in den 90er-Jahren. „Es ist toll, dass es nach fast drei Jahrzehnten wieder einen sächsischen Erstligisten gibt“, betont Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach.
