44. Turnier der Meister: Deutsche Gold-Chance und ein neuer Reck-König
Wer wird der Überflieger beim 44. Turnier der Meister?
Angesichts des Rekord-Teilnehmerfeldes von 278 Sportlern aus 53 Ländern ist das kaum vorherzusagen. Nach der WM in Stuttgart ist ohnehin abzuwarten, welche Sportler noch ihre Topform konservieren konnten. Mit Oleg Vernaiev (Ukraine/Barren), Artem Doglopyat (Israel/Boden), Igor Radivilov (Ukraine/Sprung) und Yang Liu (China/Ringe) sind vier Titelverteidiger aus dem Vorjahr an ihren Geräten dabei. Die Mannschaftsweltmeister aus Russland, die starke japanische Männerriege und auch die Chinesinnen versprechen hohe Qualität. Mittlerweile ist es auch kein Geheimtipp mehr, auf die Briten zu schauen. Mit Courtney Tulloch, Amelie Morgan und Claudia Fragapane bringen sie gleich drei internationale Medaillengewinner mit.
Was machen die Deutschen?
Mit Lukas Dauser haben die deutschen Herren am Barren eine echte Gold-Hoffnung. Bei der WM in Stuttgart hatte er sich im Finale verturnt, nun kündigt er an: „Ich werde nur am Barren starten, damit ich zum einen meine volle Konzentration darauf legen kann und zum anderen meine Finalchance, die ich habe, auch bestmöglich nutzen kann. Wenn man zwei gute Übungen turnt, dann kann es auch für weit vorne reichen.“ Zudem sind Andreas Toba, Philipp Herder, Karim Rida und Carlo Hoerr nominiert. Vor allem Toba hat durchaus Finalchancen. Die sind bei den Frauen natürlich Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer zuzutrauen, sie kämpft am Balken wahrscheinlich sogar um eine Medaille. Mit Kim Bui und Sophie Scheder sind zwei weitere erfahrene Athletinnen ebenfalls Endkampf-Kandidatinnen. Die 16-jährige Emelie Petz will nach ihrem WM-Debüt nun beim Weltcup den nächsten Entwicklungsschritt gehen.
Wo steckt die größte Spannung drin?
Hochkarätig besetzt sind unter anderem die Ringe. Mit Olympiasieger und Ex-Weltmeister Eleftherios Petrounias (Griechenland) und Europameister Denis Ablaizin (Russland) fordern zwei Hochkaräter den Titelverteidiger Yang Liu (China) heraus. Beim Podiumstraining am Mittwoch in der rappelvollen Lausitz-Arena wurde allerdings deutlich: Es gibt auch noch andere Anwärter auf den Titel: Herr der Ringe.
Wo sollte man genau hingucken?
Zum Sprung der Männer. Dort hat der Amerikaner Donnell Whittenburg eine Übung mit hoher Schwierigkeit angekündigt. Der deutsche Bundestrainer Andreas Hirsch glaubt: „Das wird sicher sensationell gut werden.“
Wer wird neuer Reck-König?
Titelverteidiger Epke Zonderland (Niederlande) muss nach seiner Stirnhöhlen-Operation passen – und der vierfache Cottbuser Recksieger Andreas Bretschneider ist nicht fürs deutsche Team nominiert. Der Chemnitzer dürfte somit allenfalls in die Lausitz kommen, um seiner Lebensgefährtin Pauline Schäfer die Daumen zu drücken. Vielleicht holen sich nun Oleg Verniaev (Ukraine) oder Umit Samiloglu (Türkei) wieder die Reck-Krone – beide haben bereits in Cottbus am Königsgerät gewonnen.
Wo ist denn Oksana Chusovitina?
Die Grande Dame des Turnens fehlt in diesem Jahr – sie war bereits 18. Mal beim Turnier der Meister und hat mit 15 Siegen in Cottbus eine Marke für die Ewigkeit gesetzt. Eine weitere Cottbuser Goldmedaille gibt es für sie – vorerst – nicht. Die 44-Jährige kann auf den Weltcup verzichten, weil sie das Ticket für ihre achte Olympia-Teilnahme bereits sicher hat. Chusovitina hatte bei der WM in Stuttgart in der Qualifikation als Zwölfte das Sprung-Finale verpasst und damit scheinbar alle Hoffnungen auf einen erneuten Olympia-Start ad acta legen müssen. Auch im Mehrkampf war die Usbekin auf Platz 87 weit an den Startplätzen vorbeigeturnt. Da aber auch elf der zwölf Medaillengewinnerinnen der WM-Finals von Stuttgart in den Olympia-Teams turnten, rutschte Chusovitina entsprechend des überaus komplizierten Reglements als Nachrückerin ins Olympia-Feld. Sie schreibt damit in Tokio Geschichte. Noch nie zuvor hat eine Turnerin an acht Olympischen Spielen teilgenommen.
Und wo sind die Cottbuser?
Nicht dabei. Christopher Jursch gehört nicht mehr zur Nationalmannschaft. Leonard Prügel war zwar bei der unmittelbaren Wettkampf-Vorbereitung für die WM dabei. Doch für das Turnier in seiner Heimatstadt wurde er nicht nominiert. Wenigstens ist Dauerbrenner Igor Radivilov dabei – der ukrainische WM-Dritte im Sprung ist seit vielen Jahren Gaststarter beim SC Cottbus. Der Zyprer Marios Georgiou turnt ebenfalls für die Lausitzer – und könnte am Wochenende am Pauschenpferd eine Medaille mit Cottbus-Aroma holen.
Gibt es noch Karten für den Weltcup?
Klares Ja! Kurzentschlossene haben Glück. Die Organisatoren teilten kurz vor Beginn der Veranstaltung mit, dass noch für alle Tage Tickets zu haben seien – sogar noch Sitzplätze für die beiden Final-Wettkämpfe am Samstag und Sonntag. Der Verkauf aller Restkarten startet demnach am Donnerstag ab 15 Uhr an der Tageskasse in der Lausitz-Arena.




