Wahlen in Israel
: Zwei Drittel der Stimmen ausgezählt – Netanjahu knapp vor Eisenkot

Ein Großteil der Stimmen in Israel ist ausgezählt, doch noch immer zeichnet sich kein klarer Gewinner ab. Eisenkot muss für einen Machtwechsel womöglich sein Wahlversprechen brechen.
Von
Ole Rockrohr
Tel Aviv
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Nach der Parlamentswahl in Israel: Anhänger und Mitglieder der Likud-Partei von Ministerpräsident Netanjahu versammeln sich während der Wahlnachtveranstaltung der Partei im Internationalen Kongresszentrum in der Teddy Hall, nachdem die Ergebnisse der Wählerbefragungen zur israelischen Parlamentswahl veröffentlicht wurden. (zu dpa: «Israels Wahl wird zur Zitterpartie – wie geht es nun weiter?»)

Nach der Parlamentswahl in Israel: Anhänger und Mitglieder der Likud-Partei von Ministerpräsident Netanjahu versammeln sich.

Olivier Fitoussi/dpa
  • Zwei Drittel der Stimmen sind ausgezählt – kein klarer Gewinner in Israel.
  • Netanjahus Block liegt mit 54 von 120 Sitzen vorn, verfehlt aber die Mehrheit.
  • Eisenkots Bündnis kommt laut Teilergebnis auf 48 Sitze, arabische Listen auf 18.
  • Koalition mit arabischen Parteien könnte Mehrheit bringen, wurde im Wahlkampf abgelehnt.
  • Patt würde Netanjahu nutzen, er bleibt kommissarisch im Amt bis zur Regierungsbildung.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Bei der Parlamentswahl in Israel liegt nach der Auszählung von zwei Dritteln aller Stimmzettel offiziellen Angaben zufolge der Block von Regierungschef Benjamin Netanjahu weiter vor dem Block der Opposition – verfehlt jedoch eine Mehrheit im Parlament. Nach Angaben der israelischen Wahlkommission vom Mittwoch kommen Netanjahus Likud-Partei und ihre Verbündeten nach Auszählung von rund 66 Prozent der Stimmzettel auf 54 der 120 Sitze im Parlament.

Eisenkot mit sechs Sitzen weniger als Netanjahu-Bündnis

Der Wahlkommission zufolge kommt das Oppositionsbündnis unter Gadi Eisenkot auf 48 Sitze, die Listen der arabischen Israelis auf 18. Diese Teilergebnisse können sich allerdings noch erheblich ändern. Mehrere Nachwahlbefragungen hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Lagern prognostiziert, bei dem keines von ihnen eine parlamentarische Mehrheit erhält. Laut Nachwahlbefragungen der beiden großen Fernsehsender Channel 11 und Channel 13 kamen beide Bündnisse auf jeweils 51 Sitze.

Die stärksten Zugewinne verzeichneten die arabischen Parteien, deren Wählerinnen und Wähler in großer Zahl gegen Netanjahu mobilisiert wurden. Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Eisenkots Block genügend Sitze für eine Mehrheit hätte, wenn er eine Koalition mit den arabischen Parteien bilden würde. Das hatten die meisten der Parteien des Oppositionsblocks im Wahlkampf jedoch abgelehnt.

Muss Eisenkot sein Wahlversprechen brechen?

Oppositionspolitiker Jair Golan, der Parteichef der linksgerichteten Ha-Demokratim (Hebräisch: Die Demokraten), die zu Eisenkots Lager gehört, sprach sich nun für eine Koalition mit den arabischen Parteien aus. „Wir dürfen Netanjahus rassistische Trennung zwischen jüdischen Stimmen und arabischen Stimmen nicht länger hinnehmen“, erklärte er im Onlinedienst X. „Wir haben die Chance, gemeinsam mit den arabischen Bürgern Israels eine Regierungskoalition des Wandels zu bilden“, fügte er hinzu.

Eisenkot hatte im Wahlkampf erklärt, er werde nicht gemeinsam mit arabischen Abgeordneten regieren. Damit hatte er die Haltung Netanjahus übernommen, der angedeutet hat, eine Regierung, die sich auf arabische Stimmen stützt, würde es an Legitimität fehlen.

Unentschieden bei den Wahlen in Israel hilft Netanjahu

Das Fehlen einer klaren Mehrheit für eines der Lager könnte langwierige Koalitionsverhandlungen und womöglich sogar Neuwahlen nach sich ziehen. Ein Patt würde kurzfristig Netanjahu nutzen, der geschäftsführender Ministerpräsident bleibt, bis eine neue Regierung gebildet ist. Mit dem endgültigen Wahlergebnis wird bis spätestens Freitagmorgen gerechnet.

Nach Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse beauftragt Präsident Izchak Herzog einen Kandidaten mit der Regierungsbildung – und zwar denjenigen, dem die besten Chancen dafür eingeräumt werden. Eisenkot und Netanjahu sehen beide den Regierungsauftrag bei sich. Wer aber am Ende den Regierungschef stellen wird, ist derzeit noch offen.