Die Präsidentschaftswahl in den USA wird zu einer echten Hängepartie. Die Wahllokale sind nun in allen Bundesstaaten geschlossen. Auf den zu Alaska gehörenden Aleuten konnten die Wähler bis 7 Uhr MEZ persönlich ihre Stimme abgeben. Kurz zuvor schlossen die Lokale im restlichen Alaska, auf Hawaii und an der US-Westküste. Weil sich die USA über mehrere Zeitzonen erstreckt, zog sich die Schließung der Wahllokale über mehrere Stunden. Nach 42 von 50 ausgezählten Bundesstaaten lautet der Zwischenstand: Biden hat 235 Wahlleute auf seiner Seite, Trump 213.

US-Wahl: Trump hält die Verzögerung bei den Auszählungen als Betrug

Wer die US-Präsidentenwahl gewinnt, war rein rechnerisch noch offen. Die beiden Kandidaten Donald Trump und Joe Biden lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Für Trump stand allerdings der Ausgang schon fest: In einer Rede nach der Schließung der Wahllokale sieht er sich selbst als großer Sieger. Außerdem erhob er erneut schwere Vorwürfe: „Wir werden uns diese Wahl nicht stehlen lassen. Das ist Wahlbetrug“, erklärte Trump. Gleichzeitig kündigte der Präsident an, den Obersten Gerichtshof anzurufen, um die weitere Auszählung sofort zu stoppen. Nach eigenen Angaben liegt Trump in der Mehrzahl der noch offenen Bundesstaaten in Führung: „Wir waren dabei, diese Wahl zu gewinnen. Offen gesagt haben wir diese Wahl gewonnen.“ Wie und wann er den Supreme Court angesichts der weiterhin laufenden Auszählung anrufen möchte, bleibt offen.
In entscheidenden Bundesstaaten steht das Ergebnis weiter aus. In Georgia und Pennsylvania wird Journalisten zufolge in der Wahlnacht aber nicht mehr weiter ausgezählt. Die Wahlhelfer wollen sich erst ab 10 Uhr Ortszeit (16.00 Uhr MEZ) wieder treffen. Auch in Wisconsin und Michigan wird nicht mehr mit einem Ergebnis in der Wahlnacht gerechnet.

US-Wahl: Auszählung von Stimmen nach dem Wahltag gängige Praxis

Die Auszählung von Stimmen auch nach dem Wahltag ist in vielen Bundesstaaten gängige Praxis. In den USA ist es üblich, dass die Präsidentenwahl noch in der Nacht auf der Basis von Prognosen großer Medienhäuser entschieden wird. Die amtlichen Ergebnisse kommen teils erst viel später.
Am frühen Mittwochmorgen waren in vielen Bundesstaaten Hunderttausende möglicherweise entscheidende Stimmen noch nicht ausgezählt. In einigen Staaten darf erst am Wahltag mit der Auswertung der Briefwahlstimmen begonnen werden - das führt zu Verzögerungen. Teils ist dabei der Abgleich von Unterschriften mit Wählerverzeichnissen vorgeschrieben.
In einigen weiteren Staaten werden außerdem auch noch Stimmen ausgezählt, die einige Tage nach der Wahl eingehen. Hier zählt dann der Poststempel, der spätestens vom Wahltag stammen muss. Die Wahlleiter mehrerer Staaten im Mittleren Westen hatten angekündigt, dass die korrekte Auszählung einige Tage dauern könnte. Offen waren auch noch die endgültigen Ergebnisse aus North Carolina.

US Wahl: Auszählung an wichtigen Orten wird am Mittwoch fortgesetzt

Herausforderer Joe Biden von den Demokraten gelang nicht der erhoffte Erdrutschsieg. Stattdessen läuft die Entscheidung wohl auf Michigan, Wisconsin und Pennsylvania im Mittleren Westen hinaus. Dort gab es für den Demokraten zunächst auf Basis erster Auszählungen Grund zur Hoffnung.
Infografik: So wurde in den US-Bundesstaaten gewählt - Stand der Prognose: 3. November, 7:45 Uhr.
Infografik: So wurde in den US-Bundesstaaten gewählt - Stand der Prognose: 3. November, 7:45 Uhr.
© Foto: dpa-infografik GmbH
Möglich schien am Abend, dass die Auszählung an einigen wichtigen Orten dieser Staaten noch länger dauert. Im wichtigen Bundesstaat Pennsylvania ist unklar, ob möglicherweise hunderttausende Stimmen in Philadelphia erst am Mittwochmorgen (Ortszeit) weiter ausgezählt werden. Laut US-Journalisten hatten dort Wahlhelfer erklärt, in der Nacht nur noch einen Teil der verbleibenden Stimmen vermelden zu wollen.
Für Trump ist das eine Steilvorlage. Schon seit Monaten fordert der Präsident, dass das Resultat in der Wahlnacht feststehen muss, „nicht Tage, Monate oder sogar Jahre später!“ Für die Verzögerung bei der Auszählung dürften vor allem die vielen Briefwahlstimmen verantwortlich sein. Wie ein Mantra predigt Trump, dass Briefwahl zu Wahlbetrug führe, obwohl es dafür keine Beweise gibt, im Gegenteil - Experten zufolge ist sie sicher. Der wahre Hintergrund dürfte sein, dass Umfragen zufolge deutlich mehr Demokraten als Republikaner per Briefwahl abstimmen wollten - und diese Briefwahlstimmen werden in einigen wichtigen Bundesstaaten später gezählt.
Präsidentenwahl in Amerika 2020

Bildergalerie Präsidentenwahl in Amerika 2020

US Wahl: Biden zeigt sich bei kurzer Ansprache siegessicher

Der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, hat sich trotz der Unsicherheit bei einer kurzen Rede während der Auszählung siegessicher gegeben. „Wir glauben, dass wir auf dem Weg sind, diese Wahl zu gewinnen“, sagte Biden am frühen Mittwochmorgen in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware. „Bleibt zuversichtlich, wir werden das gewinnen.“ Der Demokrat rief seine Anhänger zur Geduld auf. Es könne womöglich noch dauern, bis ein Ergebnis im Rennen zwischen ihm und Amtsinhaber Donald Trump feststehen werde. „Es ist nicht vorbei, bevor nicht jede Stimme gezählt wurde“, betonte Biden.
Auch US-Präsident Donald Trump hat sich in der Wahlnacht siegessicher gegeben und eine Erklärung zur Wahl angekündigt. Ohne seinen demokratischen Herausforderer zu erwähnen, schrieb Trump am Mittwochmorgen auf Twitter: „Sie versuchen, die Wahl zu stehlen.“ Dies werde er nicht zulassen. Nach Schließung der Wahllokale könnten keine Stimmen mehr abgegeben werden. Der Tweet wurde von Twitter aber mit einer Warnung versehen: „Offizielle Quellen könnten das Ergebnis noch nicht bestätigt haben, als dieser Tweet abgesetzt wurde.“

US-Wahl: Trump holt sich die Mehrheit in Ohio und Texas

Am Dienstagabend (Ortszeit) richteten sich zuerst viele Blicke auf den eher industriell geprägten Staat Ohio im Mittleren Westen und auf erste Zahlen aus dem sonst verlässlich republikanisch wählenden Texas. Präsident Donald Trump hat nach Prognosen von Fernsehsendern Ohio mit 18 Wahlleuten gewonnen. Das ging in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) aus übereinstimmenden Vorhersagen der Sender Fox News und NBC auf Grundlage von Wählerbefragungen und ersten Stimmauszählungen hervor. Erste Countys in Ohio meldeten vorher noch Ergebnisse, wonach Biden im Vergleich zur Demokratin Hillary Clinton vor vier Jahren deutlich Boden gutmachte – allerdings war unklar, ob es reicht, den damaligen Rückstand von rund neun Prozentpunkten komplett auszugleichen.
Der republikanische Amtsinhaber Donald Trump hat auch den wichtigen Bundesstaat Texas gewonnen. Damit sicherte er sich die Stimmen von 38 Wahlleuten, wie die Nachrichtenagentur AP am Mittwochmorgen (Ortszeit) auf Grundlage von Wählerbefragungen und ersten Stimmauszählungen meldete.Trumps Sieg in Texas war weithin erwartet worden. Ohne die Stimmen des bevölkerungsreichen südlichen Bundesstaats wäre es für Trump fast unmöglich, die Präsidentenwahl zu gewinnen.

Kommentar

Gute Nachrichten gab es für Biden dagegen aus Arizona und Minnesota. Minnesota gilt traditionell als „Swing State“, in denen ein Sieg weder für die Republikaner noch Demokraten als sicher gilt. 2016 konnte sich die Demokratin Hillary Clinton dort mit knappem Vorsprung vor Trump die zehn Stimmen der Wahlmänner und Wahlfrauen sichern. Sollte sich dieser Trend bestätigen, wäre das für ihn auch ein gutes Zeichen für Staaten wie Pennsylvania, Michigan und Wisconsin. Diese drei hatten Trump 2016 seinen knappen Wahlsieg beschert, alle sind von einer eher weißen Arbeiterbevölkerung geprägt.

US-Wahl: Trump holt Florida

In North Carolina und Georgia zeichneten sich dagegen Vorteile für Trump ab. Der US-Präsident hat sich außerdem in Florida mit seinen 29 Wahlleuten gegen den Demokraten Joe Biden durchgesetzt. Das meldete die Nachrichtenagentur AP am Mittwochmorgen auf Grundlage von Wählerbefragungen und ersten Stimmauszählungen. Der Republikaner ist auf alle drei Staaten dringend angewiesen, Biden hätte weitere Wege zum Sieg. 
Wegen der Corona-Pandemie ist es in diesem Jahr schwierig, den Auszählungsstand während der Wahlnacht einzuschätzen. Viele Biden-Anhänger hatten erklärt, per Briefwahl abstimmen zu wollen. Wähler von Präsident Trump wollten eher am Wahltag ihr Votum abgeben. Die Bundesstaaten haben unterschiedliche Methoden dafür, wann sie welche Stimmen auszählen, so dass große Umschwünge im Laufe der Wahlnacht möglich sind.

Cottbus/Senftenberg

US-Wahl: Demokraten im Repräsentantenhaus vorn

Bei der US-Kongresswahl haben die oppositionellen Demokraten Fernsehsendern zufolge ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigt. Die Demokraten hatten vor der Wahl vom Dienstag in der Kongresskammer eine Mehrheit von 232 der 435 Abgeordneten. Sie dürften nun vier oder fünf zusätzliche Sitze gewinnen, wie die Sender Fox News und ABC berichteten.

US-Wahl: Lagen die Umfragen falsch?

Auch wenn die Wahl noch nicht entschieden ist - für einen Kantersieg Bidens haben diese Appelle nicht ausgereicht. Der republikanische Senator Lindsey Graham sagte nach einem Telefonat mit Trump in der Wahlnacht voraus, der Präsident werde gewinnen. Graham selber - ein enger Trump-Vertrauter - konnte seinen Senatssitz ebenfalls verteidigen. Er sagte: „An alle Meinungsforscher dort draußen, Ihr habt keine Ahnung davon, was ihr tut.“
Das stimmt so allerdings nicht. Die Statistiker der renommierten Webseite FiveThirtyEight hatten Trump vor der Wahl zwar nur eine Chance von zehn Prozent auf einen Sieg ausgerechnet. Sie hatten aber zugleich gemahnt: „Denken Sie daran, dass eine zehnprozentige Gewinnchance keine nullprozentige Chance ist. Sie ist ungefähr so hoch wie die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Innenstadt von Los Angeles regnet. Und, ja, es regnet dort tatsächlich.“