Geht es aus der „Corona-Freizeit“ direkt in die Sommerferien? Am Ende entscheidet das jedes Bundesland für sich. Sicher scheint jedoch, dass ein normaler Schulbetrieb noch vor den Sommerferien unwahrscheinlich ist. Die Folgen für Schüler und Eltern sind gravierend.

Forscher plädieren für einen Mix aus Lernen und Freizeit

Forscher aus dem wissenschaftlichen Beirat des Bundesfamilienministeriums haben deshalb Vorschläge vorgelegt, um diese Folgen abzumildern. Sie fordern unter anderem, dass in den Ferien weitergelernt werden kann und die Ferientermine flexibler gehandhabt werden.

„Macht es Sinn, die Ferien stur nach dem Raster der Kultusministerkonferenz durchzuziehen?“, fragt der Ulmer Kinder- und Jugendpsychiater Jörg M. Fegert, einer der Autoren des Papiers. Gleichzeitig sollen die Ferien aber nicht ausfallen. „Alle Kinder und Jugendliche brauchen Zeit mit ihrer Familie, für Erholung und selbstbestimmte Aktivitäten“, heißt es in dem Denkanstoß, den Fegert mit der Frankfurter Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen, der Rostocker Soziologin Michaela Kreyenfeldt und der Hamburger Psychologin Birgit Leyendecker verfasst hat.

Forscher warnen vor einer Überlastung der Eltern

Schon jetzt ist klar, dass viele Eltern bald an Grenzen stoßen. Urlaub wird kaum möglich sein, die Betreuung durch die Großeltern entfällt, vielleicht sind auch schon die Urlaubstage dahingeschmolzen, weil Homeoffice mit kleinen Kindern nicht immer funktioniert.

Die Forscher dringen auf schnelle Lösungen. „Wir brauchen im Sommer und bis in den Herbst hinein ein breit angelegtes Bildungs- und Begleitungsangebot von guter Qualität und dafür eine breit angelegte gesellschaftliche Solidarität“, schreiben sie. Dieses müsse vor Ort organisiert werden. „Hier kann an erprobte Konzepte angeknüpft, auf bewährte Formen der Zusammenarbeit zurückgegriffen, Neues, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen, auf den Weg gebracht werden.“ Lehrer und andere Pädagogen, Ehrenamtliche und auch Studierende könnten eingebunden werden.

Forscher regen finanzielle Unterstützung für Ferienangebote an

Wo es an Geld mangelt, könnte das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung angezapft werden. Dieses sehe die Ferienbetreuung bislang nicht vor, sagt Fegert. „Wir haben jetzt aber unheimlich viel Geld für Schulspeisungen und ähnliches eingespart. Dieses Geld könnte man vernünftig nutzen, um Familien zu unterstützen.“

Solch’ ein Weiterlernen in den Sommerferien würde auch die Bildungschancen angleichen. Schon früh hatten Verbände gewarnt, dass die Schulschließung die Ungerechtigkeiten im Bildungssystem anwachsen lasse. Auch Fegert weist auf die Bildungsschere hin, die schon in normalen Jahren nach den Sommerferien weit geöffnet sei.

Forscher halten auch in Corona-Zeiten gleiche Bildungschancen für wichtig

Während einige Schüler in den Ferien ihr Wissen nutzen und sogar ausbauen können, haben andere zum Beginn des neuen Schuljahres Mühe, überhaupt erst wieder an den Stand von vor den Ferien anzuschließen. „Wenn sich das vom Beginn der Coronakrise an über den Sommer hinzieht, dann werden manche Schüler einen sehr schwierigen Start ins neue Schuljahr haben“, warnt er.

Dem entgegenzuwirken, sei allemal besser als der Vorschlag des Lehrerverbandes, dass schwächere Schüler einfach ein Schuljahr wiederholen. „Sitzenbleiben wird als Stigma empfunden und ist für die Schüler eine Belastung“, sagt Fegert.

Die Debatte steht aber noch am Anfang. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) will erst einmal wissen, in welchem Umfang Unterricht ausfällt. „Dann muss man die Entscheidung treffen. Aber jetzt noch nicht“, sagt sie. Ilka Hoffmann von der Lehrergewerkschaft GEW hält den Vorschlag indes für „bedenkenswert“ – wenn die Bedingungen stimmen. So gibt sie zu bedenken, dass Unterricht bei großer Hitze kaum möglich ist. Auch die Arbeitszeiten müssten eingehalten werden.

Eine aktualisierte Fassung des Papiers „Sommerferien anders denken – Handlungsspielräume für Familien schaffen!“ finden Sie hier.

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