Mit einer groß angelegten Razzia sind Polizei und Bundeskriminalamt (BKA) in elf Bundesländern gegen Menschen vorgegangen, die Kinderpornos in sozialen Netzwerken verbreitet haben.

Konkret geht es um zwei Videos. Zum einen um eine mutmaßlich im Jahr 2014 entstandene Aufnahme, die zwei US-amerikanische Kinder bei der Vornahme sexueller Handlungen zeigt. „Es besteht der Verdacht, dass diese Aufnahme durch einen sogenannten ‚Cybergrooming’-Übergriff eines Dritten gefertigt wurde“, erklärt das BKA.. Bei der weiteren Videodatei handelt es sich um die Aufnahme einer Vergewaltigung eines etwa zehn Jahre alten Kindes durch zwei Jugendliche in einem Steinbruch, mutmaßlich in Afghanistan.

Täter sind zum Teil selbst noch Kinder

Schlimm genug. Doch blickt man auf das Alter der 21 Verdächtigen, die am Montag Besuch von der Polizei bekamen, dann wird man stutzig. „Die Beschuldigten im Alter von 14 bis 26 Jahren stehen im Verdacht, kinderpornografische Videodateien über soziale Netzwerke geteilt und verbreitet zu haben“, teilt die federführende Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit.

14? Ein Einzelfall? Leider nein. „Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Bundeskriminalamt beobachten in den letzten Monaten vermehrt, dass einzelne Videodateien mit eindeutigen kinderpornografischen Inhalten von jungen Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern über soziale Netzwerke im Internet geteilt werden“, heißt es in einer Pressemitteilung am Montag. „Die Inhalte der Aufnahmen werden hierbei häufig bagatellisiert und zum Teil mit als lustig empfundenen Texten und Emojis versehen.“

BKA fordert mehr Engagement der Erziehungsberechtigten

„Es handelt sich beim Weiterleiten solcher Bilder und Filme nicht um Bagatelldelikte“, mahnt Dr. Sabine Vogt, Leiterin der Abteilung „Schwere und Organisierte Kriminalität“ im BKA. „Jugendlichen und jungen Erwachsenen muss besonders durch ihre Erziehungsberechtigten, aber auch durch Präventionsarbeit bewusst gemacht werden, dass sie sich mit diesen Handlungen einer Strafverfolgung aussetzen.“

Schulfach Medienkompetenz ab der ersten Klasse?

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, plädiert deshalb für die Einführung eines Pflichtfachs „Medienkompetenz“ an Schulen. Bundesweit sollte entweder ein Fach „Medienkompetenz“ von der ersten bis zur zehnten Klasse eingeführt werden, „oder querschnittlich in allen relevanten Fächern vermittelt werden, dass grundlegende Werte wie Menschlichkeit und Respekt auch in der digitalen Welt gelten“, forderte Rörig am Montag.

Rörig wies darauf hin, dass vielen Kindern und Jugendlichen, die Missbrauchsabbildungen über soziale Netzwerke verbreiteten, womöglich nicht ausreichend bewusst sei, dass hinter den Fotos oder Videos der reale Missbrauch eines Kindes stehe. „Dass hier in verstärktem Maße auch Kinder und Jugendliche aktiv werden, zeugt von mangelnder Reflektionsfähigkeit der Minderjährigen und macht deutlich, dass ein verantwortungsbewusster Umgang mit digitalen Medien offensichtlich nur ungenügend vermittelt wird.“

Polizei besucht 21 Verdächtige

Je vier der 21 Verdächtigen leben nach Angaben der Ermittler in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Je zwei Tatverdächtige stammen aus Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen und je einer aus Rheinland-Pfalz, Bayern, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Die bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt angesiedelte Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) verfolgt Internetstraftaten bei noch ungeklärter Zuständigkeit in Deutschland und bei Massenverfahren. Sie ist erster Ansprechpartner des BKA in Wiesbaden.