Parteitag in São Paulo: Vierte Amtszeit? Brasiliens Präsident Lula tritt zur Wiederwahl an

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zeigte sich am Sonntag beim Parteitag seiner Arbeiterpartei PT (Partido dos Trabalhadores) in São Paulo demütig (Archivfoto).
EVARISTO SA/afp- Lula tritt im Oktober erneut an – er strebt ein viertes Mandat als Präsident an.
- Beim PT-Parteitag bat er um Verzeihung und warb um weitere vier Jahre.
- Schwerpunkte: Bildung, Pflegeprogramm, Verteidigung und Schutz von Rohstoffen.
- Wichtigster Gegner dürfte Flávio Bolsonaro sein, der seinen inhaftierten Vater vertritt.
- Umfragen sehen Lula vorne, Trumps Einmischung schadet Bolsonaros Lager.
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„Entschuldigt meine Fehler; entschuldigt, dass ich noch nicht alle Versprechen umgesetzt habe.“ Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zeigte sich am Sonntag beim Parteitag seiner Arbeiterpartei PT (Partido dos Trabalhadores) in São Paulo demütig. Nur um dann um weitere vier Jahre zu beten, um das noch nicht Umgesetzte nachzuholen. Die Partei sagte Ja: Im Oktober wird „Lula“ ein Mal mehr für das Präsidentenamt kandidieren.
In seinem Diskurs in São Paulo präsentierte Lula die Kernpunkte für sein angestrebtes viertes Mandat. So will er „definitiv das Problem der Bildung“ lösen und ein Programm für die Pflege alter Menschen starten. Zudem will er verstärkt in die Landesverteidigung investieren, auch um Brasiliens Rohstoffe besser zu schützen. Diese sollen Brasilien auch auf dem Weg hin zu saubereren Energien helfen, so Lula.
Aufstieg als Gewerkschaftsführer
Der Bauernsohn aus dem armen Nordosten Brasiliens war in den 70er Jahren als Anführer der Metaller-Gewerkschaft im Großraum São Paulo bekannt geworden. Damals führte er auch die Streiks gegen die Militärregierung an. Anfang der 80er Jahre gründete er die Arbeiterpartei PT, in der katholische Arbeiterorganisationen wie auch die kirchlichen Basisgemeinschaften einen großen Einfluss hatten. Die PT gilt mittlerweile als zentraler Pfeiler der linken und progressiven Bewegungen in ganz Lateinamerika.
Lulas Kandidatur für die Wahlen im Oktober ist bereits seine siebte. 1989, 1994 und 1998 scheiterte er – um dann 2002 triumphal zu siegen. Als erster Arbeiter in Brasiliens Geschichte wurde er Präsident. Mit Sozialprogrammen wie „Fome Zero“ (Null Hunger) und „Bolsa Familia“ (Familien-Stipendium) konnte er Millionen Brasilianer aus der Armut führen. 2006 wurde „Lula“ trotz erster Korruptionsskandale um seine Partei im Amt bestätigt.
Stolpern über Korruptionsskandale
Mit Zustimmungsraten von über 80 Prozent konnte er 2011 seine politische Ziehtochter Dilma Rousseff ins Amt heben. Doch diese erbte von Lula auch Korruptionsskandale, die sie 2016 das Amt kosteten und Lula 2018 wegen Korruption und Geldwäsche ins Gefängnis brachten. Nun wurde im Oktober 2018 der Rechtspopulist Jair Messias Bolsonaro gewählt, unter dem die Errungenschaften der PT-Regierung im Sozialen und im Umweltschutz zurückgedreht wurden.
Nachdem Lulas Verurteilungen 2021 vom Obersten Gericht annulliert wurden, gewann er im Oktober 2022 die Wahl gegen Bolsonaro. Er war damit der erste Präsident Brasiliens, der drei Mandate erreichte. Nun soll also das vierte folgen – auch wenn Lula im Oktober bereits 81 Jahre alt wird. Kritik, dass er zu alt für eine erneute Kandidatur sei, konterte er. „Ich bin sehr viel besser in Form als damals, als ich 57 Jahre alt war und mein erstes Amt antrat. Ich bin topfit“, erklärte Lula den PT-Anhängern.
80-Jähriger in Topform?
Tatsächlich ist der früher stets übergewichtige Lula in den vergangenen Jahren nicht nur deutlich schlanker geworden. In sozialen Netzwerken kann man ihn beim Sport beobachten. Dabei wirkt er besser in Form als sein wichtigster Herausforderer, der erst 45-jährige Senator Flávio Bolsonaro.
Der sieht sich berufen, anstelle seines inhaftierten Vaters Brasiliens rechtes Lager in die Wahl zu führen. Bolsonaro Senior (71) verbüßt derzeit eine Haftstrafe wegen eines Putschversuchs gegen Lula Ende 2022. Damals versuchte der ehemalige Militär, Lulas drittes Mandat zu verhindern. Allerdings weigerten sich große Teile des Militärs, an dem Komplott teilzunehmen.
Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit sitzt Bolsonaro nicht im Gefängnis, sondern in Hausarrest. Ihn zu besuchen, ist derzeit auch seinem Sohn Flávio nicht gestattet, nachdem Bolsonaro entgegen den Haftauflagen in den Wahlkampf eingegriffen hatte. Der Ex-Präsident hatte sich bereits Ende 2025 für seinen ältesten Sohn Flávio als Präsidentschaftskandidaten ausgesprochen. Beobachter vermuten, dass dieser im Fall eines Sieges seinen Vater begnadigen werde.
Hypothek Donald Trump
Nach aktuellen Umfragen liegt Lula fünf bis zehn Prozentpunkte vor Flávio Bolsonaro. Letzterem schadet derzeit auch die Einmischung von US-Präsident Donald Trump, eines engen Verbündeten der Familie, in den Wahlkampf. So hatte Flávios Bruder, der Abgeordnete Eduardo Bolsonaro, Trump zur Verhängung von Strafzöllen gegen Brasilien verleitet, um die „Hexenjagd“ gegen Bolsonaro Senior zu ahnden. Doch Lula stellte den Bolsonaro-Clan als schlechte Patrioten dar – und legte daraufhin in Umfragen zu.
