Parteitag in Offenburg
: Gute Stimmung bei den Grünen im Südwesten

Wenige Tage zuvor gibt eine Umfrage erneut Rückenwind: Am ersten Tag des Parteitags der Grünen in Baden-Württemberg spürt man das Selbstbewusstsein der Parteimitglieder deutlich.
Von
dpa
Offenburg
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Auftakt Landesdelegiertenkonferenz Grüne Baden-Württemberg: Cem Özdemir (Bündnis 90 / Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, nimmt an der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen von Baden-Württemberg teil. Der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg trifft sich unter dem Motto „Made in Baden-Württemberg“. (zu dpa: «Gute Stimmung bei den Grünen im Südwesten»)

Cem Özdemir (Bündnis 90 / Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, nimmt an der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen von Baden-Württemberg teil.

Philipp von Ditfurth/dpa
  • Parteitag der Grünen in Offenburg: selbstbewusste Stimmung nach guter Umfrage mit 30 Prozent.
  • Cem Özdemir warb für handlungsfähigen Staat und warnte vor Erosion der Volksparteien.
  • Er nannte das Effizienzgesetz „kleine Revolution“ und forderte eine Südquote für Windkraft.
  • Zwei Drittel des Stroms in Baden-Württemberg stammen dieses Jahr aus erneuerbaren Energien.
  • Brantner kritisierte den Tankrabatt; Vorstandswahl mit Clara Wellhäußer und Jan-Lukas Schmitt am Abend.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Stimmung bei den Grünen in Baden-Württemberg ist gut. Mehr als ein halbes Jahr nach der Landtagswahl ist die Partei einer Umfrage zufolge mit 30 Prozent immer noch stärkste Kraft - und die Reden auf dem Parteitag in Offenburg sind am Wochenende entsprechend selbstbewusst. Ministerpräsident Cem Özdemir, seit Mai dieses Jahres im Amt, wurde von seinen Parteikolleginnen und -kollegen mit langanhaltendem Applaus begrüßt.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Andreas Schwarz sagte, mit 56 Landtagsabgeordnete stelle man „die weltgrößte Grünen-Fraktion“. Nach der Erfolgsgeschichte des Grünen-Wahlsiegs müsse man nun zeigen, dass die demokratische Mitte die Probleme der Zeit lösen könne. „Andere im Bund zögern und zaudern, wir liefern!“

Özdemir zu Landtagswahlen: Deutschland schafft sich nicht ab

Mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gab es in Offenburg sowohl Freude über gute Ergebnisse für die Grünen als auch Sorge über wachsende Zustimmungswerte für die AfD. 

Delegierte verfolgen die Landesdelegiertenkonferenz der Grünen Baden-Württemberg in der Oberrheinhalle. Der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg trifft sich unter dem Motto „Made in Baden-Württemberg“.

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Die Wahlergebnisse zeigten, dass die Mitte schrumpfe, sagte Özdemir. „Gleichzeitig wachsen die extremen Ränder. Es besteht geradezu die Gefahr, dass die Volksparteien erodieren und wir wachsende politische Instabilitäten bekommen.“ Man erlebe zudem den dramatischsten Vertrauensverlust in den demokratischen Parteien seit 1949. Das müsse alle mit großer Sorge erfüllen.

Die entscheidende Frage müsse sein, ob man zeigen könne, dass der Staat handlungsfähig, unbürokratisch und bürgernah sei und die entscheidenden Dinge geregelt bekomme. „Die repräsentative, die liberale Demokratie ist noch längst nicht tot. Der Staat verliert nicht die Kontrolle. Deutschland schafft sich nicht ab. Wir müssen dem was entgegensetzen.“

Özdemir sagte, das Effizienzgesetz, welches Ende kommenden Jahres in Kraft treten solle, sei „eine kleine Revolution“: Nicht der Abbau von Bürokratie müsse künftig begründet werden, sondern ihr Fortbestand brauche Rechtfertigung.

Zudem habe dieser Sommer gezeigt: Zu wenig Klimaschutz könne man sich schlicht nicht leisten. Auch hier gelte: Der Staat müsse zeigen, dass er handeln könne. In Baden-Württemberg könne er das. 

Özdemir dankt Koalitionspartner CDU

66 Prozent, also zwei Drittel des in Baden-Württemberg erzeugten Stroms stammen Özdemir zufolge in diesem Jahr aus erneuerbaren Energien. Nun brauche man jedoch dringend Rückenwind aus Berlin, um weitere Windräder bauen zu können. „Die Bundesregierung muss endlich den Weg für eine Südquote freimachen“, forderte Özdemir. Es seien jedoch nicht nur die grünen Ministerinnen und Minister, die anpacken würden. „Ich will mich ausdrücklich auch bedanken bei den Kolleginnen und Kollegen der CDU“, sagte Özdemir.

Am besten verteidige man die Demokratie, indem man es besser mache. „Und dies macht man nicht mit der Motorsäge oder mit dem Holzhammer, sondern indem man mit Geduld, mit Beharrlichkeit, so ein bisschen wie beim Sudoku, eine Aufgabe nach der anderen systemisch abarbeitet.“

Franziska Brantner, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, spricht während der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen von Baden-Württemberg. Der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg trifft sich unter dem Motto „Made in Baden-Württemberg“.

Philipp von Ditfurth/dpa

Brantner übt Kritik an Tankrabatt

Grünen-Chefin Franziska Brantner kritisierte bei ihrer Rede in Offenburg unter anderem den Tankrabatt auf Bundesebene. „Es gibt einen neuen Tankrabatt für drei Monate - 2,5 Milliarden.“ Von diesen 2,5 Milliarden Euro könne man alle Familienleistungen beibehalten und noch die Stromsteuer angehen. Die Definition von Wahnsinn sei, wenn man etwas zum dritten Mal mache und glaube, es komme etwas anderes dabei heraus. „Es kommt nichts anderes bei raus“, sagte Brantner.

Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, spricht auf dem Bahnhof mit Medienvertretern. Der Landesverband der Grünen Baden-Württemberg trifft sich an diesem Wochenende unter dem Motto „Made in Baden-Württemberg“ in der Offenburger Oberrheinhalle zur Landesdelegiertenkonferenz.

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Özdemir zu Berliner Linken: Mit so jemandem nicht koalieren

Özdemir sprach sich in seiner Rede außerdem erneut gegen eine Koalition der Grünen mit den Linken auf Landesebene in Berlin aus. „Die Grünen können mit so jemand nicht koalieren und zusammenarbeiten“, sagte der Grünen-Politiker in Bezug auf die Berliner Linke. „Die deutsche Staatsräson ist nicht das Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen. Das kann man nicht nur kritisieren. Das muss man geradezu kritisieren, wenn man auf der Seite der Menschenrechte steht.» 

Wer die deutsche Staatsräson gegenüber dem Staat Israel in den international anerkannten Grenzen nicht akzeptieren könne, dürfe in Deutschland nirgendwo in die Nähe der Macht kommen. Am Ende von Özdemirs Rede standen fast alle Parteimitglieder auf, es gab standing ovations für ihn.  

Vorstandswahl findet erst am Abend statt

Auf der Agenda des Parteitags steht am Abend die Wahl des neuen Landesvorstands der Grünen - aufgrund der vielen Redebeiträge und Anträge wird voraussichtlich erst nach 19.00 Uhr gewählt.

Die bislang einzigen zur Wahl stehenden Kandidaten für die Partei-Spitze der Grünen in Baden-Württemberg und damit die aussichtsreichsten Anwärter sind Clara Wellhäußer und Jan-Lukas Schmitt. Gegenkandidaten gab es zunächst keine.

Bisher waren Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller die Landesvorsitzenden der Grünen im Südwesten. Beide treten nicht erneut an. Sie führen die Partei seit 2021. 

Auf dem Parteitag bedankte sich Schwelling bei den Delegierten. Man könne mit einem sehr, sehr gutem Gefühl gehen und sagen, die Partei sei in dem besten Zustand, in dem sie jemals war. Der Staffelstab werde mit einem sehr guten Gefühl weitergegeben. Auch Özdemir dankte den beiden: „Ohne euch wäre der Wahlerfolg im März nicht möglich gewesen, danke für eure Arbeit.“