Von Josephine Japke

„Ich bin kein großer Mecker-Typ, denn das ist vertane Zeit“, stellt Uwe Schieban fest. Der Landwirt aus Straupitz, wohnhaft in Lübben, hat auf dem Hof der Familie schon als Kind gelernt, was es heißt, mit anzupacken, sich die Hände schmutzig zu machen und sich durchzusetzen. Jetzt, viele Jahre später, kandidiert der 51-Jährige für den Kreistag in Dahme-Spreewald. Nicht für irgendeine Partei, sondern für die Freie Wählergruppe Bauern.

„Wir wollen die Interessen des ländlichen Raumes besser vertreten wissen, denn auf dem Land fällt man immer hinten runter“, sagt er. Dabei spürt er als Vorstandsvorsitzender des Agrarhandels in Dürrenhofe ziemlich schnell die Auswirkungen von Politik, vom Klimawandel und von Digitalisierung. „Ich engagiere mich, um das Leben hier noch lebenswerter zu machen“, sagt Uwe Schieban, der stets auch das betriebliche Interesse im Blick hat. Im Unternehmen arbeiten mehr als 100 Mitarbeiter und Azubis, die weit über 5000 Hektar Land bewirtschaften und 4000 Rinder pflegen. Dazu der Gemüseanbau und Handelsbetrieb.

Landwirtschaft, Politik, Aufschwung – für Uwe Schieban sind alle Bereiche untrennbar miteinander verbunden. „Das Land braucht eine gute Infrastruktur, Arbeitsplätze, Digitalisierung. Wenn der Arbeitsmarkt rund läuft, kommt der Rest von ganz allein“, ist sein einfaches Rezept. Umso wichtiger ist es, dass fachliche Meinungen in die Politik einfließen und Menschen zu Wort kommen, die wissen, wovon sie reden.

Dabei ist das Politiker-Dasein nicht zu 100 Prozent das Ding von Uwe Schieban. Zu starr und unbeweglich sind ihm die Vorgänge. „Aber politische Diskussionen mit anderen Parteien machen Spaß. Das mache ich mit Hingabe“, sagt er lachend. Und das ist immerhin auch der Grundstein jeder Politik und jedes Engagements: Diskussionen.

„Politisches Engagement macht man täglich. In Gesprächen und in der Kindererziehung, wenn man sie dazu bringt, Nachrichten zu gucken und sich Gedanken zu machen und auch, wenn man in Vereine eintritt und wählen geht“, zählt Uwe Schieban auf.

In seiner eigenen Familie wird dieses Engagement gelebt. Andere, da ist er sich sicher, könnten noch mehr zu dem Diskurs beitragen, statt sich immer nur rauszuhalten. Gerade jetzt, wo „alte Strömungen“ wieder neu aufgelegt werden, müsse man sich auf gesellschaftliche Werte besinnen und miteinander reden. „Sonst gleitet es wieder in eine Diktatur ab. Und davon hatten wir schon zwei“, sagt Uwe Schieban.

„Sich raushalten“ ist auch Klaus Schneider fremd. Der fraktionslose Gubener Stadtverordnete ist Querdenker, Mitredner und alles andere als ein stiller Beobachter. In jahrelanger Verwaltungstätigkeit hat er Beschlüsse formuliert und ausgearbeitet und deshalb den Blick für politische Themen gelernt. Seine erneute Kandidatur zum Stadtverordneten, also in die Exekutive, wie er selbst sagt, war da nur der nächste Schritt.

„Es ist doch so: Veränderung gibt es nur, wenn man gute Argumente hat und dafür eintritt. In einer Demokratie kommt es aber ebenso sehr darauf an, Niederlagen einzustecken und Kompromisse zu machen. Das haben aber viele wieder verlernt“, sagt Klaus Schneider.

Dennoch schätzt er das politische Interesse in Guben als hoch ein. Der Austausch mit den Bürgern sei stets auf Augenhöhe und auch die Eigeninitiative, Dinge zu ändern, sei ungebrochen. „Oft kommen Menschen von sich heraus auf mich zu, sprechen mich auf Themen an und bitten um meine Meinung oder Hilfe“, resümiert Schneider. Und das sei ein guter erster Schritt in Richtung politisches Engagement.

Auf die Frage, ob sich auch junge Menschen mehr in der Politik engagieren müssen, hat er eine ganz klare Antwort: „Mehr geht immer!“ Dabei ist er mit der Zusammenarbeit mit Jugendlichen in Guben äußerst zufrieden. „Der Kinder- und Jugendbeirat wird zu allen Belangen gefragt. In Guben sind wir gut aufgestellt“, sagt er. Natürlich könne sich nicht jeder Jugendliche für Straßenausbaubeiträge und Kitaplätze interessieren. Doch ein Mitspracherecht ist die erste Möglichkeit, politisches Engagement in den jungen Generationen zu fördern. „Die bringen einfach mal frischen Wind rein“, meint Klaus Schneider und spricht dabei, ohne es zu wissen, von Sophie Schlegel aus Kraupa bei Elsterwerda.

Die 22-Jährige möchte am 26. Mai für die CDU in den Kreistag Elbe-Elster einziehen und hat dafür einen ganz einfachen Grund. „Man kann nur etwas verändern, wenn man etwas tut. Ich bin nicht da, um mich berieseln zu lassen, sondern ich werde den Mund aufmachen und meine Meinung sagen“, sagt sie.

Beinahe rund um die Uhr widmet sich die Lehrerin der Politik, nicht nur privat, sondern auch beruflich. Den Vorwurf, dass sich die Jugend nicht für Politik interessieren würde, kann Schlegel nicht bestätigen. „Es kommt immer darauf an, wie man es rüberbringt und welches Herzblut man selber da reinsteckt“, sagt sie.

Und an Herzblut mangelt es der 22-Jährigen nicht. Sie selbst begleitete schon mit 14 Jahren ihre Mutter, die selbst politisch aktiv ist, zu Vorträgen und Anlässen der CDU. Mit 16 wuchs das Interesse, mit 18 dann der Parteieintritt. Mittlerweile ist sie ständiger Gast bei Stadtverordnetenversammlungen und berufener Bürger im Finanzausschuss. Ganz nebenbei ist Sophie Schlegel Stellvertreterin im Kreisverband der Gartenfreunde, trainiert die Kinder- und Funkengarde und bereitet den Unterricht vor. Ihren Beruf liebt sie. Aber fragt man sie, ob sie sich eigentlich schon immer gewünscht hat, mal Bundeskanzlerin zu werden, antwortet die 22-Jährige ohne zu zögern: „Ja, schon immer“ und lacht.

Ihr Alter steht ihr im politischen Rummel und dem Ringen um Respekt und Gehör nicht im Weg, sagt sie. „Ich wurde mit offenen Armen empfangen, hab mich direkt mit einbringen können und werde auch ernst genommen“, erklärt Schlegel. Gerade weil sie jung ist, fallen ihr viele Dinge auf. „Zum Beispiel, dass wir für Jugendliche und junge Menschen Treffpunkte und Aktivitäten schaffen müssen, bei denen sie sich ausleben und auch austauschen können“, sagt sie. Der politische Austausch komme unter Gleichaltrigen ihrer Meinung und Erfahrung nach oft zu kurz. Viele ihrer Freunde würden sich vor Wahlen zwar die Wahlprogramme durchlesen, aber sonst nicht mehr Zeit in Politik investieren.

„Dabei betrifft Politik jeden von uns. Der Mensch ist nicht unpolitisch und man darf die Augen nicht verschließen“, erklärt Sophie Schlegel. Egal ob Gespräche mit Schülern, Familie und Freunden, der Eintritt in einen Verein oder in eine Partei – jede Form von politischem Engagement wird heute mehr denn je gebraucht. Wählen zu gehen, ist aber das Mindeste, das der Mensch tun kann. Denn „wenn die Mehrheit nicht wählen geht, gewinnt die Minderheit.“

Sophie Schlegel ist sich sicher: „Ohne politisches Engagement kann man nichts verändern. Dann bestimmen andere für uns.“ Ob das mit dem Kreistag klappt, weiß sie nicht. Es wäre aber mehr als wünschenswert. Denn immerhin wäre es nur der erste Schritt zur Bundeskanzlerschaft.