Mit großem Brimborium hat Anfang Mai das diesjährige Großmanöver der US-Armee in Europa begonnen. „Defender Europe 21“ ist nach dem durch die Corona-Pandemie eingeschränkten Versuch im Vorjahr erneut eine Machtdemonstration der US-Streitkräfte auf dem europäischen – vor allem osteuropäischen – Kontinent. Anders als 2020, als die Truppenverlegung von West nach Ost, hier vor allem nach Polen und ins Baltikum im Fokus stand, wird die Lausitz diesmal weitgehend verschont bleiben von Truppenverlegungen via Zug oder Straße. Dennoch haben die Manöver Auswirkungen.

Defender Europe 21: US-Truppen trainieren vom Baltikum bis ans Schwarze Meer

Ziel der Übung sei es, die Bereitschaft der US-Armee in Europa und die Zusammenarbeit mit den Nato-Partnern zu stärken, erklärte US-Brigadier-General Christopher Norrie am 5. Mai bei einer Pressekonferenz in Brüssel. So solle es beispielsweise darum gehen, die neuen weitreichenden Artillerie-Fähigkeiten der US-Armee im Feld zu demonstrieren. Dazu würden Einheiten im Baltikum an Übungen teilnehmen, anschließend direkt auf Truppenübungsplätze in Bayern verlegt und dann wiederum nach Bulgarien ziehen, wo weitere Übungen geplant sind.
Gleichzeitig werden Luftladetruppen aus den USA direkt nach Estland verlegt, um dort ein Gefecht zu simulieren, wie General Norrie weiter erläuterte. „Estland ist sehr stolz, Teil der Gastgeber für die diesjährigen Defender-Europe-Manöver zu sein“, erklärte Generalmajor Indrek Sirel von den estischen Streitkräften. Ähnlich erfreut zeigten sich albanische Regierungsvertreter bei der offiziellen Eröffnung der diesjährigen Defender-Europe-Manöver.
Insgesamt sind rund 30 Truppenübungsplätze in zwölf Ländern in die Übungen involviert, die bis Ende Juni gehen sollen. Der Schwerpunkt liegt in Bulgarien, Rumänien und auf dem Balkan.

Defender Europe 21: Russland kritisiert militärische Bedrohung

Kritik daran gibt es unter anderem von der Linkspartei. Andrej Hunko, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Bundestag, warnt davor, „die Region erneut zu einem Pulverfass in Europa“ zu machen.
Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat mit Blick auf die US-Manöver eine zunehmende militärische Bedrohung Europas durch USA und Nato beklagt. Schoigu kritisierte während eines Besuchs in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe „eine erhöhte Kampfbereitschaft“ westlicher Truppen. Er kündigte an, Defender Europe genau zu beobachten.

US-Kritik an russischen Manövern in der Nähe der Ukraine

USA und EU hatten in den vergangenen Wochen Russland kritisiert, Truppen an der Grenze zur Ukraine und auf der Krim zusammenzuziehen. Nach russischer Darstellung handelte es sich um ein Manöver, das inzwischen beendet wurde.
„Wir haben eine gewisse Reduzierung der Zahl der russischen Truppen erlebt, aber Zehntausende bleiben, und wir sehen auch, dass Russland viele Waffen und Ausrüstung dagelassen hat“, beklagt hingegen Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Insgesamt gebe es „heute viel mehr russische Truppen in und um die Ukraine als vor dem jüngsten Anstieg der Spannungen“.
Kommentar zu Militärübungen in Osteuropa Nicht nur mit dem Finger auf Russland zeigen

Cottbus

Ähnlich äußerte sich US-Außenminister Antony Blinken. Russland habe zwar einige Truppen von der ukrainischen Grenze abgezogen. „Bedeutende Kräfte“ seien aber weiterhin dort stationiert und ermöglichten Russland theoretisch innerhalb kurzer Zeit „aggressives Handeln“, sagte Blinken bei einem Besuch in der Ukraine.
Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte, sie habe den klaren Eindruck, dass es eine Strategie der russischen Seite sei, „immer wieder zu versuchen zu provozieren“.

Oskar Lafontaine warnt vor Einkreisung Russlands

Provokationen von westlicher Seite sieht hingegen der ehemalige Fraktionschef der Linkspartei, Oskar Lafontaine. Er spricht im Zuge der US-Manöver von einer „Einkreisung Russlands“. „Offensichtlich sind die westlichen Sicherheitspolitiker unfähig, sich vorzustellen, was passieren würde, wenn russische oder chinesische Truppen in Kanada oder Mexiko stationiert würden“, schreibt Lafontaine auf Facebook.
Auf Kritik stößt dabei vor allem, dass auch ukrainische und georgische Truppen an den einigen der Defender-Übungen, unter anderem im bayrischen Grafenwöhr, teilnehmen. Ziel der Übungen sei es, die Zusammenarbeit mit allen Partnernationen zu trainieren, erklärte Brigadier-General Norrie in Brüssel. Dies schließe auch die ukrainische Partner ein. (mit dpa)