Zugefrorene Seen in Sachsen
: Ab wann trägt das Eis?

Viele Seen frieren im Winter in Sachsen zu, doch ab wann darf man sie wirklich betreten? Welche Eisdicke gilt als sicher? Woran man tragfähiges Eis erkennt und welche Gefahren es gibt.
Von
Doreen Matschuk
Dresden
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Gefrorene Gewässer - Gnadensee: 06.01.2026, Baden-Württemberg, Insel Reichenau: Hunderte Menschen tummeln sich auf dem großteils zugefrorenem Gnadensee zwischen der Insel Reichenau und Allensbach (gegenüber). Am Mittag bildete sich ein langer Zug aus Menschen, der am Rand des Bodensees- Gnadensee ist ein Teil davon- von einer Seite zur anderen zog. Foto: Felix Kästle/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Viele Menschen sind auf einem zugefrorenen See unterwegs. Ab wann trägt das Eis und was muss man beachten?

Felix Kästle/dpa

Die Kältewelle über Deutschland lässt sämtliche Gewässer zufrieren. Besonders nach vielen Tagen und Nächten mit Dauerfrost und zweistelligen Minusgraden sind die Seen in Sachsen zugefroren und die Neugierde, auf das Eis zu gehen, steigt. Doch ab wann ist die Eisdecke dick genug?

Ab wann trägt das Eis? Das sollten Sie im Winter wissen

Eine stabile Eisdecke bildet sich nicht sofort nach den ersten kalten Tagen. Die Temperatur des Wassers muss durchgängig auf etwa 4 Grad Celsius sinken, damit sich das Eis zuverlässig bilden kann. Flache Gewässer frieren schneller zu als tiefe Seen, da sich das wärmere Tiefenwasser langsamer abkühlt. Fällt kurz nach der Eisbildung Schnee, wirkt dieser isolierend und verlangsamt das weitere Wachstum der Eisdecke.

Mindestens 15 Zentimeter Eisdicke werden empfohlen

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft empfiehlt, stehende Gewässer erst ab einer Eisdicke von mindestens 15 Zentimetern zu betreten, bei fließenden Gewässern sollten es mindestens 20 Zentimeter sein. Diese Dicke bietet eine ausreichende Sicherheit, da Eisdecken oft ungleichmäßig dick sind und unter Brücken oder in der Nähe von Zu- und Abflüssen dünner sein können.

Selbst wenn das Eis zunächst sicher erscheint, ist es wichtig, wachsam zu bleiben. Bei ungewöhnlichen Geräuschen wie Knacken oder Knirschen ist es ratsam, das Eis unverzüglich zu verlassen.

So überprüft man die Eisdicke von zugefrorenen Seen

Die Dicke des Eises kann mit Werkzeugen wie einer Axt, einem Beil oder einer Eisschnecke gemessen werden. Da die Eisdicke in den meisten Seen und Flüssen nicht an allen Stellen gleich ist, empfiehlt es sich, diese an mehreren Stellen zu überprüfen. Viele Kommunen veröffentlichen außerdem Hinweise zur Begehbarkeit der Gewässer.

Wichtig: Man sollte niemals alleine aufs Eis gehen!

Woran erkennt man sicheres Eis?

Besonders tragfähig ist das sogenannte „schwarze Eis“, das bei klarem, frostigem Wetter ohne Niederschlag entsteht. Weißes Eis, das durch Schnee oder Regen gebildet wird, ist deutlich weniger stabil und kann bis zu zehnmal weniger tragen.

Vorsicht ist auch in schneebedeckten Bereichen, in Ufernähe und an Zuflüssen geboten.

Alles Wichtige auf einen Blick: Was ist zu beachten, bevor man aufs Eis geht?

Nie alleine aufs Eis gehen!

Einen See erst betreten, wenn das Eis 15 Zentimeter dick ist – bei fließendem Gewässer erst bei 20 Zentimetern Dicke

Erkundigen Sie sich bei der zuständigen Kommune, ob das Eis schon trägt.

Nicht gleich an den ersten kalten Tagen aufs Eis gehen!

Auf Warnungen in Radio und Zeitung achten!

Das Eis sofort verlassen, wenn es knistert oder knackt!

Sollte man das Gefühl haben einzubrechen, flach hinlegen und vorsichtig auf dem gleichen Weg zurück Richtung Ufer bewegen.

Werden Gewässer in Sachsen freigegeben?

Laut MDR weist das Leipziger Rathaus darauf hin, dass ein Betreten zugefrorener Gewässer auf eigene Gefahr erfolgt. Die Stadt übernehme keine Haftung für Unfälle und den eventuellen Einsatz von Rettungskräften.

Die Stadt Chemnitz verweist bisher noch darauf, dass für Freizeitsport die öffentlichen Sportstätten genutzt werden sollten.

In Dresden ist das Betreten von Eisflächen nur erlaubt, wenn es durch die Stadt ausdrücklich freigegeben wurde.

In anderen Regionen und Kommunen können andere Regeln gelten. Informieren Sie sich vorab.

Der Einbruch ins Eis: Vorbereitung auf den Ernstfall

Kommt es, trotz aller Vorsicht, zu einem Einbruch ins Eis:

  • Ruhe bewahren und sich flach auf das Eis legen
  • in Bauchlage in Richtung Ufer schieben
  • sofort den Notruf 112 wählen
  • Hilfe für andere: Rettungskräfte alarmieren und selbst Abstand halten
  • verunglückte Person mithilfe eines eigenen Kleidungsstückes oder eines Stockes herausziehen

Wetterangepasste Kleidung, eine Schwimmweste beim Testen des Eises, ein Eispickel sowie trockene Wechselkleidung in einer wasserdichten Tasche können im Ernstfall helfen. Ein kleines Notfallset mit Rettungsdecke, Wärmern, Socken, Mütze, Kerzen und Streichhölzern ist ebenfalls sinnvoll.

Außerdem sollte immer jemand wissen, wohin man geht und wann man zurückkehrt.