Wetter in Deutschland
: Kommt nochmal eine Hitzewelle?

Mehrere Wetterberichte sorgen am Dienstag mit außergewöhnlich hohen Temperaturen zum Monatsende für Aufsehen. Teilweise ist sogar von einer neuen „Hitzewelle“ die Rede.
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Was der Herbst mit unserem Körper macht : Die aufgehende Sonne illuminiert einen herbstlichen verfärbten Laubbaum im Georgengarten an den Herrenhäuser Gärten. (zu dpa: «Kürzere Tage, kältere Luft: Wie der Herbst im Körper wirkt»)

Wird es nochmal heiß?

Alicia Windzio/dpa

Der Herbst beginnt – und gleichzeitig machen neue Schlagzeilen über eine angeblich bevorstehende Hitzewelle die Runde. Von Temperaturen bis 30 oder sogar 31 Grad ist die Rede. Tatsächlich könnte es in Deutschland Ende September noch einmal ungewöhnlich warm werden. Eine Hitzewelle für ganz Deutschland lässt sich aus den aktuellen Prognosen aber nicht ableiten.

DWD erwartet bis zu 28 Grad

Nach der am Dienstag veröffentlichten Zehn-Tage-Prognose des DWD setzt sich in Deutschland in den kommenden Tagen überwiegend warmes Hochdruckwetter durch. Von einer landesweiten Hitzewelle ist dort keine Rede.

Am Freitag liegen die Höchsttemperaturen in der Nordosthälfte zunächst bei 16 bis 20 Grad, in der Südwesthälfte bei 18 bis 24 Grad. Am Samstag wird es im Süden deutlich wärmer. Dort werden meist 20 bis 25 Grad erwartet, am Oberrhein örtlich bis zu 27 Grad. Im Norden bleibt es unter dichteren Wolken mit 16 bis 20 Grad erheblich kühler.

Noch etwas wärmer soll der Sonntag werden. Deutschlandweit liegen die Höchstwerte nach der aktuellen DWD-Prognose bei 19 bis 25 Grad, im Südwesten sind bis zu 28 Grad möglich.

Auch am Montag erwartet der Wetterdienst 20 bis 28 Grad. Die höchsten Temperaturen werden erneut im Süden und Südwesten erwartet. Am Dienstag sind meist 20 bis 27 Grad angekündigt.

Damit steht tatsächlich eine ausgeprägte spätsommerliche Wärmephase bevor. 30 Grad oder mehr tauchen in der aktuellen offiziellen DWD-Zehn-Tage-Prognose jedoch nicht auf.

Woher kommen dann die 31 Grad?

Die derzeit kursierenden Werte von 30 oder 31 Grad stammen aus weiter reichenden Modellberechnungen. Beispielsweise aus einem Lauf des europäischen ECMWF-Modells, der für den 28. September im Westen und Südwesten Deutschlands örtlich bis zu 31 Grad berechnet. Dabei könnte eine südliche Strömung sehr warme Luft nach Deutschland führen.

Solche Modellwerte sind meteorologisch interessant, aber nicht mit einer konkreten Vorhersage gleichzusetzen. Gerade mehrere Tage im Voraus können sich Lage, Stärke und Position eines Hoch- oder Tiefdruckgebiets noch verändern. Damit ändern sich auch die berechneten Höchsttemperaturen.

Der aktuelle DWD-Trend unterstreicht diese Unsicherheit. Für Mittwoch, 30. September, bis Freitag, 2. Oktober, erwartet der Wetterdienst zwar weiterhin häufig warmes Herbstwetter mit Sonne und nur geringer Niederschlagsneigung – die angegebenen Höchsttemperaturen liegen aber bei 20 bis 26 Grad.

30 Grad bedeuten noch keine Hitzewelle

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Selbst wenn an einzelnen Orten Deutschlands tatsächlich noch einmal 30 oder 31 Grad erreicht werden, bedeutet das nicht automatisch, dass Deutschland eine neue Hitzewelle erlebt.

Der Deutsche Wetterdienst bezeichnet einen Tag mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad als „Heißen Tag“. Für den Begriff Hitzewelle existiert dagegen keine allgemeingültige meteorologische Definition. Gemeint ist grundsätzlich eine über mehrere Tage anhaltende Phase außergewöhnlich hoher Temperaturen.

Ein einzelner heißer Tag am Oberrhein, an der Mosel oder in anderen besonders warmen Regionen wäre deshalb etwas anderes als eine mehrtägige Hitzewelle, die große Teile Deutschlands erfasst.

Deutschland bleibt außerdem deutlich zweigeteilt

Auch die regionalen Unterschiede sprechen gegen die Vorstellung einer deutschlandweiten Hitzewelle. Während im Süden und Südwesten in den kommenden Tagen Temperaturen deutlich über 25 Grad möglich sind, bleibt es im Norden zeitweise wesentlich kühler.

Am Samstag erwartet der DWD im Norden unter Wolken teilweise nur 16 bis 20 Grad. Dort ziehen außerdem zeitweise Wolkenfelder und etwas Regen durch. Erst weiter südlich werden verbreitet mehr als 20 Grad erreicht.

Deutschland erlebt also nicht überall gleichzeitig sommerliches Wetter. Der Schwerpunkt der Wärme liegt klar im Süden und Südwesten.