Weihnachtsmann werden
: Berliner Workshop vermittelt das 1x1 des Weihnachtsmann-Handwerks

Ho ho ho! Wie kann man Weihnachtsmann werden, den man buchen kann? Eine Weihnachtsmann-Schulung bildet Nachwuchs aus erklärt auch, wie man peinliche Pannen vermeidet.
Von
Lisa Klopp-Jaber
Berlin
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Weihnachten 2023: Wie man Weihnachtsmann wird, welche peinlichen Pannen man als Santa Claus vermeiden sollte und wo man einen Weihnachtsengel bucht, lesen Sie hier. (Symbolbild)

Matt Alexander,dpa

Eine Weihnachtsmann-Vermittlungsplattform, peinliche Pannen der Weihnachtsmänner, Santa Claus aus Zeitmangel auf einem E-Scooter und Personalmangel unter Weihnachtsmännern? Was wie eine lustige Weihnachtskomödie klingt, ist das alltägliche Weihnachtsgeschäft von Weihnachtsmann2Go.

Einen Weihnachtsmann oder Engel buchen

Peinliche Pannen vermeiden

Entstehung der Weihnachtsmann-Vermittlung

Weiterbildung für Weihnachtsmänner: einen Weihnachtsmann buchen

Was tun, wenn ein Kind am Bart zieht und droht, den gebuchten Weihnachtsmann zu enttarnen? Was, wenn der Jutesack reißt oder das Goldene Buch bei einer anderen Familie liegen geblieben ist? Auch Weihnachtsmänner können Pannen erleben. In einem gut zweistündigen Workshop in Berlin geben erfahrene Weihnachtsmänner neuen Kollegen entscheidende Hinweise für möglichst unfallfreie Bescherungen. Organisiert wird das Ganze von „Weihnachtsmann2Go“, einer Weihnachtsmann-Vermittlungsplattform.

Über Weihnachtsmann2Go kann man einen Weihnachtsmann oder einen Engel für die Kita, die Schule, die Weihnachtsfeier oder für zu Hause buchen. Auf der Webseite kann man seine Adresse, die Anzahl der Kinder und das Datum, zum Beispiel Heiligabend, eingeben. In der Ergebnisliste erscheinen dann die Weihnachtsmänner, die zu dem Termin noch Zeit haben. Die Weihnachtsmänner stellen sich mit Foto, kleinem Text, möglichen Zeitfenstern und Preis vor – wie bei einer Dating-App.

Auf der Webseite kann man sich außerdem anmelden, wenn man selber als Weihnachtsmann oder Weihnachtsengel arbeiten möchte. Alle Anfänger können dann an einer Weiterbildung teilnehmen, um ein Weihnachtsprofi zu werden und Pannen zu vermeiden.

Peinliche Pannen zu Weihnachten

„Eine gute Vorbereitung ist einfach alles“, sagt Hansjörg Rodewald, der seit fast 30 Jahren als Weihnachtsmann unterwegs ist. „Man muss alle Namen in der Familie kennen, selbst den Vornamen der Katze. Je mehr man weiß, desto besser“, so Rodewald, der immer Ersatzsäcke und eine Kopie des Buches im Gepäck hat.

Ebenso sei es wichtig zu wissen, wo die Geschenke liegen und auch für ausreichend Licht müsse gesorgt sein, denn sonst sei es unmöglich, aus dem Goldenen Buch vorzulesen, in dem wichtige Informationen über die Kinder stehen.

Dunkelheit oder Geschenke, die vom Familienvater erst aufwändig zusammengesucht werden müssen – hat er alles schon erlebt. „Es ist schade, wenn für die Kinder dann weniger Zeit bleibt, denn um sie geht es ja schließlich“, so Rodewald.

Entstehung der Weihnachtsmann-Vermittlung – zu Weihnachten nicht alleine sein

Der 58-Jährige gehört zum Stammpersonal von Weihnachtsmann2go. Gründer Frederik Tholey, im Hauptberuf Rechtsanwalt, sitzt im Dienstgewand in einem prächtigen, goldverzierten Samtsessel in einem angemieteten Tagungsraum, neben ihm Rodewald, ebenfalls in Dienstkleidung mit Bart und Perücke.

Vor ihnen: eine bunte Mischung von Männern, vom Enddreißiger über den pensionierten Polizisten bis hin zum Rentner, der von den Anderen um seinen langen grauen Naturbart beneidet wird. Sie alle hören aufmerksam zu, als Tholey erläutert, wie sie sich auf der Internetseite anmelden, ihr Einsatzgebiet eingrenzen und den Preis festlegen können. Anfängern empfiehlt er etwa 50 bis 60 Euro pro Besuch. An einem Abend können so mehrere Hundert Euro zusammenkommen.

Doch das Geld ist nicht alles: Manche Männer wollen Weihnachten einfach nicht allein zu Hause sein. Rolf, 39, sagt, seine eigene Familie sei zerrüttet. „Ich möchte Weihnachten einfach etwas Herzenswärme erleben und leuchtende Kinderaugen sehen“.

Falls Kinder an der Echtheit des Weihnachtsmanns zweifeln, empfehlen Tholey und Rodewald, die Kleinen in ein Gespräch zu verwickeln, zu improvisieren, die Weihnachtsgeschichte zu erzählen. „Die Kinder wollen ja auch an den Weihnachtsmann glauben“, sagt Rodewald.

Dies wiederum dürfe man aber nicht ausnutzen. „Wir haben keinen Erziehungsauftrag und wollen die Kinder auch nicht vorführen, sondern eher Positives über sie erzählen“, betont Tholey. Die Zeiten strafender Worte oder gar einer Rute seien längst vorbei.

Um möglichst viele Familien besuchen zu können und pünktlich zu sein, empfiehlt Tholey Auto oder Fahrrad, auf den Bus sei schließlich nicht unbedingt Verlass. „Ich war auch schon mal mit einem E-Scooter unterwegs, musste bei Regen aber aufs Taxi umsteigen“, erzählt er.

Tholey ist schon als Student als Weihnachtsmann aufgetreten, ein Freund brachte ihn auf die Idee. Doch das Studierendenwerk habe 2018 den Vermittlungsservice eingestellt. „Wir haben dann übernommen. So ist Weihnachtsmann2Go entstanden“, erzählt Tholey. „Wir verdienen eigentlich nichts daran, sondern sammeln eher Erfahrungen“, sagt Geschäftspartner Tobias Groß. Nur die Vermittlungsgebühr von zwölf Euro pro Buchung gehe an das Unternehmen, so Tholey.

Personalmangel bei den Weihnachtsmännern

Die größte Herausforderung für die Beiden: Personal zu finden. Denn auch in der Weihnachtsbranche herrscht Fachkräftemangel. Tobias Groß war erst kürzlich wieder in Mensen unterwegs, um Kandidaten zu suchen. „Es ist sehr schwierig“, sagt er. Auch andere Vermittlungsagenturen suchen Darsteller. „Ich spreche Frauen, die engelhaft wirken, direkt auf der Straße an oder frage auch Schauspiel-Kolleginnen“, sagt etwa Angela Jehring, selbst Schauspielerin und Inhaberin der Agentur „Engel in Berlin“.

Monika Kubau von der Berliner Weihnachtsmannzentrale hofft, ihren Personalstamm an Weihnachtsmännern mit dem Schalten von Anzeigen aufstocken zu können. „Vorerfahrung ist eigentlich nicht nötig, etwas schauspielerisches Talent sollten die Weihnachtsmänner aber mitbringen“, sagt sie.

Beim Workshop in Neukölln können die Kandidaten ihr Talent gleich zeigen. Mit Kostümen, Glocke, Bart und Make-up ausgestattet, posieren sie anschließend bei einem kleinen Foto- und Video-Shooting. Auf der Internetseite sollen sich Eltern später einen Eindruck von ihnen verschaffen können. Der erste Eindruck zählt schließlich, auch bei Weihnachtsmännern.

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